Britische Minister verlangen von BBC Entschuldigung

29. Juni 2003, 19:02
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Wegen umstrittenem Irak-Bericht - Israelischer Regierungsmitarbeiter wirft BBC Antisemitismus vor

Mehrere Minister der britischen Regierung haben am Samstag vom Sender BBC eine Entschuldigung für einen Bericht gefordert, in dem der Vorwurf erhoben wurde, dass zur Rechtfertigung des Irak-Kriegs Geheimdienstinformationen manipuliert worden seien. In einer Anhörung hatte der Kommunikationschef von Premierminister Tony Blair, Alastair Campbell, der BBC und dem Korrespondenten Andrew Gilligan im Gegenzug vorgehalten, gelogen zu haben. Gilligan hatte berichtet, die Regierung habe die Bedrohung durch irakische Waffen übertrieben, um skeptische Abgeordnete von der Notwendigkeit des Krieges zu überzeugen.

Campbell und etliche Minister beharren auf ihrer Darstellung, dass sie nichts an den vorgelegten Geheimdienst manipuliert haben. Der BBC-Bericht, der auf den Aussagen eines nicht genannten Geheimdienstmitarbeiters beruhte, hätte nicht gesendet werden dürfen. Es gebe bei der BBC Richtlinien, wonach ein Bericht nicht auf einer einzigen anonymen Quelle beruhen dürfe, erklärte am Samstag Fischereiminister Ben Bradshaw, der selbst früher BBC-Korrespondent war.

Es ist der bisher schärfste Streit zwischen der Regierung und der BBC seit dem Falklandkrieg 1982. Damals warfen Mitglieder der konservativen Regierung von Premierministerin Margaret Thatcher der BBC vor, die britischen Kriegsbemühungen zu untergraben.

Israelischer Regierungsmitarbeiter wirft BBC Antisemitismus vor

Ein israelischer Regierungsmitarbeiter hat der BBC wegen eines Berichts über geheime Atomwaffen "antisemitische Hetze" im Stil der einstigen deutschen Nazi-Zeitung "Der Stürmer" vorgeworfen. Nach Ansicht des Leiters des Presseamtes, Daniel Seaman, ist der BBC-Bericht "Israels geheime Waffen" der jüngste einer Reihe von Beiträgen, in denen die britische Rundfunkanstalt das Existenzrecht Israels in Frage stelle.

In der Sendung aus der Serie "Correspondent", die am Samstag in Israel zu empfangen war, werden zahlreiche Experten mit der übereinstimmenden Aussage zitiert, Israel verfüge über des weltweit sechstgrößte Atomwaffenarsenal von taktischen Bomben bis zu Mittelstreckenraketen. Zudem sollen die Streitkräfte über biologische und chemische Kampfstoffe verfügen und vor zwei Jahren ein unbekanntes Gas gegen Palästinenser in Gaza eingesetzt haben. Die israelische Regierung hatte dies stets dementiert.

Die neuen Vorwürfe erinnerten an den "schrecklichsten Antisemitismus", sagte Seaman. Nach einem Bericht der Zeitung "Jerusalem Post" (Sonntag-Ausgabe) erwägt das israelische Presseamt Arbeitseinschränkungen für BBC-Mitarbeiter. BBC-Sprecherin Kate Atkins sagte: "Wir stehen zu dem Programm und würden jede Reaktion der israelischen Regierung bedauern." Westliche Geheimdienste gehen davon aus, dass Israel über Atomwaffen verfügt. Offiziell hieß es bisher lediglich, Israel sei nicht das erste Land, dass Atomwaffen in den Nahen Osten einführt. Die israelische Regierung hat die Unterzeichnung des Atomwaffensperrvertrags verweigert, weil sie internationale Inspektionen ablehnt. (APA/AP)

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