Belgiens Premier Di Rupo hat schon 2.500 niederländische Vokabel gelernt

Lehrer: "Er ist einer der begabtesten"

Brüssel - Der belgische Ministerpräsident Elio Di Rupo macht nach Angaben seines Sprachenlehrers Fortschritte beim Erlernen des Niederländischen. "Er ist einer der begabtesten und motiviertesten Schüler, die ich jemals hatte", sagte sein Privatlehrer Bart Brusseleers nach Angaben der Zeitung "Le Soir" vom Donnerstag. So habe Di Rupo seit seinem Amtsantritt im Dezember mehr als 2.500 Vokabel gelernt. An seiner Aussprache müsse Di Rupo aber noch feilen, sagte der Lehrer.

Als Di Rupo 2011 das Amt des belgischen Ministerpräsidenten angetreten hat, war er der erste Politiker des französischsprachigen Südens Belgiens an der Spitze der Regierung seit 37 Jahren. Damals sprach der heute 62-Jährige die Sprache des anderen Landesteils nur gebrochen. Seine Vorgänger aus Flandern parlierten dagegen fließend Französisch. Die niederländisch sprechende Flamen stellen rund 60 Prozent der Bevölkerung Belgiens. (APA, 17.8.2012)

  • "Uitstekend" sind die Lernfortschritte von Premier Di Rupo, sagt sein Lehrer.
    foto: apa/epa/van weel

    "Uitstekend" sind die Lernfortschritte von Premier Di Rupo, sagt sein Lehrer.

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Der gute Koenig spricht auch sehr schlecht Flaemisch...

Der belgische Ministerpräsident Elio Di Rupo macht nach Angaben seines Sprachenlehrers Fortschritte beim Erlernen des Niederländischen

toll. ganz toll.

es ist wohl eine masslose übertreibung die zweite "landesprache" zu können, bevor man premier wird.

ich meine, so ist es doch auch ganz nett. erstens bezahlt er es nicht selbst sondern der steuerzahler, und zweitens hat er als premier offensichtlich auch viel zeit dafür.

Andererseits diplomatisch nicht ungeschickt, wenn er die beiden Landesteile zusammenhalten will.

Der Überschrift sollte "Nederlands spreken" sein.
Wahrscheinlich weißt eben Di Rupo dass.

Belgien ist eben ein Kunststaat, den es gar nicht geben dürfte.

Das ist halt die berühmte flämische Malerei.

Ich würde sagen, es ist einer der bedeutendsten Kunstsstaten der Welt!

Die flämische Malerei geht aber sicher nicht auf Belgien zurück, sondern auf das flämische Gebiet, das schon im 13. und 14. Jhdt aufgrund seiner Protoindustrie ein reiches Eigenleben zwischen dem deutschen und französischen Reich, letztendlich im burgundischen Zwischenreich führte. Dieses Gebiet umfasst aber neben Belgien noch französisch Flandern und die Niederlande. Die flämischen Maler gäbe es mit Sicherheit auch ohne Belgien (da Belgien erst 1830 entstand).

Was für ein Staat ist letztlich kein Kunststaat?
Österreich jedenfalls am allerwenigsten. Und was soll überhaupt gegen Kunstsstaaten sprechen, solange sie funktionieren (Belgien ist ein Grenzfall)?
Ein natürlicher Staat wäre jedenfalls ein Widerspruch in sich (außer der Bienenstaat), gewachsen kann er allenfalls sein.
Und warum sollte es auch dysfunktionale Kunststaaten nicht geben dürfen, solange es die Bevölkerung weiter versuchen will?

Nationalstaaten sind in der Regel keine Kunststaaten. Und dass Österreich ein Kunststaat ist, hat er 1938 bewiesen, als er in Null Komma Nichts kollabiert ist. Alleine die Bundesländer, die wir jetzt nicht mehr loswerden, waren 1919 ja geradezu nötig, um eine Kontinuität zu etwas herzustellen, das es vorher nicht gab: Österreich, oder wie es Clemenceau (ich glaube der war es), ausgedrückt hat: Österreich ist das, was übrig bleibt. Historisch gesehen (und bitte nicht mißverstehen, aus damaliger Perspektive), war zum damaligen Zeitpunkt die Rückkehr in die deutsche Republik das naheliegendste. Aber das wurde ja aus gutem Grund durch die Entente untersagt.

Wieso ist Deutschland mit seiner langen Geschichte von unabhängigen Kurfürstentümern, Herzogtümern und Königreichen kein Kunststaat, aber Österreich schon?

Jeder Staat, jede Gesellschaft ist nichts anderes als ein Konstrukt, das sich durch künstlich gezogene Grenzen von den "Anderen" abgrenzt.

....Österreich sah nach 1918 eben etwas anders aus, man musste neues

konstruieren, was uns bis heute geblieben ist , ist unsere Verwaltung die eher für 100 Mio. Einwohner ausgerichtet ist als für 8 Mio.

"Nationalstaaten sind in der Regel keine Kunststaaten."

Deshalb bedurfte es z.B. in Deutschland bloß eines Krieges, in dem deutsche auf Deutsche schossen, um den ganz natürlichen Nationalstaat zu Wege zu bringen.

