Nüchtern statt Echt Fett

29. Juni 2003, 19:50
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Manche Filme sind so schlecht, dass sie eine perverse Anziehungskraft besitzen. ATV+ konnte deshalb donnerstags mehrere Quotengäste ...

... begrüßen, als das Oscar-prämierte(!) Trinker-Schauer-Drama Leaving Las Vegas ausgestrahlt wurde.

Während Mickey Rourke in der an Charles Bukowskis Leben angelehnten Verfilmung Barfly von Barbet Schroeder glaubhaft Hinterhoffaustkämpfe verlor, sich für ein lausiges Sandwich Demütigungen und noch eine Watsche einhandelte, wirkt Nicolas Cage in Leaving Las Vegas wie ein Eunuch, der von der Liebe lallt.

Tränenreich und mit einer Mimik, die auch auf eine tiefer liegende Beschränktheit schließen lässt, taumelt Cage durch ein Drehbuch, das sich auf einem Bierdeckelrand zusammenfassen lässt - samt Zierleiste!

Vor lauter Lachen kullerten auch diesseits der Mattscheibe die Tränen und es knallten - ganz in der Tradition der Rourkeschen Alkoholikerdarstellung - die Korken und Bierdosen wurden mit lautstarkem "Pffft" ihrem Sinn überantwortet.

Irgendwann war die Schmonzette nicht mehr zu ertragen, also Senderwechsel zu ORF 1. Dort lief Echt Fett. Dieser Titel führte nicht nur zur raschen Ernüchterung der neu zugeschalteten Quotenbringer. Das "Comedy"-Format des ORF erreichte an dem Abend nicht annähernd die diesbezügliche "Qualität" von ATV+. Weder gewollt, noch ungewollt - von perverser Faszination ganz zu schweigen. Erst die Sendung ohne Namen machte einen wieder lachen - natürlich ungewollt. (flu/DER STANDARD; Printausgabe, 28./29.6.2003)

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