Dagobert-Syndrom - von RAU

27. Juni 2003, 19:55
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Achtung, Hinweis für Minister Martin Bartenstein: Bei den führenden Herrenausstattern am Wiener Graben oder Kohlmarkt hat bereits der Abverkauf (auch "Sale" oder "Saldi") begonnen. Italienische Anzüge, englische Schuhe erstklassiger Marken bis zu 50 Prozent preisreduziert! Lautstarke Auseinandersetzungen mit Verkaufspersonal, Hinweise auf die eigene soziale Stellung, Telefonate mit dem Firmenchef nicht mehr nötig! Rabatte werden freiwillig geboten! Nicht so radikal wie etwa an der New Yorker Fifth Avenue ("75 percent off!"), aber doch recht ansehnlich. Bei einem namhaften Herrenausstatter bekommt man die Ware sogar mit dem listigen Bemerken: "Doppelter Ministerrabatt" überreicht. Rätselhaft, warum gerade reiche Leute oft so sehr auf scheinbar geringfügige Preiszugeständnisse bestehen und sich dabei, wie der Industrielle Barten- stein, der Gefahr des öffentlichen Aufsehens aussetzen. Die haben das doch nicht nötig, meint der Volksmund. Allerdings, umgekehrt wird auch ein Schuh draus: Vielleicht sind diese Leute so reich geworden, weil sie auf jeden Kreuzer schauen. Man könnte das das Dagobert-Duck-Syndrom ("Ich bezahle grundsätzlich keine Rechnungen!") nennen. (DER STANDARD, Printausgabe, 28./29.6.2003)
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