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vergrößern 600x879Mehr Energie war am Donnerstag beim Frequency-Festival nicht zu erleben. Bob Mould spielt sich vor beschämend wenig Publikum durch das Sugar-Album "Copper Blue".
Wien - Wie der Villacher Fasching zählen heimische Musikfestivals zu den heiteren Höhepunkten des Jahres. Und wie für den Kärntner Narrenauftrieb gilt das auch bei den Festivals weniger im humoristischen Sinne, sondern in der Interpretation von angeheitert. Sollte dabei ein Witz abfallen, ist das quasi ein Kollateralsegen. Oder Schaden.
Zurzeit ist es das viertägige Frequency-Festival in St. Pölten, das unter dem nach wie vor Publikum ziehenden Vorwand, Musik zu präsentieren, tausende vornehmlich junge Menschen anlockt. Und sie kommen - trotz der Musik. Schließlich sind es depperte Bands, die keiner braucht und kennt, die den Eintrittspreis in die Höhe treiben. Wie super die waren, lässt sich dann auf der FM4-Homepage nachlesen, die das Festival, wie jedes Jahr, begleitend abfeiert.
Dass vor den Bühnen oft weniger los ist als bei diversen Zerstreuungsanbietern dazwischen, illustriert die Prioritäten des Publikums. Hat die Zerstreuung ein gewisses Level erreicht, wird mit dicken Filzschreibern "Free Kisses" ins Dekolleté gemalt - ohne erkennbare Nachfrage zu generieren, obwohl es an lüstern dreinblickenden Jungmännern gar nicht mangelt.
Ob der Aufforderung dreier junger Damen, für den "Frieden zu ficken", nachgekommen wurde, ließ sich nicht verifizieren. Selbst investigativer Journalismus kennt Grenzen. Aber natürlich ist das ja nur lustig gemeint. Was haben wir gelacht. Wozu es für derlei aus dem Privatfernsehen bekanntes Brauchtum aber Musik braucht? Dieses wiederkehrende Rätsel bleibt ungelöst.
Doch bevor man über derlei Déjà-vus ins Grübeln kommt, nimmt einen die deutsche Band Kraftklub in Beschlag. Nicht musikalisch. Aber nachdem sie endlich ihre Instrumente fertig gestimmt hat, penetriert einen der Sänger hauptsächlich mit Geschwätz zwischen der Musik, die klingt, als hätte niederes Dienstleistungspersonal eine Feierabendkapelle gegründet. Macht nichts, es gibt ja noch Bob Mould.
Der hat mit seiner Band Hüsker Dü in den 1980er-Jahren ironischerweise die Geleise für derlei Festivals gelegt. In St. Pölten präsentierte der mittlerweile 51-jährige Gitarrist und Sänger das Album Copper Blue in seiner Gesamtheit.
Dieses hat er vor zwanzig Jahren mit der Band Sugar veröffentlicht. Damals eroberten Nirvana gerade die Welt - mit Musik, die Bands wie die 1987 aufgelösten Hüsker Dü zuvor noch nicht mainstreamtauglich gespielt hatten.
Der frühere Nirvana-Schlagzeuger Dave Grohl begleicht diese "Schuld" heute damit, dass er Mould im Vorprogramm seiner Foo Fighters präsentiert, ihn auf seinem letzten Album als Gast zum Mitmusizieren eingeladen hat und ihn aktuell immer wieder auf die Bühne bittet, um mit den Foo Fighters zu spielen.
Das Album, durch das Mould im energischen Trio donnert, wurde eben neu aufgelegt - und Mould ist unterwegs, um diese Nachricht zu verbreiten.
Trotz seines Auftritts vor vielleicht 200 Interessierten ist es, gemessen am Energielevel, wohl das beste Konzert am Donnerstag. Mitunter schon zu rastlos donnern Mould, John Wurster und Jason Narducy durch Songs wie A Good Idea, Fortune Teller oder das poppige If I Can't Change Your Mind. Ein Sturm down memory lane. Dann folgen Songs seines neuen, im Oktober erscheinenden Albums Silver Age, die in Aussicht stellen, dass dieser Sturm noch lange nicht vorbei ist.
Vom Winde verweht
Apropos heftiger Wind. Ein solcher schmälert das Vergnügen, weil er den Sound zusehends verbläst. Während das vor der Green Stage noch ein geringeres Übel ist, bedeutet es auf der großen Space Stage jede Menge Sand und Staub, der vor der Bühne aufgewirbelt wird - auch hier verweht der Wind die Musik.
Wobei das bei Tocotronic zum Beispiel auch schon egal ist. Die Hamburger Band wirkt bei ihrem Auftritt, als sei sie stehend k. o., ja, als hätte sie Sand ins Getriebe bekommen. In behäbigem Midtempo-Rock bieten sie einen Querschnitt aus ihrem Gesamtwerk, wobei Sänger Dirk von Lowtzow mitunter wie Herbert Grönemeyer bellt. Aber vielleicht ist daran auch der Wind schuld. Und k. o. zu sein war ja bei Tocotronic schon immer o. k.
Die US-Formation Wilco überzeugt anschließend mit progressiv gedeutetem Country-Rock - nicht ohne festzustellen, dass sich vor der Bühne nicht gerade die Massen überschlagen. Wohl auch deswegen ein schöner Auftritt.
In der Nacht sind dann Massen vor der Bühne, doch Brian Molko, Sänger der als Hauptact gebuchten Placebo, bricht nach nur einem Song ab. Ein Virus, heißt es in einem Statement, habe den Auftritt verunmöglicht.
