Auch ein schlechter Ruf verpflichtet

28. Juni 2003, 14:08
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Österreichs Regiealtmeister ist 90 - von "Hallo Dienstmann" über Sexfilmchen bis zum pädagogisch- wertvollen "Bockerer" hat er vieles versucht

Wien - Österreichischer Altregiemeister Franz Antel feiert seinen 90. Geburtstag und er hat alles vieles versucht - von Hallo Dienstmann" über Sexfilmchen in den 60er Jahren bis zum pädagogisch- wertvollen "Bockerer.

Antels Oeuvre von rund hundert Film- und Fernsehproduktionen. Der Sohn eines Postbeamten und einer Hausfrau wurde zum Inbegriff des heimischen Unterhaltungsfilms.

Auch ein schlechter Ruf verpflichtet

Denn wie sagte Antel im Vorwort seiner 2001 herausgegebenen Memoiren "Verdreht, verliebt, mein Leben": "Auch ein schlechter Ruf verpflichtet."

Karrierestart in Wien

Antels Karriere begann in den frühen dreißiger Jahren in Wien, wo er 1931 die Erste Wiener Tonfilmakademie besuchte. 1933 versuchte sich der damals 20-jährige erstmals als Regisseur und drehte den Sportfilm "Vagabunden". Obwohl das Erstlingswerk nie vollendet wurde, konnten die dafür gemachten spektakulären Wildwasseraufnahmen an zahlreiche Wochenschauen in Europa und sogar Übersee verkauft werden.

Produktionsleiter bei Berliner Terra-Film

1935 begann er für die Berliner Terra-Film als Produktionsleiter zu arbeiten, ging 1936 endgültig nach Berlin und erwarb 1937 sogar die deutsche Staatsbürgerschaft, die er bis 1960 behielt. Bis zu Kriegsbeginn arbeitete Antel als Produktionsleiter u.a. für Filme wie "Unsterbliche Melodien", "Ehesanatorium" und "Narren im Schnee".

Produktionsleiter bei Wien-Film

1939 wurde Antel zum Militärdienst eingezogen, doch schon nach drei Monaten zurückbeordert und bei der neugegründeten Wien-Film als Produktionsleiter eingesetzt. Bevor er 1941 neuerlich einrücken musste, entstanden die Filme "Das jüngste Gericht" und "Meine Tochter lebt in Wien" unter seiner Leitung. 1942 zur Truppenbetreuung nach Russland geholt, organisierte er als Theater- und Opernleiter Ballett- und Symphonieaufführungen, inszenierte Stücke und kehrte 1944 mit der Frontbühne aus Russland nach Wien zurück. Unter dem Motto: "Wir mixen gute Laune" spielte Antel eine Soldatenrevue im Ronacher.

Acht Monate Gefängnis

Antel wohnte während dieser Zeit im Haus von Curd Jürgens und verschacherte Lebensmittel und Benzin auf dem Schwarzmarkt. Das brachte ihm acht Monate Gefängnis ein. Anschließend wurde er an die Front nach Berlin geschickt und geriet in russische Gefangenschaft. 1945 gelang ihm die Rückkehr nach Wien und ins Filmgeschäft: er drehte den später preisgekrönten fünfzehnminütigen Tourismusfilm "Österreich ruft die Welt".

Als erster österreichische Produktion zum Filmfestival nach Locarno

Unter schwierigsten Bedingungen realisierte Antel im Nachkriegs-Wien seinen ersten eigenen Spielfilm als Regisseur, das musikalische Lustspiel "Das singende Haus". Es spielten u.a. Hans Moser und Curd Jürgens, Hannelore Schroth und Susi Nicoletti. Der Streifen wurde als erste österreichische Produktion zum renommierten Filmfestival nach Locarno eingeladen. Schon von diesem ersten Antel-Spielfilm ließ sich das Publikum leichter überzeugen als die Kritiker.

Musikalische Kurzfilme 1949 erhielt Antel den Auftrag, musikalische Kurzfilme für die USA zu drehen. Diese gelten heute als verschollen, belegen aber, wie Antel gerne betont, dass er "Österreichs erster Fernsehregisseur" war. Im selben Jahr setzte Antel mit dem Heimatfilm-Lustspiel "Der kleine Schwindel am Wolfgangsee" seine Erfolgsserie fort. Das Drehbuch schrieb er zusammen mit einem jungen Arzt, der unbedingt ins Filmbusiness wechseln wollte: Gunther Plachetta alias Philipp. (APA)

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    Verehrt und umstritten - Franz Antel

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