Noch zur Ergänzung: das deutsche Kaiserreich wurde aus gutem Grunde nicht in Wien, sondern in Versailles ausgerufen. Der "deutsche Bruderkrieg" wurde durchaus als Geburtsfehler angesehen und erst der Angriff Frankreichs ermöglichte die Einbeziehung der süddeutschen Staaten ins deutsche Reich. Derartige Trennlinien gab es auch in Frankreich (midi, Bretagne, Nordfrankreich), die wurden aber teilweise recht früh (Albigenserkreuzzüge), teilweise nie gänzlich abgetragen. Die nationale Einigung (zumindest in Ansätzen) glückte in Frankreich eben schon im Mittelalter, in Deutschland erst im 19. Jhdt.

Nein, um den deutschen Nationalstaat zu verhindern, bedurfte es historisch schon vielmehr: zuerst eine verfehlte bzw mißglückte Reichspolitik der Staufer, die auf Italien ausgerichtet war, anstatt auf Deutschland, ein früher Tod Heinrichs VI., der ewige Gegensatz zu den Päpsten, an denen sich das Kaisertum und Papsttum aufrieben und dessen Früchte der entstehende französische Nationalstaat erntete, ein Interregnum, eine Glaubensteilung bei fehlender Zentralmacht und zuletzt das Interesse ausländischer Mächte an der inneren Schwäche Deutschlands (Gustav Adolph von Schweden, die französischen Könige). Italien und Deutschland waren schließlich die letzten Nationalstaaten die sich zusammenfanden.

Da gebe ich Ihnen zum Großteil Recht.
Allerdings betrachte ich auch die meisten Nationalstaaten als künstlich, Ergebnis zielgerichteten politischen Wollens und gerade kursierender Ideologien, sie sind ja auch meist nicht gerade alt. Allein die sanften oder brutalen Erziehungs- und Bereinigungsprozesse, die dafür nötig sind!
Als "nichtkünstlich" würde ich noch eher Stadtstaaten betrachten, klar abgegrenzte,kleinere geografische Gebiete wie Inselstaaten und alte, in feudal-dynastischem Umfeld geprägte Territorien, wie sie sich eben großteils noch in den Bundesländern widerspiegeln.

"in feudal-dynastischem Umfeld geprägte Territorien, wie sie sich eben großteils noch in den Bundesländern widerspiegeln."

Die Stammesherzogtümer Deutschlands bilden de facto ebenfalls Sprach- und Kulturgrenzen ab. Nicht umsonst bildete sich aus dem fränkischen Reich bald eine ost- und westfränkische Häflte mit einem labilen Mittelreich aus. Es ist nunmal ein Faktum, dass ein Bayer einen Sachsen, Schaben oder Franken eher verstand, bzw ihn eher ein gemeinsames kulturelles Erbe als mit einem Romanen aus Aquitanien oder der Lombardei verband.

Wenn alles, was auf Basis zielgerichteten politischen Wollens als Kunstgebilde bezeichnet wird, dann wären - als Abgrenzung - nur Gebilde, die auf Basis chaotisch-eruptiver Geschehnisse entstehen, keine Kunstgebilde. Mit dieser Argumentation wären selbst Stadtstaaten das Ergebnis zielgerichteten politischen Wollens. Und selbst chaotische Gebilde (wie zB Frankreich nach der Revolution oder die Sowjetunion) enden in Ergebnissen zielgerichteten politischen Wollens. Der Diskussion ist mE durch Ihren Einwurf nicht geholfen. Als Maßstab für politische Kunstgebilde wird wohl der politische mainstream der jeweiligen Epoche herhalten müssen. Und das sind nunmal seit dem Ende des Mittelalters Sprach- und Kulturgrenzen.

Das ist alles schön und gut (dass Sprache oft eine Rolle bei Staatwerdung spielt, ist nicht zu bestreiten - und in der Zivilisation ist eben sehr viel "Kunst"...).
Trotzdem ist "Kunststaat" in erster Linie einmal polemischer Kampfbegriff - und Ihre Anwendung oben hat das ja gerade demonstriert, kein sinnvolles analytisches oder nur deskriptives Werkzeug. Schon gar nicht kann man da irgendwelche Gesetzmäßigkeiten ableiten oder gar Normen aufbauen, das Beispiel Österreich zeigt, dass auch Kunststaaten in Ihrem Sinne recht gut funktionieren können (halbswegs einheitliche Sprache ist sicher kein Nachteil).

so wie die schweiz?

Die ist meines Wissens kein Kunststaat. Belgien ist das Abfallprodukt eines Glaubenskrieges (Reste der rekatholisierten spanischen Niederlande), gehalten als Puffer zu Frankreich (niederländische Barriereforts während den österreichischen Niederlanden), danach Teil der calvinistischen Niederlande und nach der Revolution wieder als Puffer eingerichtet. Die Probleme zwischen Flamen und Franzosen gab es schon damals.

Auch die Schweiz wie wir sie heute kennen ist ein Kunststaat, der im Wiener Kongress erfunden wurde.

Wenn, dann beim Westfälischen Frieden, der war schon 1648 und schrieb nur fest, was schon Tatsache seit 250 Jahren war.

Die Belgier

hassen sich gegenseitig. Das sagen sogar die Belgier selber.

hab' selber mal gesehen wie einer aus dem französischem Teil sich geweigert hat mit jemandem aus dem flämischen teil zu reden obwohl er (wie sich später herausstellte) die Sprache beherrschte. Deshalb hats wohl auch so lange keine Regierung gegeben.

Ich bin ja stark für ein Europa der Regionen!

Diese Sprachenstreitwelle ist definitiv abgeflacht.
Das war letztes Jahr extrem. Heuer habe ich aber eine deutliche Entschärfung bemerkt.

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