Ein erfahrener Haudegen vertritt die Mediziner

27. Juni 2003, 19:50
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Einen "erfahrenen Kapitän für schwierige Zeiten" habe man gesucht - Reiner Brettenthaler gefunden - Kommentar von Martina Salomon

Einen "erfahrenen Kapitän für schwierige Zeiten" habe man gesucht, sagt ein Ärztekammerfunktionär. Gefunden wurde Reiner Brettenthaler. Der 59-jährige Salzburger Praktiker ist seit Freitag neuer Präsident der Österreichischen Ärztekammer.

Brettenthaler ist ein altgedienter Haudegen der Kammerpolitik. Seit 23 Jahren steht er der Salzburger Kammer als Chef vor, 13 Jahre war er Vizepräsident der österreichweiten Kammer, und bis Jahresende hat er auch noch das Amt des Europäischen Ärztepräsidenten inne.

Der Standesvertreter galt immer als aufmüpfig und sehr ehrgeizig. Die Kammerführung strebte er schon länger an. Nun wird Brettenthaler neben Elixhausen (im Salzburger Vorort befindet sich seine Ordination) und Brüssel auch in Wien aktiv sein. Er selbst bezeichnet sich übrigens kokett als "Landarzt".

Impulsives Temperament Dass er nicht Facharzt geworden ist, hat mit seinem impulsiven Temperament zu tun: Die Ausbildung zum Lungenfacharzt brach er nach einem Streit mit seinem damaligen Chef ab. "Mir ist alles zu langsam gegangen, ich hatte andere medizinische Vorstellungen", erklärt Brettenthaler. Bereut hat er die Entscheidung nie. Die Allgemeinmedizin findet er "unglaublich vielfältig". In seiner Praxis bietet er psychosomatische Medizin an - ein Feld, für das er sich auch in einem Kammerreferat engagiert hat. Dort focht er Kämpfe mit den nicht ärztlichen Psychotherapeuten aus, die das Ärzte-"Psy-Diplom" für oberflächlich hielten.

Der Vielleser und Klavierspieler ist Vater zweier erwachsener Kinder und seit 34 Jahren glücklich verheiratet, wie er betont. Die Ehefrau arbeitet in der Ordination mit.

Neuer Aufbruch

Er rede gern mit den Menschen, sagt der Arzt über seinen Job. Diese Fähigkeit wird er aber auch in seiner neuen Funktion dringend brauchen. Denn in den letzten Jahren sind die divergierenden Interessen der einzelnen Gruppen immer deutlicher zutage getreten: Angestellte, niedergelassene , Zahn- sowie Turnusärzte haben höchst unterschiedliche Probleme. Und zwischen den Bundesländern muss auch noch vermittelt werden. Vorgänger Otto Pjeta wurde mangelnde interne Kommunikation und auch zu wenig Außenwirkung vorgeworfen. Von Brettenthaler erwartet man neuen Aufbruch.

Stürmische Zeiten

Den Ärzten stehen schließlich stürmische Zeiten bevor: Nach der Pensionsreform wird wohl die Gesundheitspolitik akut werden. Neue Selbstbehalte, Restriktionen beim Leistungsspektrum und damit verbunden ethische Fragen sind dann zu diskutieren. Darin hat Brettenthaler Übung: Als Mitbegründer der "Goldegger Dialoge" diskutiert er seit Jahren mit Intellektuellen über brisante Gesundheitsthemen. Mag sein, dass er dort gelernt hat, was ihm Wiener Kollegen heute attestieren: "Er kann gut zuhören." (Martina Salomon, DER STANDARD Printausgabe 28/29.6.2003)

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