UN-Beobachter ziehen aus Syrien ab

300 Mann starke Truppe konnte Gewalt nicht stoppen - Algerischer Diplomat Brahimi wird neuer UN-Vermittler

Beirut - Die letzten UN-Beobachter in Syrien sollen das Land binnen einer Woche verlassen. UN-Vertreter kündigten am Donnerstag an, die verbliebenen Mitglieder des Teams würden aus der Hauptstadt Damaskus bis Freitag kommender Woche abgezogen. "Es ist klar, dass beide Seiten den Weg des Krieges gewählt haben, einen offenen Konflikt", sagte der stellvertretende Chef für UN-Friedenseinsätze, Edmond Mulet. "Der Raum für politischen Dialog und ein Ende der Kampfhandlungen und Schlichtung ist an dieser Stelle sehr, sehr reduziert."

Deutschlands Außenminister Guido Westerwelle äußerte sein Bedauern, dass die Umstände in Syrien eine Verlängerung des UN-Beobachtereinsatzes unmöglich gemacht hätten. "Wichtig ist jetzt, dass es auch weiter eine Präsenz der Vereinten Nationen in Syrien geben wird", erklärte Westerwelle. Nach Worten des russischen UN-Botschafters Vitali Tschurkin kommen die ständigen Mitglieder des Sicherheitsrates - Russland, China, die USA, Frankreich und Großbritannien - sowie einige Regionalmächte am Freitag in New York zu Beratungen über Syrien zusammen.

Die Anwesenheit der rund 300 unbewaffneten Beobachter hatte die Kämpfe in Syrien nicht stoppen können. Die Gewalt hält auch nach Monaten unvermindert an, obwohl Rebellen und Regierung einem Waffenstillstand zugestimmt hatten. Wegen der unsicheren Lage hatten die Beobachter ihre Arbeit fast komplett aufgeben müssen.

Brahimi folgt Annan nach

Der frühere algerische Außenminister Lakhdar Brahimi ist neuer UN-Vermittler im Syrien-Konflikt und tritt damit die Nachfolge des scheidenden Syrien-Sondervermittlers Kofi Annan an.

Die Bevölkerung im eleganten Grünviertel Al-Messe in der syrischen Hauptstadt Damaskus sei verängstigt und schockiert, berichteten Aktivisten. Auch von der südlichen Peripherie der Hauptstadt wurden Kämpfe gemeldet.

Die Truppen des Regimes von Baschar al-Assad hatten die Aufständischen vor mehr als zwei Wochen aus Damaskus verdrängt. Seitdem greifen die Rebellen immer wieder mit Nadelstichaktionen verschiedene Regierungs- und Funktionärswohnviertel an.(Reuters/APA, 17.8.2012)

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