Gasexplosion im Einkaufsviertel in Den Haag

28. Juni 2003, 16:49
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Zehnjähriger nach Stunden lebend aus Trümmern geborgen - mindestes 15 Verletzte - Zwei Häuser in der Innenstadt verwüstet

Den Haag - Bei einer gewaltigen Gasexplosion in einem Einkaufsviertel von Den Haag sind am Samstag mindestens 15 Menschen verletzt worden. Sieben von ihnen hätten schwere Verletzungen erlitten, erklärte ein Sprecher der Stadtverwaltung. Zunächst war von über 20 Verletzten die Rede.

Vermutlich Gasleck im Keller

Fünf Stunden nach der Explosion haben Retter am Samstagmittag einen zehnjährigen Buben lebend aus den Trümmern geborgen. Zahlreiche Menschen mit Brandwunden wurden ambulant behandelt. Nach Angaben von Bürgermeister Wim Deetman löste wahrscheinlich ein Gasleck im Keller eines Hauses die Detonation aus.

Die Rettungskräfte stellte am Nachmittag die Suche nach Opfern unter den Trümmern ein. Deetman erklärte, ein Suchhund habe keine Hinweise auf Verschüttete gefunden. Derzeit könnten die betroffenen Häuser jedoch nicht betreten werden, weil Einsturzgefahr bestehe.

Das Viertel wurde abgeriegelt

Die Explosion im Erdgeschoss eines Restaurants beschädigte zwei Wohnungen, eine Fleischhauerei und ein Bekleidungsgeschäft. Die Fassaden der Gebäude wurden zerstört, wie Deetman erklärte. In einer nahe gelegenen Bibliothek wurde ein Erste-Hilfe-Zentrum eingerichtet. Das Viertel wurde abgeriegelt, und Gasleitungen wurden geschlossen.

Die Explosion ereignete sich in dem von zahlreichen Ausländern bewohnten Bezirk Schilderwijk, etwa vier Kilometer vom Sitz des jugoslawischen Kriegsverbrechertribunals und des Internationalen Strafgerichtshofs entfernt. In dem Viertel waren am Samstag zahlreiche Menschen zum Einkaufen unterwegs.

Explosion war so stark, dass erst gar kein Brand entstanden ist

"Die Kraft der Explosion war so stark, dass erst gar kein Brand entstanden ist", berichtete der Bürgermeister. Eine große Staubwolke stieg über dem Gebäude auf, und Trümmerbrocken flogen durch die Gegend, schilderten Augenzeugen. Marktbesucher flüchteten in panischer Angst vor einem etwaigen Terroranschlag. Die Sorge erwies sich jedoch bald als unbegründet.

Eine Verbindung mit einer Gasexplosion in der Nähe vor mehr als einem Jahr schloss der Bürgermeister aus. Damals löste unsachgemäßer Umgang mit einem Gasbrenner eine Explosion aus.(APA)

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