Samenspender mit Entwicklungspotenzial

  • Die Vielfachvaterrolle ist neu und fordernd: Patrick Huard (li.) als Titelheld und Antoine Bertrand in Ken Scotts "Starbuck".
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    Die Vielfachvaterrolle ist neu und fordernd: Patrick Huard (li.) als Titelheld und Antoine Bertrand in Ken Scotts "Starbuck".

(Zu) erbauliches Wohlfühlkino: Die kanadische Erfolgskomödie "Starbuck"

Wien - An eine Investition in die Zukunft dachte David Wozniak (Patrick Huard) bei dieser manuellen Arbeit wohl als Letztes. Es ging um schnell verdientes Geld: Cash gegen Ejakulat. Zwanzig Jahre später ist daraus doch so etwas wie eine Anlage geworden: Rund 140 Sprösslinge, die statt ihres Vaters nur das Codewort Starbuck kennen - nicht die Coffee-Shop-Kette, sondern ein Zuchthengst steht dafür Pate -, klagen die betreffende Samenbank auf Herausgabe der Identität ihres gemeinsamen Erzeugers.

Ken Scotts Komödie beruht auf einer wahren Begebenheit, obwohl sich der Plot ein wenig wie Science-Fiction anhört. Die Last der Pointen hat darin natürlich David zu tragen, ein sympathisch zauseliger Antiheld, der mit der Neorolle des Vielfachpapas schon deshalb überfordert ist, weil er mit dem eigenen Dasein nicht fertig wird. Das schwarze Schaf eines resoluten Fleischhauer-Clans darf die hauseigenen Produkte nur zur Kundschaft ausfahren. Mehr traut man ihm nicht zu. Tatsächlich hat er nicht nur in wirtschaftlichen, sondern auch in romantischen Belangen so seine Not.

Trotz einer gewissen Ähnlichkeit zu einschlägigen US-Komödien aus dem Judd-Apatow-Wendekreis handelt es sich bei Starbuck um keine verfeinerte Brachialkomödie. Der Film ist im Gegenteil ganz auf den erbaulichen Arthouse-Sektor hin produziert: Nicht soziales Patchwork und männliche Malaise, sondern ein warmherziger Tonfall der Versöhnung steht hier im Vordergrund. Der Film betrachtet den Familienzuwachs für den 42-jährigen David als Chance, den Schlendrian hinter sich zu lassen und endlich Verantwortung zu übernehmen.

So etwas geht natürlich nicht von heute auf morgen. Scott, der gemeinsam mit Martin Petit auch das Drehbuch geschrieben hat, lässt seinen Protagonisten zuerst Gegenmaßnahmen mit seinem Anwalt aushecken. Doch als David die erste Kinderakte öffnet, ist es um ihn geschehen: Zu verlockend erscheint es ihm, sich in den fremden Leben einmal umzuschauen und kurz nach dem Rechten zu sehen. Der Fußballstar benötigt keine Zuwendung, die drogensüchtige Tochter und der im Rollstuhl sitzende Raffael dafür umso mehr.

Mit seinem kalkuliert auf Mitgefühl pochenden Gestus büßt Starbuck jedoch bald komischen Schwung ein und treibt auf sanft melodramatischen Gewässern dahin. Auch in diesen vermag sich der Film - zu sehr daran interessiert, alle Kanten abzuschleifen - nicht recht zu bewähren. Starbuck ist ein prototypisches Feel-Good-Movie, das sich immer dann, wenn es dramaturgisch holprig wird, mit musikalischen Sequenzen hilft, die so etwas wie Lebensgefühl suggerieren. Das US-Remake der Erfolgskomödie, das Ken Scott selbst inszenieren wird, ist bereits unter Dach und Fach. Vince Vaughn übernimmt den Papa mit Helfersyndrom.   (Dominik Kamalzadeh, Album, DER STANDARD, 18./19.8.2012)

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