Im Zwölfminutenwald

27. Juni 2003, 19:23
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Erschienen im Jungbrunnen-Verlag

Wie läuft es in einem kleinen Wald, den man in zwölf Minuten durchqueren kann und in dem keine Förster nach dem Rechten sehen? Manchmal gar nicht, manchmal glatt, manchmal verkehrt aber immer richtig. Man isst Zimtzicke mit Saftsack und einem Schuss Zitrone im gemütlichsten Baum-Zuhause, das man sich vorstellen kann, bei der viel geliebten, klugen Baumhausbesitzerin Roselinde Tilia Cordata. In diesem herzerfrischenden Brevier für kleine Kinder (oder große Menschen, die das kleine Kind in sich noch gut hören können) herrscht Hochkonjunktur im Philosophieren. So klein der im Jungbrunnen-Verlag erschienene Zwölfminutenwald auch sein möge, es findet alles Platz darin. Lulatsche gibt's, schlaue Lulatsche, Rück- und Vorwärtsgehlulatsche, hundertjährige Lulatsche... Ein Engel wird im Schnee zurückgelassen. Die Linde wünscht sich eine Birne an einen Ast. Schönpeter stirbt in den Seilen einer Spinnwebe, ein schöner Schmetterling war er... All diese Kalendergeschichten, durch die Funken magischen Denkens sprühen, sind in kurze unsentimentale Texte verpackt, deren Sprödheit komischer ist als das Erlebnis tragisch. (ap/DER STANDARD; Printausgabe, 28.06.2003)

Franz Zauleck, Im Zauberwald. Kalendergeschichten. € 17,40/110 Seiten. Jungbrunnen, Wien 2002.
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