Finnland rüstet sich für Bruch der Eurozone

17. August 2012, 12:51

Der Außenminister will Vorbereitungen treffen. Die Opposition vergleicht den Euro mit einer Zwangsjacke

London -  Finnlands Außenminister Erkki Tuomioja hat die Länder Europas aufgefordert, sich auf ein Ende der Euro-Zone vorzubereiten. Finnische Regierungsvertreter hätten bereits Vorbereitungen für ein solches Szenario mit einem "Handlungsplan für jede Eventualität" getroffen, sagte Tuomioja der britischen Zeitung "Daily Telegraph". "Das ist nicht etwas, das jeder in Finnland befürwortet, geschweige denn die Regierung. Aber wir müssen vorbereitet sein", mahnte Tuomioja. Ein Auseinanderbrechen des Euro würde aber nicht das Ende der Europäischen Union bedeuten. Es könne der EU sogar helfen, besser zu funktionieren.

Der Chef der euroskeptischen Oppositionspartei Wahre Finnen, Timo Soini sagte, es gebe zwar keine Regeln dafür, wie ein Land den Euro verlassen könne, aber es sei nur eine Frage der Zeit. "Entweder der Süden oder der Norden wird wegbrechen." Die Gemeinschaftswährung sei wie eine Zwangsjacke, die Millionen Menschen in Not bringe und die Zukunft Europas zerstöre. "Aber niemand in Europa will der erste sein, der aus dem Euro aussteigt und die ganze Schuld auf sich ziehen", sagte der Chef der drittstärksten Kraft im Parlament von Helsinki.

Gegenhalten des Europa-Ministers

Anderes hört man von Europa-Minister Alexander Stubb. Wir stehen zu "100 Prozent" zum Euro, sagte der Finne der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag. Und Stubb betont, dass Außenminister Tuomioja nur für sich spreche: "Ich will deutlich machen, dass die Spekulationen des Außenministers nicht die Position der Regierung widerspiegeln".

EU-Kommission protestiert

Die EU-Kommission betrachtet den Euro trotz der gegenwärtigen Schuldenkrise als "unumkehrbar". "Die EU-Kommission arbeitet nicht an einer Aufteilung der Eurozone oder an Notfallplänen oder an einem Grexit (Griechenland-Exit, Anm.) oder daran, dass irgendein anders Land die Währungsunion verlässt", sagte EU-Kommissionssprecher Olivier Bailly am Freitag. Der Sprecher betonte, die Kommission wolle Aussagen des finnischen Außenministers Tuomioja nicht kommentieren.

Der Kommissionssprecher verwies lediglich darauf, dass es auch andere Kommentare gebe wie etwa vom finnischen Europaminister Alexander Stubb, der "etwas ganz anderes gesagt hat". Stubb hatte nach den Äußerungen von Tuomioja betont, Finnland stehe zu "100 Prozent" zum Euro.

"Wir betrachten den Euro als irreversibel, so wie Präsident (Jose Manuel) Barroso dies im Mai gesagt hat", sagte der Kommissionssprecher. Die EU-Kommission habe auch zur Kenntnis genommen, dass die europäischen Staats- und Regierungschefs, darunter auch von Finnland, erklärt hätten, alles zu tun, um die Unversehrtheit des Euro zu bewahren. Auch die EU-Kommission arbeite hart daran, die Unversehrtheit der Währungsunion sicherzustellen. (APA, 17.8.2012)

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Bevor es nicht in allen MG-Staaten dieselben Richtlinien gibt, kann eine gemeinsame Währung nur im Solidaritätsprinzip funktionieren.
(GB soll sich sowieso schleichen, solang es nicht beim Euro mitmacht!)

Leider hat eine korrupte Clique den Aufbruch Europas zur Union missbraucht und die Kohle in brutalster Misswirtschaft verbraten, anstatt in die Union (Struktur, Gesellschaft, Infra, kultur, etc) zu investieren und damit die nationalen Interessen zu synchronisieren...
Jetzt liegt es an der (hoffentlich solidarischen) Unionsbürgerschaft, diesen Augiasstall auszumisten, die Mafiabeute rückzuführen (=zB Berlusco/Sarko/Barroso/udgl pfänden und einzusperren) und einen nachhaltigen Weg in die Zukunft einzuschlagen, incl Energiewende & BGE...

Die Hauptprobleme Europas bzw. der Eurozone sehe ich eigentlich in folgenden Punkten:

- Demokratiedefizite EU
- Aufgeblähte und ineffiziente Verwaltungen
- nicht funktionierende Wirtschaft
- Steuerhinterziehung, Korrupiton
- Einfluss der FI

Weder wird man diese Probleme (gesamteuropägisch) mit dem Ende der Eurozone noch mit irgendwelchen Bankenrettungspaketen lösen.

die finnen

haben 5,8% inflation, die wollen gern 10% haben ;-)

Interessant ist auch

diese Passage in dem Interview mit dem finnischen Außenminister:

"He voiced deep suspicion of plans by a “gang of four” EU insiders — including the European Central Bank’s Mario Draghi — to ensnare member states into some form of fiscal union. “I don’t trust these people,” he said."

