Niederlande richten Deportationszentrum für illegale Einwanderer ein

27. Juni 2003, 21:54
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Kritik von Menschenrechtsgruppen: Zentren gleichen Gefängnissen

Amsterdam - Die Niederlande haben am Freitag das erste von zwei so genannten Deportationszentren für illegal Eingewanderte und abgewiesene Asylbewerber in Betrieb genommen. Die Eingewiesenen, darunter Frauen und Kinder, sollen dort bis zu ihrer Abschiebung festgehalten werden. Menschenrechtsgruppen und Flüchtlingsorganisationen kritisieren die Deportationszentren scharf. Sie glichen Gefängnissen, hieß es.

Die erste derartige Einrichtung auf dem Rotterdamer Flughafen kann knapp 200 Personen aufnehmen. Eine weitere Einrichtung für zunächst 100 Personen soll noch in diesem Jahr auf dem Amsterdamer Flughafen ihren Betrieb aufnehmen. Beide Zentren sollen letztlich bis zu 600 Menschen aufnehmen können, wie es in einer Erklärung der Einwanderungsbehörde hieß. Die Kosten belaufen sich voraussichtlich auf 37,7 Millionen Euro pro Jahr. Die Zentren gehören zu einem Programm mit dem Titel "Der Weg zu einer sichereren Gesellschaft", das die vergangene Regierung unter dem damaligen und heutigen Ministerpräsidenten Jan Peter Balkenende ins Leben rief.

"Das Recht auf Freiheit ist so grundlegend, es sollte nicht leichtfertig abgeschafft werden", kritisierte Trees Wijn, Sprecherin des niederländischen Flüchtlingsrates. "Familien mit Kindern sollten nicht eingesperrt werden. Ein zivilisiertes Land sollte überhaupt keine Kinder inhaftieren." Die in den Zentren untergebrachten Menschen können die Einrichtung nicht verlassen und haben lediglich zeitweise Zugang zu einem Freizeitgelände im Freien. Darüber hinaus haben sie Zugang zu Telefonen und Rechtsberatung und dürfen Besuch empfangen.

"Der Unterschied zu einem Gefängnis ist, dass diese Leute keine Verbrecher sind, sie haben sich einfach illegal in den Niederlanden aufgehalten", sagte eine Sprecherin der Behörde. Die ersten Insassen würden "sehr bald" erwartet. 2002 wurden 29.000 illegal Eingewanderte und 21.000 Asylbewerber aus den Niederlanden ausgewiesen. (APA/AP)

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