Anleitung zum Chefsturz

27. Juni 2003, 18:22
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Seit mehr als einem Jahrzehnt muss Haider regelmäßig irgendwen loswerden, den er zu Unrecht auf "seinem" Thron wähnt - Von Lisa Nimmervoll

Wie werde ich ihn los? Das ist das Thema eines aktuellen Kinofilms. Dieselbe Frage plagt auch den Kärntner Landeshauptmann - wieder einmal. Denn seit mehr als einem Jahrzehnt muss Haider regelmäßig irgendwen loswerden, den er zu Unrecht auf - seiner Selbsteinschätzung nach - "seinem" Thron wähnt. Sogar wenn er den jeweiligen offiziellen Amtsinhaber selbst hinaufgehoben hat. Jetzt ist Herbert Haupt an der Reihe - und es zieht sich ein bisschen. Denn Haupt hat sich erlaubt, Haiders generöses "Angebot", ihn von der Dreifachbelastung Vizekanzler/Sozialminister/Parteichef zu entlasten, nicht sofort anzunehmen.

Es ist aber klar, dass er das früher oder später tun wird. Weil er muss, wenn Haider es will. Dieser will das Zepter des Regenten über die freiheitliche Partei wieder zurück. Auf welche Weise auch immer. Das informelle Haidersche Handbuch zum Obmannsturz beinhaltet dazu eine breite Palette von langsam quälen bis brutal exekutieren. Beides probiert, beides funktioniert. Gröbere Flurschäden nimmt Haider dabei gern in Kauf.

Die harte Tour bekam Norbert Steger 1986 in Innsbruck zu spüren: Er wurde weggeputscht. Auf die langwierige Methode des Mürbemachens durch ständige Störfeuer und den Aufmarsch der Knittelfelder Rebellen reagierte Vizekanzlerin und Parteichefin Susanne Riess-Passer vor nicht einmal einem Jahr mit ihrem Rücktritt. Die folgende Neuwahl verschaffte Haiders Partei zwar ein Wahldebakel, aber Riess-Passer war er los.

Jetzt hat Haupt die Qual der Wahl. Und, im Gegensatz zur Vorgängerin, den "Vorteil", dass sein "Freund" Haider eine brüderliche Teilung der blauen Chefinsignien bevorzugen würde, da er diesmal nicht sicher sein kann, dass eine brutale Entmachtung Haupts von der Parteibasis goutiert und er damit einen Parteitag überstehen würde. Welches Ergebnis auch kommt: Es wird die Ouvertüre für das schwarz-blaue Sommertheater sein. (DER STANDARD, Printausgabe, 28./29.6.2003)

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