Genfood: Saat des Bösen?

27. Juni 2003, 19:27
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Warum George Bush zu wünschen ist, dass sein Aufruf an Europa, die Opposition gegen die Biotechnologie zu beenden, auf fruchtbaren Boden fällt: "Zum Wohle der hungernden Menschen in der Dritten Welt."

Nach fünfjährigen Verhandlungen haben die Vereinigten Staaten vor kurzem die Welthandelsorganisation bezüglich des von der Europäischen Union beschlossenen Moratoriums über die Annahme neuer Arten von biotechnologischem Saatgut konsultiert. Unser primäres Ziel bei diesem Schritt war, die wissenschaftlich fundierten Regeln im internationalen Handelssystem aufrechtzuerhalten.

Ein weiterer Grund für die Miteinbeziehung der WTO war, Bauern und Konsumenten weltweit die Wahl zu lassen, ob sie neue und sichere landwirtschaftliche Produkte anbauen oder konsumieren möchten. Gegenwärtig besteht diese Wahlmöglichkeit in Österreich nicht.

Die EU-Länder, und ganz besonders Österreich, müssen seriöse Lösungen für die Probleme anbieten, die sich aus der Ablehnung von biotechnologischen Produkten ergeben. Die bittere Realität ist, dass vier Milliarden Menschen in der Welt von weniger als zwei Euro pro Tag leben müssen; der Preis von Lebensmitteln ist für diese Menschen eine Frage von Leben und Tod.

Diese Pflanze . . .

Ein kürzlich erschienener Bericht der UN sagt voraus, dass die Weltbevölkerung bis 2050 von 6,2 auf 9,3 Milliarden anwachsen wird.

Diejenigen, die GMOs (gentechnisch veränderte Organismen) so kategorisch ablehnen, müssten erklären, wie sich diese Menschen ernähren sollen, wenn man nicht eine noch stärkere Abholzung des Regenwaldes, den Einsatz von noch mehr Chemikalien und die Verbrennung von noch mehr fossilen Brennstoffen in Kauf nehmen will.

Biotechnologisches Saatgut ist äußerst ertragreich und umweltfreundlich. Selbst in Österreich gibt es Krankheits-und Todesfälle, die durch den übermäßigen Einsatz von Pestiziden verursacht wurden. Die Verwendung solcher Produkte würde sich durch den Anbau von GMO-Feldfrüchten erübrigen.

Die restriktive europäische Politik in Bezug auf GMO-Produkte wurde vor kurzem auch von hungerleidenden Ländern Afrikas als Grund angegeben, warum sie die von den Vereinigten Staaten angebotene Hilfe in Form von Lebensmitteln ablehnen. Die zukünftigen Mitgliedstaaten der Europäischen Union zeigen ebenfalls Besorgnis über die Durchsetzung von Regelungen in Brüssel, die nach Meinung der Vereinigten Staaten unnötig einschränkend sind. Die Vereinigten Staaten wollten das gleiche Getreide, das täglich von Hunderten Millionen Amerikanern verzehrt wird, den Menschen in Afrika schenken, die Hunger leiden. Was kann eine Regierung dazu bewegen, eine Politik zu betreiben, die den hungernden Menschen in der Welt die Nahrung verweigert?

Leider hat dies die Anti-GMO-Kampagne bewirkt, die momentan in Österreich und anderen EU-Ländern geführt wird.

Für mich ist es eine Ironie, dass die Europäer, insbesondere die Österreicher, die so genannte "rote Biotechnologie" für medizinische Zwecke akzeptieren, aber die "grüne Biotechnologie" als gefährlich ablehnen.

. . . kann Leben retten!

Tatsächlich verfügt Wien über einen hervorragenden Ruf für biotechnologische Forschung und Entwicklung im Bereich Medizin. Der Wiener Wissenschafts-, Forschungs-und Technologiefonds WWTF wird auch stark von der österreichischen Regierung unterstützt.

Wirklich gefährlich sind die Zecken im Wienerwald, die Enzephalitis übertragen können - und der Impfstoff, der dieser tödlichen Krankheit entgegenwirkt, wurde durch Gentechnologie entwickelt.

Österreich hat bei der Meinungsbildung und der Aufstellung von Regeln für den Einsatz von Biotechnologie eine Führungsrolle in der EU. Dies bringt aber auch eine breitere Verantwortung gegenüber der globalen Gemeinschaft mit sich, besonders die Verantwortung, eine Führungsrolle auf Fakten anstelle von Hysterie aufzubauen und die bewiesenen Vorteile der modernen Landwirtschaft den Menschen weltweit zugänglich zu machen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28./29..6. 2003)

Ein Kommentar der anderen von W. L. Lyons Brown, US-Botschafter in Wien
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