Sozialexperte Guger: Weitere Reform schon bald notwendig

27. Juni 2003, 16:29
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10-Prozent-Deckelung führt ab 2007 zu höherer Budgetbelastung - Felderer: "Generationentransfer" berücksichtigen

Wien - Wenn die Bundesregierung wirklich eine Pensionssicherungsreform wolle, müsse ein nächster Reformschritt bald folgen und die Harmonisierung angegangen werden, sagte der Sozialexperte des Wirtschaftsforschungsinstitutes (Wifo), Alois Guger, am Freitag bei der Vorstellung der Konjunkturprognose. Guger erwartet, dass auf Grund der 10-Prozent-Deckelung das Budget ab 2007 wieder stärker mit Pensionsausgaben belastet werde. Die Auswirkungen der Pensionsreform 2003 bezifferte Guger mit 0,2 bis 0,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP).

"Den Jungen sollte rechtzeitig gesagt werden, was sie erwartet", merkte Guger an. Der Pferdefuß der Reform liege darin, dass länger zurückliegende Beitragszahlungen nicht wie bisher mit 2,0 Prozent aufgewertet würden sondern der Aufwertungsfaktor nach dreijähriger Übergangsfrist auf 1,78 Prozent gekürzt werde. "Man hätte erwarten können, dass der Aufwertungsfaktor bei 2,0 bleibt, dafür aber die Deckelung eingespart wird", so der Wifo-Experte. In diesem Fall hätten Kinder betreuende Mütter weniger Pensionsleistung verloren und sie wären gegenüber Teilzeitbeschäftigten gerechter behandelt worden. In der jetzigen Fassung kämen Teilzeitbeschäftigte "die sich das leisten können" relativ besser weg. "Das zeigt auf, dass der nächste Reformschritt rasch folgen sollte", so Guger.

Im Zusammenhang mit einer Harmonisierung sprach sich Guger auch dafür aus, diese nicht nur auf unter 35-jährige zu beschränken, sonst würden deren Einbußen zu stark ausfallen. Besser wäre, nach dem Beispiel von Schweden rasch neue Bedingungen zu schaffen und diese in Kombination mit beitragsorientierten individuellen Pensionskonten rasch wirksam werden zu lassen. Dann würde für ältere Arbeitnehmer ein kurzer Abschnitt des neuen Systems wirksam und die älteren Ansprüche blieben unberührt. Je jünger ein späterer Pensionsanwärter sei, desto mehr wachse er in das neue System hinein.

Der parlamentarische Entschließungsantrag für Herbst sehe die Verknüpfung mit dem Pensionskonto vor, womit aber nur für junge Arbeitnehmer eine neue Situation geschaffen werde.

IHS-Chef Bernhard Felderer, dessen Institut ein Gutachten zu beitragsorientierten Pensionskonten in Arbeit hat, pflichtete Guger bei. "Wenn alle acht Jahre länger arbeiten würden, hätten wir kein Pensionsproblem", sagte Felderer. Da eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit aber nur für maximal vier bis fünf Jahre realistisch sei, müsse man sich ausrechnen, "wie der Generationentransfer aussieht". Dieser dürfte beträchtlich sein, sagte Felderer. (APA)

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