Deutsche Bauern kritisieren Reform heftig

27. Juni 2003, 14:19
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Sonnleitner: Preissenkung bei Milch "katastrophal", "bürokratischer Super-GAU"

Berlin/Freiburg - Die Kritik der Bauern an der EU- Agrarreform reißt nicht ab. Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Gerd Sonnleitner, sagte am Freitag dem Radiosender WDR 5, der tags zuvor gefasste Beschluss von Luxemburg bedeute eine "katastrophale Preissenkung bei Milch" und bei mangelndem Ausgleich "eine Gefährdung unserer Milchbauern". Die vielen Ausnahmeregelungen würden zudem für einen Wildwuchs an Systemen und Wettbewerbsverzerrungen in Europa sorgen. "Das ist der bürokratische Super-GAU."

Sonnleitner betonte, sein Verband befürworte eine 100-prozentige Entkopplung der Beihilfen für Getreidebauern von der produzierten Menge. Der größte EU-Getreideproduzent Frankreich hatte hier aber durchgesetzt, flexibel in die Entkoppelung einsteigen zu können. Auch die Garantiepreise für Getreide wurden nicht gesenkt.

Der baden-württembergische Landesbauernverband sprach am Freitag von einem "Kuhhandel". Kommission und Minister hätten sich zwar große Ziele gesetzt. Doch das neue Konzept treibe die Bürokratie nach vorn, kritisierte Verbandspräsident Gerd Hockenberger in Stuttgart.

Zu hohes Kostenniveau

Nach dem Beschluss der EU-Agrarminister soll den Bauern mit der Entkopplung in allen Agrarbereichen der Anreiz zur Überproduktion genommen werden. Bislang galt: Je mehr die Bauern produzieren, desto mehr Geld bekommen sie. "Bei Rindern und bei Milch wollten wir noch keine Entkopplung, weil wir hier mit der Wettbewerbssituation dem Weltmarkt gegenüber noch nicht so weit sind", sagte Sonnleitner. In Deutschland herrsche schließlich ein besonders hohes Kostenniveau in der Produktion.

Die jetzige EU-Reform steuere auf eine totale Globalisierung des Marktes zu, kritisierte der Bauernpräsident. "Dies bedeutet aber das Ende der Agrarwende, das Ende einer verantwortungsbewussten europäischen Agrarproduktion." Die auch von Bauernverbänden in anderen EU-Ländern heftig kritisierte Agrarreform steht auch im Mittelpunkt des Deutschen Bauerntag kommende Woche in Freiburg. Vom 2. bis 6. Juli erwartet der DBV dort rund 9000 Teilnehmer. Der seit 1997 amtierende Sonnleitner wird sich dort auch zur Wiederwahl stellen.

Höhepunkt ist eine Kundgebung am Freitag (4. Juli), zu der auch Landwirtschaftsministerin Renate Künast (Grüne) und EU-Agrarkommissar Franz Fischler erwartet werden. (APA/dpa)

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