Brustkrebsverbreitung durch genetische Programmierung

27. Juni 2003, 14:28
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Spezielle Gruppe von Genen für die Ausbreitung von Brustkrebs verantwortlich

Chevy Chase - Metastasen sind die tödlichste Verwandlung, die ein Tumor durchmachen kann. Dabei lösen sich Zellen vom ursprünglichen Tumor und befallen ein anderes Organ. Brustkrebs bildet Metastasen häufig auch im Knochenmark. Wissenschaftler des Howard Hughes Medical Institute am Memorial Sloan-Kettering Cancer Center haben nun eine spezielle Gruppe von Genen entdeckt, die für die Ausbreitung von Brustkrebs in das Knochenmark verantwortlich sind. Diese Gene unterscheiden sich von jenen des ursprünglichen Tumors.

Die Ergebnisse werfen die Frage auf, ob verschiedene Krebsarten einzigartige "gene expression signatures" aufweisen, also Merkmale, die zur Bildung einer im Gen festgelegten Eigenschaft führen. Weitere Studien könnten dazu führen, diese Gene genau zu identifizieren und Medikamente zu entwickeln, um sie zu blockieren. Die Studie erfolgte in Zusammenarbeit mit der University of Texas Health Science Center.

Kontroverse Meinungen über zwei Hypothesen

Es gebe in der Krebsforschung kontroverse Meinungen über zwei Hypothesen, meint Massagué. Eine sei die klassische Sicht, nach der nur wenige Zellen eines Tumors eine Veränderung durchmachen, die zu vermehrter Metastasenbildung führt. Von den Millionen Tumorzellen, die in die Blutbahn gelangen, bilden sich aus diesen wenigen Zellen nur eine Handvoll Metastasen, so Massagué. Im Gegensatz dazu gebe es neue Beweise, dass sich Metastasen bildende Tumore aus einer Gruppe von Genen zusammensetzen, deren hohe Aktivität die Metastasierung anzeigt.

Für den Versuch, diese beiden Modelle zu unterscheiden, isolierten die Wissenschaftler spezielle Zellen einer Patientin, die an Metastasen verstorben war. Sie untersuchten, ob einige dieser isolierten Zellen eher in der Lage waren, in den Knochen zu metastasieren. "Tatsächlich erkannten wir im Mäuseversuch, dass einige dieser Zellen eher dazu neigten, Metastasen im Knochen zu bilden.

Als wir die Genexpression dieser Zellen analysierten, fanden wir eine Gruppe von Genen, deren Aktivität mit diesem gesteigerten Krebswachstum zusammenhing", so Massagué über die Ergebnisse. Diese Zellen ermöglichen es Tumoren, im Knochen anzusiedeln und das Wachstum von Blutgefäßen auszulösen. Darüber hinaus entdeckten die Forscher, dass sich die für die Knochenmetastasen verantwortlichen Gene von jenen in Metastasen der Nebenniere unterschieden.

Überaktive Gene

Diese Ergebnisse würden das klassische Modell nicht entkräften, so Massagué. Die Ergebnisse zeigten, dass neben der genetischen Struktur, die den Tumor bildet, eine Ansammlung überaktiver Gene existiere, die der Tumor brauchte. Sie seien der Vermittler für die Krebszellen, um im Knochenmark zu wachsen. Weitere Studien seien notwendig, um herauszufinden, ob diese Gruppen von "Metastasen-Genen" auch in anderen metastasierenden Tumoren existieren.

"Ich bin nicht sicher, ob diese Analysen große Bedeutung in der Diagnose haben werden. Bildgebende Verfahren zur Erkennung der Metastasen sind schon jetzt sehr effektiv. Eher vorstellbar ist die Möglichkeit, präzise zu bestimmen, welche bestimmte Gen-Kombination zu Metastasen führt. Mit diesem Profil könnten Medikamente entwickelt werden, um diese Gene anzugreifen und stillzulegen", so der Studienleiter. (pte)

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