Arbeit über Epigenetik von Wiener Wissenschafterin ausgezeichnet

27. Juni 2003, 20:02
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Wien - Krebs ist nicht nur eine Sache der Gene. In einem Gutteil der Fälle dürften an der Entstehung von bösartigen Erkrankungen Regulationsmechanismen beim Ablesen der Erbinformationen eine Rolle spielen. Die Wiener Wissenschafterin Astrid Haase wurde jetzt im Rahmen des von Aventis gestifteten "Wilhelm-Auerswald-Preises 2002" für die beste Dissertation des vergangenen Jahres der Medizinischen Fakultäten in Österreich ausgezeichnet.

"Man weiß, dass in manchen Krebserkrankungen die genetische Information selbst nicht verändert ist. Die Fehlregulation des Ablesens dieser genetischen Information führt jedoch zum Krankheitsausbruch. Ob ein Gen selbst 'zerstört' ist, oder intakt, aber nicht 'ablesbar', kann für die Zelle die gleiche Konsequenz haben: Zum Beispiel die Umwandlung einer gesunden Zelle in eine Krebszelle, erklärte die Wissenschafterin.

"Epigenetik"

Es müssen also auch andere Prozesse als erfolgte Mutationen in den Genen von Bedeutung sein. Eine Erklärung dafür könnte in Zukunft die Kenntnis der "Epigenetik" sein, also die Kenntnis jener Abläufe, die das Ablesen oder Nicht-Ablesen bestimmter Abschnitte der Erbsubstanz (DNA) im Zellkern regulieren. Wenn man sich die Gene der Erbinformation als große Bibliothek vorstellt, wäre epigenetische Regulation die Aufgabe des Bibliothekars, der manches dem Leser zugänglich macht, anderes jedoch geschützt vor dem Zugriff des Besuchers verwahrt.

Nicht nur Gene 2- Stickstoffmonoxid verhindert Herzschäden

Stickstoffmonoxid bekommt als Signalmolekül im Herz-Kreislauf-System offenbar durch wissenschaftliche Forschungen immer mehr Funktionen zugeschrieben. Für seine Dissertation auf diesem Gebiet wurde ebenfalls Severin Semsroth im Rahmen des "Wilhelm-Auerswald-Preises" ausgezeichne.

Wird die Sauerstoffversorgung des Herzens unterbrochen, entwickelt sich ein mit der Zeit dieser "Ischämie" zunehmender Muskelschaden. Doch auch bei Wiederherstellung der Sauerstoffversorgung drohen Schäden. Die Herzchirurgen und Kardiologen sprechen hier vom so genannten Reperfusionsschaden. Verursacht wird er hauptsächlich durch schnell entstehende giftige Sauerstoff-Radikale.

Auswirkung auf Funktion des Spenderorgans

Solche Prozesse schädigen beispielsweise Spenderherzen, bei denen die Sauerstoffversorgung zwischen Entnahme und Verpflanzung eine Phase der Ischämie zu überstehen haben. Das kann auch eine Auswirkung auf die Funktion des Spenderorgans haben. Ähnliches geschieht, wenn nach einem Herzinfarkt durch Medikamente zur Auflösung des aufgetretenen Blutgerinnsels in einer Herzkranzarterie oder durch Ballon-Dilatation die Sauerstoffversorgung plötzlich wieder hergestellt wird.

Reperfusionsschaden ist mit NO-Mangel

Semsroth, der sich mit diesem Thema im Zusammenhang mit Herztransplantationen beschäftigt hat, meint: "Dieser Reperfusionsschaden ist mit einem NO-Mangel verbunden. Man kann eine Reduktion an jenem Enzym (eNOS) nachweisen, das am Blutgefäß NO produziert." Der Wissenschafter und seine Co-Autoren versuchten, solche Reperfusionsschäden an einem Transplantationsmodell mit Kaninchenherzen durch die Anwendung von S-Nitroso Humanes Serum Albumin (S-NO-HSA) zu reduzieren. Das Herz der Tiere wurde zum Stillstand gebracht, sechs Stunden in einer Aufbewahrungslösung gelagert und dann wieder durchblutet.

Signifikant bessere Durchblutung an Organen

Wurde S-NO-HSA verwendet, zeigte sich an den Organen später eine signifikant bessere Durchblutung. Dies erfolge durch eine Verringerung der Schäden an den Endothelzellen an Herzkranzgefäßen (Myokard). Das so genannte Endothel ist die innerste Schicht der Blutgefäße. Sie produzieren ebenfalls NO und regulieren dadurch den Gefäßtonus.

Auf dem dritten Platz des Bewerbes landete schließlich Dolores Wolfram von der Universität Innsbruck. Sie hat die lokalen Immunreaktionen nach der Einpflanzung von Silikonimplantaten (Brustrekonstruktion) im Detail untersucht.

Die Implantate sind in den vergangenen Jahren immer wieder in heftiger öffentlicher Diskussion gestanden. Die Wissenschafterin untersuchte sowohl die Art Zellen, welche an die Grenze zwischen körpereigenem Gewebe und dem Implantat einwanderten als auch die Expression von verschiedenen Oberflächenmarkern und Adhäsionsmolekülen.

Kapsel aus drei Schichten

"Diese Kapsel, die sich um das Implantat bildet, besteht aus drei Schichten." Immunzellen, lockeres Bindegewebe und strafferes Bindegewebe bilden sich nach der Implantierung aus. B- und T-Lymphozyten sowie reife dendritische Zellen - sie sind die hauptsächlichen Antigen-präsentierenden Zellen für das Immunsystem - machen einen Großteil der Abwehrzellen aus, welche durch das Implantat "angelockt" werden.

Ein Hinweis darauf, dass die Implantate doch auch einen gewissen Stress darstellen, ergibt sich auch daraus, dass die Wissenschafterin auch erhöhte Werte an Heat-Shock-Protein-60 (HSP60) in dem Gewebe entdeckte. (APA)

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