Ob der Bildschirm wirklich schwarz bleibt?

29. Juni 2003, 18:30
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Die neue Premiere-Verschlüsselung muss sich im Kampf gegen Hacker-Communities noch beweisen

Ab Oktober sollen die Bildschirme bei illegalen Premiere-Seher schwarz bleiben. Der deutsche Pay-TV-Sender stellt bereits diesen Herbst die Verschlüsselung seines Programms um; Abonennten erhalten kurz davor per Post eine neue SmartCard für ihre Digitalreceiver. Das neue System trägt den Namen "Nagravision" und löst das als geknackt geltende "betacrypt1" von BetaResearch ab - der WebStandard berichtet.

Doch ob das neue Verschlüsselungssystem Schwarzseher wirklich vom Genuss des Premiere-Programms abhalten wird, scheint fraglich. Weltweit nutzen mehr als ein Dutzend der größten Abo-TV-Anbieter ein Verschlüsselungssystem von Nagravision, auf diversen Websites und in Foren finden sich Anleitungen sowie Cracks für die Entschlüsselung des Nagravision-Systems.

Anleitungen im Netz

Zwar wurde die neue Verschlüsselung für Premiere weiterentwickelt und soll nun besseren Schutz bieten. Betrachtet man jedoch die Anleitungen und Programme aus dem Netz, die sich mit der Umgehung des betacrypt1-Schutzes befassen, so zeigt sich wie leicht es versierten Pay-TV Hackern fällt, derartige Sicherheitsmechanismen auszuschalten. Ganze Communities machen sich die Erstellung von Tools für die Dekodierung zur Fleißaufgabe.

Modifikation der D-Box2

Ein Vielzahl von Seiten beschäftigt sich mit der Installation alternativer Betriebssysteme und Software auf der D-Box2, dem Empfangsgerät für Premiere. Von Linux-Varianten bis zu hin zur Emulation von Computerspielen ist alles zu finden – auch Dekodersoftware. Übertragen wird die Software über den Ethernet-Port der D-Box2. Via Crossover- und Nullmodemkabel gelangen die Dateien dann auf die Settop-Box. Mit einigen simplen Handgriffen sind auch handwerklich weniger beschlagene User in der Lage, die D-box2 zu modifizieren.

Neutrino

Vor allem die Linux-Variante Neutrino erfreut sich größter Beliebtheit. Mit dem alternativen Betriebssystem kann die Bootzeit der D-Box2 reduziert, der Jugendschutz eliminiert und die Übersicht verbessert werden. Eine Vielzahl von Programmen ermöglicht zudem die Aufzeichnung der Pay-TV- Inhalte auf der eigenen Festplatte. Neutrino selbst ist im Gegensatz zum unerlaubten Empfang von Premiere legal.

Einkauf im Web

Die Modifikation der D-Box2 und die Umgehung der Verschlüsselung birgt jedoch einige Risiken. Viele der Anleitungen im Internet erweisen sich als fehlerbehaftet; zusätzlich schlagen die Preise für die zusätzliche Hardware schwer zu Buche. Aus diesem mehren sich die Angebote für bereits modfizierte Settop-Boxen auf privaten Websites, in Webshops und Online-Auktionshäusern..

Nagravision soll also nun dafür sorgen, dass bei illegalen Sehern der Schirm schwarz bleibt. Ob das langfristig gelingt, wird sich weisen.(eru)

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