Dialog zwischen Belgrad und Pristina vier Jahre nach Kriegsende

27. Juni 2003, 17:21
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Völlig gegensätzliche Interessen: Für Albaner kommt nur Unabhängigkeit in Frage

Belgrad/Pristina - Vier Jahre nach dem Kriegsende im Kosovo soll es in den kommenden Wochen zur Aufnahme von ersten Direktgesprächen zwischen Vertretern Belgrads und Pristinas kommen. Worum es bei diesen Gesprächen konkret gehen soll, darüber haben serbische und albanische Politiker unterschiedliche Ansichten. Während Belgrad vorwiegend Flüchtlings- und Sicherheitsprobleme besprechen will, pochen die Führer der Kosovo-Albaner weiter vehement auf die Unabhängigkeit. Gleichzeitig wollen die Albaner aber über den endgültigen Status der derzeit unter der UNO-Verwaltung (UNMIK) stehenden Provinz nicht mit Belgrad verhandeln.

Eine volle Unabhängigkeit sei "die einzige für die Kosovo-Albaner akzeptable Option", ließ Ramush Haradinaj, Führer der Allianz für die Zukunft des Kosovo, der drittgrößten Albaner-Partei, in einem von der Tageszeitung "Koha ditore" am Freitag veröffentlichen Artikel unmissverständlich wissen. "Es ist sinnlos über die Stromversorgung und Verkehrswege zu sprechen, so lange wir 250.000 Menschen haben, die in ihre Heime zurückkehren sollen", meinte dagegen der serbische Vizeministerpräsident Nebojsa Covic. Covic erwartet die ersten direkten Gespräche in Brüssel.

Beide Gesprächspartner wünschen sich internationale Präsenz beim Gespräch

Sowohl Belgrad als auch Pristina erachten eine internationale Präsenz bei den ersten Gesprächen für unerlässlich. Die Teilnehmerliste dürfte lang ausfallen. Neben dem Nachfolger von UNMIK-Chef Michael Steiner, dessen Amtszeit Ende Juni endet, werden offizielle Vertreter der EU, der USA, möglicherweise auch der OSZE, der NATO und der internationalen Friedenstruppen im Kosovo (KFOR) teilnehmen.

Der österreichische Generalsekretär des Europarates, Walter Schwimmer, sieht eine Lösung des Kosovo-Problems in einer Spezialautonomie. Für die Kosovo-Albaner ist der Vorschlag völlig unannehmbar. Der Koordinator des Belgrader Fonds für zwischenethnische Beziehungen, Dusan Janjic, ist der Ansicht, dass diese Idee aber auch für Belgrad, das um eine Dezentralisierung der Provinz bemüht ist, nicht akzeptabel sein dürfte. Bereits Mitte der neunziger Jahre war den Kosovo-Albanern ein Autonomievorschlag gemacht worden. Die Albaner hatten 1995 aber eine Spezialautonomie zurückgewiesen, sagte Janjic gegenüber der Tageszeitung "Glas javnosti".

Der ehemalige politische Berater des jugoslawischen Ex-Präsidenten Vojislav Kostunica, Predrag Simic, erwartet, dass die EU einen Rahmen für die Lösung der Kosovo-Probleme vorschlagen wird. "Die Rolle der EU bei der Lösung des Problems ist umso wichtiger, als das Kosovo nach dem Sinken des Interesses der USA für diese Region zunehmend zu einer EU-Angelegenheit wird", sagte Simic. Gegenüber "Glas javnosti" erwähnte Simic erneut das Südtirol-Modell, das auch in den neunziger Jahren immer wieder als mögliche Lösungsformel für die südserbische Provinz genannt wurde. (APA)

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