Androsch und Scharinger im Doppelpack für Voest-Poker

27. Juni 2003, 20:13
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Im Duo mit Oberösterreichs Raiffeisen-Chef Ludwig Scharinger, spitzt der Industrielle Hannes Androsch auf die Voestalpine

Wien - Der Industrielle Hannes Androsch (AT&S, Salinen, FACC) verbündet sich mit seinem langjährigen Finanzpartner, dem Chef der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, Ludwig Scharinger, gegen Frank Stronachs Magna-Konzern. Es geht um die bis zu zwei Milliarden Euro teure Komplettübernahme des Stahlkonzerns Voestalpine, wofür laut Androsch "rund 800 Millionen Euro an Eigenmitteln" nötig wären.

Androsch glaubt nämlich nicht daran, dass Magna durch die Festlegung der Regierung, der Konzern dürfe nicht zerschlagen werden, aus dem Rennen sei. "Das war ein Placebo des Finanzministers. Er versucht der Bevölkerung Sand in die Augen zu streuen", sagte Androsch im Gespräch mit dem Standard. Daher gehe es darum, einen Magna-Einstieg zu verhindern, damit die "Voest in ihrer Aufstellung erhalten bleibt."

"Finanzielle Muskeln" fehlen"

Für ein eigenes Bieterkonsortium fehlen Androsch "die finanziellen Muskeln". Mit wie viel Kapital sich Androsch am Scharinger-Konsortium beteiligen werde, ließ er offen. "Einen PR-Gag hab' ich nicht nötig. Wenn ich mittun kann, würde ich gerne mittun." Dass Scharingers Plan, mit untereinander nicht syndizierten Fonds und Industriepartnern nur den 34,7-Prozent-Anteil der Staatsholding ÖIAG zu kaufen, aufgehen wird, glaubt Androsch nicht: "Das wird nicht gehen und wäre wahrscheinlich eine Umgehung des Übernahmegesetzes. Es geht nur, dass man 100 Prozent der Voest übernimmt."

Diese Variante wiederum scheint auch unrealistisch, denn dann würde die Voest von der Börse verschwinden, was dem Privatisierungsauftrag widersprechen würde.

Börsengang falscher Weg

Den ÖIAG-Anteil an der Wiener Börse zu platzieren, hält Androsch übrigens für den falschen Weg. Dadurch wäre die "Übernahmegefahr durch Magna nicht gebannt". Jedes Unternehmen brauche einen strategischen Eigentümer, der die langfristige Strategie mittrage.

Der Zeitplan für den Deal hat sich inzwischen jedenfalls deutlich entspannt: Frühestens in der Aufsichtsratssitzung am 5. September können die ÖIAG-Räte über das Privatisierungsszenario befinden, denn in der Hauptversammlung am 10. Juli erteilt der Finanzminister nur den neuen Voest-Privatisierungsauftrag. Dass in der Aufsichtsratssitzung am selben Tag ein neuer "Minerva-Plan" auf den Sitzungstisch gelegt wird, 4. Spalte schloss man in der ÖIAG aus. Nicht ausgeschlossen wäre freilich ein so genannter "Blocktrade", mit dem der ÖIAG-Anteil auf 25 Prozent plus eine Aktie reduziert werden könnte. Dabei werden kleinere Aktienpakete an Ins^titutionelle zum aktuellen Börsenkurs verkauft, ein internationales Bieterverfahren entfällt. Das wird in ÖIAG- Kreisen derzeit als die wahrscheinlichste Variante für die 9,7 Prozent gehandelt. Käufer soll die Scharinger-Gruppe sein. (Michael Bachner, Luise Ungerboeck, 28.06.2003)

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    Der umtriebige Industrielle Hannes Androsch will die Voestalpine

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