Telefonstreit ums Kleinwalsertal spitzt sich zu

30. Juni 2003, 12:01
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Ab 1. Juli ist die Tourismusregion nicht mehr über die gewohnte deutsche Vorwahl zu erreichen

Der Streit um die "deutsche" Telefonnummer für das österreichische Kleinwalsertal spitzt sich zu. Wenn die Deutsche Telekom, wie geplant, am 1. Juli die Vorwahlnummer "08329" für die österreichische Enklave abschaltet, will die Gemeinde Mittelberg die Deutsche Telekom auf Schadensersatz in Millionenhöhe verklagen. Den sofortigen Erlass einer Einstweiligen Verfügung, die eine Abschaltung verhindern sollte, hatte das Bonner Landgericht in der vergangenen Woche abgelehnt.

"Wir befürchten Millionenschäden"

Den Sonderstatus, dass das Kleinwalsertal sowohl über eine österreichische, als auch über die deutsche Vorwahl erreichbar ist, wollten die beiden Telefongesellschaften aus wirtschaftlichen Gründen bereits im September vergangenen Jahres aufheben. Seitdem kämpfen vor allem Politiker und Tourismusbetriebe um die deutsche Vorwahl. Für die österreichische Gemeinde wäre der Wegfall nach eigenen Angaben eine Katastrophe. "Wir befürchten Millionenschäden, weil wir unter der gewohnten Nummer nicht mehr erreichbar sind", sagt Werner Strohmaier (F), Bürgermeister von Mittelberg. Das Kleinwalsertal lebt überwiegend vom Tourismus, den wiederum fast ausschließlich Urlauber aus Deutschland ausmachen.

Mit den fünf Ziffern "08329" gelangten deutsche Telefonkunden bisher ins österreichische Kleinwalsertal, ohne die Landesvorwahl eintippen zu müssen. Vom 1. Juli an sollen deutsche Telefonkunden unter dieser Vorwahl allerdings nur mehr eine Bandansage erreichen, die auf die umstrittene Umstellung hinweist.

"Wir sind immer noch deutsches Wirtschaftsgebiet"

Seit dem Zollanschlussvertrag aus dem Jahr 1891 haben die rund 5000 Einwohner des Kleinwalsertals, das von österreichischer Seite nur schwer zugänglich ist, einen Sonderstatus. Früher bezahlte man hier mit D-Mark statt in Schilling. "Wir sind immer noch deutsches Wirtschaftsgebiet", sagt Werner Strohmaier. Selbst bei der Währungsumstellung bekamen die Bürger deutsche statt österreichische Euromünzen in die Hand.

Bei der Deutschen Telekom allerdings fühlt man sich jetzt für die Region nicht mehr verantwortlich. Beim Europäischen Gerichtshof hat die Gemeinde eine Beschwerde wegen Diskriminierung eingelegt. "Das sind keine Kunden der Deutschen Telekom", kontert der Pressesprecher der Deutschen Telekom, Walter Genz. Früher sei diese Lösung mit dem Anschluss an das deutsche Telefonnetz sinnvoll gewesen, weil die technischen Möglichkeiten nichts Anderes zugelassen hätten. Erst in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde die Region an das Telefonnetz angeschlossen, von deutscher Seite aus. Inzwischen habe sich die Infrastruktur aber gewandelt. (APA/dpa)

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