Draghi ist einer dieser vier. Ich vermute, Barroso dürfte ein anderer sein, und ebenso Jean-Claude Juncker. Beim vierten Mann bin ich nicht sicher. Monti? Oder ein anderer aus der Riege der (ehemaligen?) Goldman Sachs Mitarbeitern?

"Ein Auseinanderbrechen des Euro würde aber nicht das Ende der Europäischen Union bedeuten. Es könne der EU sogar helfen, besser zu funktionieren. "

ich welcher welt lebt der eigentlich? natürlich werden dann die ausgeschlossenen zuschauen oder immer mit ja stimmen, wenn eu-weite entscheidungen getroffen werden sollen ...

EU-Kommission.....

sture Ar...loe.her! Etwas als irreversibel zu bezeichnen zeugt nicht gerade von Reife! Alle Wege fuehren nach Rom! Es muss einen Plan B geben! Man stelle sich vor, es stellt sich heraus, dass die Mittel nicht ausreichen, um diesen Groessenwahn Euro am Leben zu erhalten. Sollen dann die Steuerzahler "bis zum letzten Mann" herhalten, obwohl schon lange klar und absehbar ist, dass die Schlacht und der Krieg vloren sind? Nur damit der Oberkommandierende (EU) sein Gesicht nicht verliert, muessen alle anderen "sterben"? Die Spinnen total...raus aus dem Euro!

Das war mal zur abwechslung eine Sendung die man sich wirklich mit Hirn ansehen konnte.
So treffend und logisch wie er es erklärte findet man noch kaum.
Schade sonst sind eh nur mehr Schaumschläger und Marionetten der FI-irtschaft unterwegs.

http://www.daserste.de/plusminus... 6bb~cm.asp

Irreversibel

das klingt nach der Devise der kuk Monarchie von 1916

Es tut sich was in Österreich

Endlich.
Ich dachte schon sie wären völlig abgetaucht:
www.spiegel.de/wirtschaf... 50600.html

Was nützt es über Dominanz der großen Länder zu schwadronieren (allen voran D), wenn man sich nie zu Wort meldet.

Danke

Vernünftig

Jede Regierung, jedes Unternehmen und jeder Bürger sollte ein Best Case und ein Worst Case Szenario in der Tasche haben.

Im Norden haben sie wieder einen kühlen Kopf

Das ist, was ich immer in den nordischen ländern geschätzt habe - den Mut Tatsachen ins Auge zu schauen und zu handeln. War beim Pensionssystem schon so, bei budgetproblemen, etc. Essen und Schmäh sind nicht mein Ding, aber beim Prakmatismus können wir einiges lernen.

Essen und Schmäh sind nicht mein

dann leb schlecht, fadisier dich und "baba"

Kühler Kopf

Ja, in schwierigen Zeiten ist es sehr wichtig, kühlen Kopf zu bewahren.
Ich komme beruflich europaweit und weltweit herum.
Ich kann bestätigen: Im Norden gibt es die meisten kühlen Köpfe !
Die Skandinavier haben auch die solidesten Budgets, die besten Sozialsysteme und stabile Demokratien.

Aber leider besteht Europa nicht nur aus dem Norden.

In der Mehrzahl haben wir:
Querköpfe
Hitzköpfe
Dummköpfe (die nachlaufenden Lemminge)

Der geschätzte Leser möge bitte selber beurteilen, zu welcher Art von Köpfen unsere Bundesregierung zu zählen ist !
(Die Köpfe in der Bevölkerung ticken ja durchaus anders !).

endlich einer

der sich traut die wahrheit zu sagen. vielleicht ist er aber auch vorgeschickt worden um die leute mit dem thema schon einmal vertraut zu machen. bei den diversen hilfspaketen war es ja auch nicht anders. wie auch immer, meine vorbereitungen für ein aus des euro sind bereits abgeschlossen.

PISA schau owa

ich habe immer gedacht, die finnen hätten das beste schulsystem ...

aber der herr im bild war wahrscheinlich vor der erfidung von pisa in der schule

Warum?

bei den grauen Haaren ...

ist davon auszugehen. Hat nur irgendwie nix mit dem Artikel zu tun.

"Wir betrachten den Euro als irreversibel..."

Die Entwicklung wird uns demnächst was anderes lehren und das ist gut.

was ist gut daran,

dasz die Wechselkosten wieder explodieren ?

Was sind die Wechselkosten gegen die derzeitigen Kosten?

um ein totes System am Leben zu erhalten?

derzeit hab ich

keine, DANN schon. wie gesagt, ca ATS 20.000.- im letzten Jahr

Es drängt sich der Verdacht auf:

Sie wollen ihre persönlichen Kosten auf die Allgemeinheit abwälzen. Bei mir halten sich auch DANN die Wechselkosten in überschaubaren Grenzen, aber Wechselvorteile gibt es für viele.

?????????

ist doch ungerecht, wenn ich in einem Zwergerlstaat wie aut lebe, habe ich viele, ist er grosz wie D, Fr. o. IT habe ich wenige

derzeit hab ich

keine, DANN schon. wie gesagt, ca ATS 20.000.- im letzten Jahr

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