Felderer setzt auf Ende der "Schock-Serie"

27. Juni 2003, 15:33
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IHS-Chef sieht "keine spekulative Blase in Amerika" - Wifo sieht in USA weiter Konjunkturrisken und "spekulative Immobilien-Blase"

Wien - Eine "Serie von Schocks, wie wir sie seit 1945 sonst nicht erlebt hatten", ist für den Leiter des Instituts für Höhere Studien (IHS) ausschlaggebend dafür, dass die Konjunkturprognosen für 2003 laufend nach unten korrigiert werden mussten.

Für 2004 laufen die Erwartungen der beiden Institute um fast einen Prozentpunkt auseinander. Das Wifo sieht keinen Aufschwung und prognostiziert 1,2 Prozent, das IHS erwartet immerhin 2,1 Prozent. Ein Unterschied liegt für das Wifo in der Gefahr einer "spekulativen Blase" bei den Immobilienpreisen in den USA. Sollte diese platzen, wäre angesichts der hohen Verschuldung der privaten Haushalte und dem rekordhaften staatlichen Budgetdefizit, eine neue Wirtschaftskrise nicht auszuschließen.

Japan als "Sonderfall"

"Diesen Mix aus Investitionsfalle und Nachfragemangel sehen wir nicht", sagte Felderer. Er vermutete sogar, dass das österreichische BIP 2004 stärker wachsen könnte als um 2,1 Prozent, "wenn das Wachstum einmal einsetzt". Japan, das seit rund zehn Jahren nicht aus der Krise findet, sei ein "Sonderfall", da "die ganze Welt weiß, dass die japanischen Banken dubiose Machenschaften gedeckt haben".

Felderer hofft, dass die Serie von Schocks, die seit zweieinhalb Jahren vor allem die US-Wirtschaft getroffen habe, zu Ende sei. Nach der Rezession im dritten Quartal 2001 seien die Terroranschläge des 11. September gefolgt, dann der Finanzschock 2002, im selben Jahr der Ölpreisanstieg und die Spekulationen um den Irak-Krieg. Heuer seien der Irak-Krieg, der hohe Ölpreis und zuletzt die Wechselkursänderung gekommen.

"Wir sehen keine spekulative Blase in Amerika", die Unternehmergewinne seien in den letzten Monaten gestiegen, so Felderer. Das IHS sehe auch in Deutschland eine leichte Besserung, die ab Ende 2003 spürbar sein werde. Erstes Anzeichen hiefür sei der Anstieg der Langfristzinsen, obwohl die kurzfristigen Zinsen gesunken seien. Dass Europa nicht an die Wachstumsraten der USA anschließen könne, zeige sich seit Mitte des 20. Jahrhunderts. Nur nach dem 2. Weltkrieg habe Europa bis zur ersten Hälfte der 80er-Jahre höhere Wachstumsraten gehabt als die USA. (APA)

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    Bernhard Felderer, IHS

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