Der "Smarte" Bund fürs Leben

26. August 2003, 11:13
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Die Kanadierin Nancy Knowlton, Co-Ceo und Präsidentin von Smart Technologies Inc. hat sich schon immer für Computer interessiert - Die Begegnung mit ihrem späteren Ehemann war Initialzündung für eine florierende geschäftliche Zukunft - Ihr Unternehmen Smart hat das erste interaktive Whiteboard der Welt erfunden

Nancy Knowlton war nicht nur Computerfreak, sie unterrichtete als junge Frau sogar Computerwissenschaft an der Universität von Halifax. Doch dass sie eines Tages einer Firma vorstehen würde, die weltweit ein erfolgreiches High- techprodukt verkauft, stand trotzdem nicht in ihrem Lebensplan.

Bis sie beim Stampede von Calgary, dem jährlichen Fest der Cowboys und Rodeohelden, ihrem künftigen Ehemann David Martin, einem Mathematiker, über den Weg lief. "Wir entdeckten viele gemeinsame Interessen", erzählt die heute 49 Jahre alte Unternehmerin mit einer warmen, unaufdringlichen Stimme.

Hochzeit nach 16 Tagen

Sechzehn Tage nach dem ersten Treffen heirateten die beiden. Das Ehepaar gründete 1987 die Firma Smart Technologies Inc. in der kanadischen Stadt Calgary. David Martin hatte nämlich als Erster ein sogenanntes Whiteboard entwickelt: Auf dieser elektronischen, interaktiven Weißwandtafel, auf die mit einem Projektor ein Computerbild projiziert wird, kann man mit dem Finger zeichnen, unterstreichen, Notizen machen und die Handschrift im Nu in Druckschrift umwandeln.

Das "Smart Board" hat die Form einer Wandtafel, aber es ist mit einer berührungsempfindlichen Projektionsoberfläche ausgestattet. Der Finger macht darauf alles, was normalerweise die Computermaus tut.

Wenn Nancy Knowlton das Smart Board ihren Besuchern am Firmensitz in einem unauffälligen Stadthaus von Calgary vorführt, wirkt sie wie eine Magierin mit Zauberstab.

Die groß gewachsene Kanadierin ist es inzwischen gewöhnt, dass sie mit ihren Handbewegungen auf dem Whiteboard Leute in Erstaunen versetzt. Aber die Anfänge der Firma waren hart, denn niemand hatte je eine solche elektronische Tafel gesehen, erzählt sie: "Die potenziellen Kunden sagten: ,Zeigt mir, warum dieses Produkt gut für mich sein soll.'"

Universeller Einsatz

Heute, mit über 100.000 in alle Welt verkauften Smart Boards, ist die Überzeugungsarbeit viel leichter. Firmen, Universitäten und andere Bildungsstätten, Armeen und sogar Kunstgalerien und Fahrschulen arbeiten mit Smart Boards. Auch der US-Fernsehsender CNN setzte in seiner Berichterstattung über den Irakkrieg ein Smart Board ein, denn darauf lassen sich Panzer mit dem Finger verschieben. Bei der neuesten Generation der Smart Boards sind an vier Ecken der Tafel digitale Kameras installiert, die zusammen mit der Software die Berührung der Oberfläche als Mausbewegung übersetzen.

Nancy Knowlton ist Präsidentin ihres Unternehmens, das mehr als 60 Millionen Euro umsetzt, rund 400 Angestellte beschäftigt und bei den Whiteboards einen weltweiten Marktanteil von über 50 Prozent hält. Sie kümmert sich um das Tagesgeschäft, während sich ihr Mann auf die Strategie und Allianzen konzentriert. Heute hat die Firma Verkaufsbüros in Bonn, Tokio und New York. Seit 1992 besitzt der US-Computerriese Intel Corp. eine strategische Minderheitsbeteiligung an Smart.

Nancy Knowlton, die Universitätsabschlüsse in Buchhaltung, Marketing und Finanzwissenschaften besitzt, strahlt eine ruhige Souveränität aus. Sie hat keine Mühe zu erwähnen, dass es zwischenzeitlich über zwanzig konkurrierende Produkte in diesem Bereich gibt.

Leicht umzusetzen

"Aber das Smart Board ist leichter einzusetzen", betont sie: Man brauche kein spezielles Bedienungswerkzeug dafür, beispielsweise keine Spezialstifte mit elektronischen Impulsen.

Aus ihrer Stellung als eine der wenigen Frauen an der Spitze eines Hightech- unternehmens - und als Mitgründerin - macht sie kein Aufheben. "Für mich ist es so normal, ich nehme es kaum mehr wahr", sagt sie.

Die Smart-Chefin stammt aus einer ländlichen Gegend in der kanadischen Provinz Quebec. Für ihre Eltern war es selbstverständlich, die begabte Tochter zu fördern. Nancy Knowlton erinnert sich an viele stimulierende Tischgespräche im Elternhaus.

Sie findet die Zusammenarbeit mit ihrem Gatten in der Firma auch nach achtzehn Ehejahren sehr einfach: "Wir vertrauen einander völlig." Sie müssten nur aufpassen, dass sie nicht immer über die Firma redeten. Und für Skifahren und Wandern bleibt den beiden auch nicht mehr viel Zeit. Aber das betrübt die Kanadierin nicht: Die Firma ist ihr Abenteuer genug. (Bernadette Calonego, DER STANDARD Printausgabe, 27.6.2003)

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Smart

  • Nancy Knowlton mit Gatten David Martin
    foto: standard

    Nancy Knowlton mit Gatten David Martin

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