Südkorea: Gewalt gegen streikende Eisenbahner

29. Juni 2003, 15:28
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10.000 Polizisten lösen Kundgebungen auf - Regierung setzt letzte Frist für Wiederaufnahme der Arbeit

Seoul - Mehr als 10.000 Bereitschaftspolizisten haben in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul und anderen Städten des Landes Protestkundgebungen von streikenden Eisenbahnern gewaltsam aufgelöst. Dabei wurden am Samstag mehr als 1500 Demonstranten abgeführt, von denen die meisten später wieder freigelassen wurden. Die Regierung in Seoul räumte den Streikenden am Sonntag eine letzte Frist für die Wiederaufnahme der Arbeit bis zum späten Abend ein. Finanz- und Wirtschaftsminister Kim Jin Pyo drohte den Streikenden andernfalls mit harten Strafmaßnahmen.

In Seoul trieben den Fernsehberichten zufolge etwa 5000 mit Schlagstöcken und Schilden bewaffnete Polizisten mehr als 3000 Streikende auf einem Universitätsgelände auseinander. Dabei kam es zu Handgemengen. Berichte über Verletzte lagen nicht vor.

Auslöser für die Proteststreiks sind die Restrukturierungspläne der Regierung für die staatliche Eisenbahngesellschaft (KNR), die nach Ansicht der Gewerkschaften zu Einbußen für die Beschäftigten führen werden. Die Regierung bezeichnete die Streiks als illegal.

Nach dem Polizeieinsatz meldeten sich nach Angaben von KNR bis Sonntag etwa 1200 von mehr als 5600 Streikenden wieder zur Arbeit. Nach Gewerkschaftsangaben befanden sich insgesamt etwa 13.000 Eisenbahner im Ausstand. Durch den Streik wurden am Wochenende große Teile des Personen- und Güterzugverkehrs im Land lahm gelegt.

Der Vorsitzende des zweitgrößten Gewerkschaftsverbandes KCTU, Dan Byoung Ho, kritisierte den Polizeieinsatz und forderte den Rücktritt von Transportminister Choi Jong Chan. Der größte Dachverband FKTU kündigte für diesen Montag eine Ausweitung der Streiks aus Protest gegen das gewaltsame Vorgehen der Polizei an. (APA/dpa)

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    Eingekesselte Demonstranten

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