Den hier fälligen Witz über den Zusammenhang von Placebo und Krankheit bitte selber ausdenken. (Karl Fluch, DER STANDARD, 18./19.8.2012)
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Ein Festival ist unter anderem auch eine der wenigen Möglichkeiten dem oft trostlosen Alltag zu entkommen und wenn dort dann etwas mehr gefeiert und getrunken wird als zu Hause beim Dorfwirten sollte das auch akzeptiert werden.
Außerdem fühle ich als Jugendlicher mich nicht ganz wohl dabei zu lesen, dass unsereins keine Ahnung von Musik habe oder eh nie vor der Bühne sei. Trifft vielleicht auf viele zu, doch nicht auf alle.
Und natürlich gab es großartige Konzerte und Bands, von denen sie aber anscheinend nicht viel mitbekommen haben, weil sie gegenüber neuer Musik anscheinend keine Akzeptanz zeigen.
ich bin beeidruckt, anders als in der schachinger-kritik letztes jahr wurden sogar bands erwähnt! herrliche tocotronic-anspielung, ich kann hier und auch allgemein aber wenig zustimmen, "neue" musik muss nicht schlecht sein, nur weil sie neu ist. einige der acts haben wirklich sehr gute shows abgeliefert!
Gut gelaunt war ich schon neugierig was meine (tatsächliche) Lieblingszeitung beim jährlichen "Frequency-Bashing" von sich gibt! Wie zu erwarten hat Hr. Fluch unseren lieben Schach vom Vorjahr übertrumpft und noch eins drauf gelegt: Depperte Bands die keiner braucht!? Als ich vor 25 Jahren meine Teenagerhelden The Cure zum ersten Mal sah, benahm ich mich nicht viel anders wie die "Jugend" heute (so wie auch Sie Hr. Fluch), und bei Musik,Tanzen und Alkohol (oh!) jede Menge Spaß gehabt. Auch schüttelten damals meine Eltern mit ihren Mitte 40 bei meiner Musik von Smiths, Cure, usw.genauso den Kopf wie Sie jetzt. Ich hatte in den 4 Tagen wieder jede Menge gute bis nette Musik gehört: A bissi mehr reflektieren, meine Herren!
Fand das Lineup heuer sehr schwach, wenn nächstes Jahr wieder soviel austauschbarer Indierock kommt, bleib ich daheim. Meine Höhepunkte waren Kettcar und Bob Mould, wirklich tolle Konzerte. Gerade bei Bob Mould einfach nur schön zu sehen, wie er mit 51 ein Lied nach dem anderen raushaut und Spaß hat.
Leider hat Herr Fluch diesmal gar nicht so unrecht. Konzerte leben nun mal auch von der entsprechenden Stimmung im Publikum, wobei es zu unterschiedlichen Rückkopplungen kommen kann. Das ist zwar vielleicht nicht besonders professionell, aber menschlich. Nichtdeutsche Bands die zufälligerweise nicht auf die Namen Seeed, Deichkind, Rammstein oder Die Ärzte lauten, wird von der Masse weniger Begeisterung entgegengebracht und haben es auffällig schwer in Österreich. Weshalb gerade Frequency und Nova Rock diesen speziell Maturareise-Charakter aufweisen und somit, entgegen internationalen Trends (Coachella, Glastonburry, Roskilde, Pinkpop, Rock Werchter) kaum mehr Besucher jenseits des 20. Lebensjahres anlocken, sollte zu hinterfragen sein.
Für die Musik gilt das Gleiche wie für andere Dinge auch: Sie wird nicht besser oder schlechter, weil sie Leute, mit denen ich nichts anfangen kann nicht wertzuschätzen wissen (besonders wenn ich im konkreten Fall wohl auch einfach zu... alt bin, um sie zu verstehen). Da würde ich mir sonst einiges verbieten müssen, was ich eigentlich mag. Ich sag nur Sugarbabes...
Es ist wurscht, ob da 200, oder 10.000 vor der Bühne stehen. Das Frequency verliert dadurch bestimmt nicht seine Berechtigung. Es ist ja kein Frequency-eigenes Phänomen, dass nicht immer die beste Musik die mit der meisten Resonanz ist.
Hätte der Fluch mit seinem Verriss doch bis Samstag gewartet. The xx waren nämlich super.
Übrigens: Ein Buh für den Dienstpersonal-Vergleich
Schließen uns den Buh-Rufern über diese Entgleisung an und werden dem die Nase rümpfenden Herrn Redakteur mit Sicherheit nicht unter 100 € Einlass gewähren beim demnächst stattfindenden Hilton-Housekeeping-Premierenkonzert. Welches mit einer Coverversion etwa hiervon aufwarten wird:
Wall Of Voodoo - Factory
http://www.youtube.com/watch?v=nQ0JnDVOiMY
zu fm4:
das ist das oe3 der jüngeren generation. alles was die mittlerweile in die hand nehmen wird gnadenlos umarmt und zu tode vermarktet. dürfte ein orf phänomen sein.
die verantwortlichen von fm4 sollten geschl. das ruder an die nächste generation abgeben. dann könnte es ev. wieder spannend werden!
das problem liegt zum teil auch am hauptsächlich österreichischen publikum. dasselbe lineup in einem beliebigen anderen europ. land würde wesentlich mehr besucher anziehen. ich weiss auch nicht woran es liegt, aber das die black keys ohne applaus von der bühne gingen (geschweige denn ohne zugabe rufe) hab ich noch nie erlebt!
Ob der Aufforderung dreier junger Damen, für den "Frieden zu ficken", nachgekommen wurde, ließ sich nicht verifizieren, obwohl es an lüstern dreinblickenden Altjournalisten gar nicht mangelte.
Selbst investigativer Journalismus kennt Grenzen (z.b. Angst vor der Abfuhr).
NIX DA FREQUENZY
BREITENSEE
http://www.youtube.com/watch?v=3... e=youtu.be
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