Lauschangriff auf Bremer CDU ohne politischen Hintergrund

28. Juni 2003, 13:53
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Wanzen womöglich schon seit drei Jahren in Betrieb

Der Lauschangriff auf die Bremer CDU-Politiker Bernd Neumann und Jens Eckhoff mit Hilfe von Wanzen soll keinen politischen Hintergrund haben. Dies sei die Einschätzung des Verfassungsschutzes, berichtete der "Spiegel" am Samstag vorab aus seiner neuen Ausgabe. Die Verfassungsschützer hatten vor zwei Wochen in den Büros der beiden Politiker in der Bremer CDU-Zentrale zwei Abhöranlagen gefunden, die womöglich schon vor bis zu drei Jahren hinter Steckdosen versteckt worden waren. Auch die Bremer Staatsanwaltschaft vermute den Täter eher innerhalb der Union oder im privaten Umfeld, heißt es in dem Bericht.

Hochmoderne Technik

Nach einem Bericht des Münchner Magazins "Focus" handelt es sich bei den Wanzen um hochmoderne Technik mit einer Lausch-Reichweite von bis zu 800 Metern. Um beide CDU-Spitzenpolitiker parallel abhören zu können, hätten die unbekannten Täter unterschiedliche Frequenzen in den Wanzen geschaltet.

Hobby-Funker gab den Hinweis

Laut "Spiegel" hatte CDU-Landeschef Neumann den Verfassungsschutz eingeschaltet, nachdem ein blinder Hobby-Funker aus der Nachbarschaft in der CDU-Geschäftsstelle behauptet hatte, er habe über Funk Gespräche mit anhören können. Die Mitarbeiter glaubten ihm zunächst nicht; erst als der Mann Tage später erneut auftauchte und Details aus Gesprächen nennen konnte, wurden sie hellhörig. Nachdem die Wanze bei Neumann sichergestellt war, stattete der Funker der CDU vier Tage später einen weiteren Besuch ab. Diesmal behauptete er, das Büro von CDU-Fraktionschef Eckhoff werde ebenfalls abgehört. Auch dort wurde dann ein Abhörgerät gefunden.

Eckhoff, der von dem Fund in Neumanns Büro nichts wusste, alarmierte die Polizei, bevor er feststellte, dass der Verfassungsschutz bereits vor Ort war. Den Funker kommt seine Hilfsbereitschaft laut "Spiegel" möglicherweise teuer zu stehen: Die Staatsanwaltschaft prüfe die Einleitung eines Verfahrens wegen Verstoßes gegen das Telekommunikationsgesetz.(APA/AFP)

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