Tachtel von der Oma

  • Die Oma hat kein Verständnis für den rasenden Reporter.
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    foto: reuters/eric gaillard

    Die Oma hat kein Verständnis für den rasenden Reporter.

Wer die Oma mit hemmungsloser Raserei provoziert, bekommt eine verdiente Tachtel und lernt, wann er Navi und Radarwarnung besser lahm legt

Ein lautes Piepsen zerriss das ohnedies schleppende Gespräch, das sich um Salben und nichtsnützige Ärzte drehte. Oma ist 96, da darf man schon über Ärzte herziehen. Der gellende Piepston ließ sich aber nicht ignorieren. "Oma, das ist eine Radarwarnvorrichtung", erklärte ich ihr im Renault Megane, "jedes Mal, wenn ein Radargerät kommt, piepst es." Ich zeigte ihr das Radargerät, an dem wir kurz darauf tatsächlich vorbeifuhren.

"Bub, du sollst nicht so schnell fahren", sagte sie. Weil, das wusste auch die Oma: "Das Radargerät meldet das gleich an die Polizei!"

Die Strecke von Wien über Klosterneuburg nach Zeiselmauer, also ungefähr in Richtung "Gasthof zum lustigen Bauern", ist mit Radargeräten geradezu gepflastert. Keine fünf Minuten später gellte wieder der Piepston durchs Auto, wir unterhielten uns gerade über geschwollene Beine. "Bub", sagte die Oma, "ich hab's dir gesagt, du sollst nicht so schnell fahren." Ich versuchte ihr zu erklären, dass der Piepston nur das Radargerät ankündigt und nicht schon eine Geschwindigkeitsübertretung anzeigt. Oma glaubte mir nicht und schüttelte missmutig den Kopf.

Pieps! Oma war entrüstet. "Ich zahl das aber ganz sicher nicht", rief sie. "Fahr nicht so schnell!" Widerspruch zwecklos.

Pieps! Jetzt setzte es eine Tachtel. "Ja, hörst du nicht?", Oma war außer sich ob der kriminellen Beharrlichkeit des Enkerls. Dabei schlichen wir mit 60 über die Landstraße.

Auf dem Rückweg legte ich das Navi samt Radarwarnung lahm. Oma war zufrieden: "So ist's brav, Bub." (Michael Völker, AutoMobil, DER STANDARD, 17.8.2012)

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