Kostenfalle Dialer-Programme

27. Juni 2003, 13:54
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Häufigster Beschwerdegrund beim Telekom-Regulator - Viele Beschwerden auch wegen hoher Kosten durch Überschreitung von Download-Limits bei ADSL-Anschlüssen

Dialer-Programme, die beim Internetsurfen - vom Kunden meist unbemerkt - über das PC-Modem Verbindungen zu teuren Mehrwert-Nummern (Vorwahl 0900, 0930) herstellen, sind die häufigsten Gründe für eine unerwartet hohe Telefonrechnung. 25 Prozent der 2002 von privaten Telefonkunden bei der Schlichtungsstelle des Telekom-Regulators eingebrachten 1.528 Beschwerden betrafen Dialer-Fälle, 2001 waren es noch 10 Prozent gewesen, heuer werden es 30 Prozent sein, berichtete der Telekom-Geschäftsführer der Rundfunk und Telekom Regulierungs GmbH (RTR), Georg Serentschy, am Freitag bei einem Pressegespräch.

Selber schuld

"Oft werden Dialer-Programme zu echten Kostenfallen, heruntergeladen und aktiviert werden sie zumeist beim Abfragen erotischer Seiten", bemerkte Serentschy. Für solche Datenverbindungen könnten Entgelte von bis zu 3,63 Euro pro Minute anfallen, die vom Telekom-Betreiber dann in Rechnung gestellt würden. Dialer-Programme müssen in der Regel heruntergeladen, sprich angeklickt, am Computer gespeichert und anschließend ausgeführt werden. Es gibt aber auch Programme, die sich bei niedrigeren Sicherheitseinstellungen von selbst installieren.

Sperren

Schützen könne sich der Konsument vor solchen Programmen entweder durch eine Sperre aller 0900-er Nummern durch den Telekombetreiber oder durch die Installation einer Schutz-Software, die bei einem Dialer-Programm einen Alarm gebe, erläuterte Serentschy. User sollten sich aber generell nicht "wahllos Dinge aus dem Internet herunterladen", warnt der oberste Telekom-Regulator.

Steigerung

Die Zahl der Beschwerden würden heuer zwar weiter voraussichtlich um 25 Prozent auf mehr als 1.900 steigen, die Höhe der Schadensfälle nehme aber zunehmend ab: "Die spektakulären 1.000 Euro- und 10.000 Euro-Fälle gibt es nicht mehr", so Serentschy.

Am zweithäufigsten betrafen Beschwerden ADSL-Breitband-Internetzugänge, wo durch Überschreitung der Downloadbeschränkungen teilweise hohe Kosten anfallen, bemerkt Serentschy. Die Telekom Austria (TA) etwa habe früher Kunden teilweise nicht ausreichend detailliert über ADSL-Tarife informiert: "Kunden glaubten irrtümlich, sie hätten ein Flatrate-Angebot". Diese Mängel habe die TA aber nun behoben. Die Einführung von "Fair-Use-Produkten" oder Pauschalprodukten führe hier insgesamt zunehmend zu einer Entschärfung der Lage.

Risikoreich

Die Möglichkeit, über fremde ADSL-Anschlüsse mit den eigenen Kennungsdaten (Username und Passwort) ins Internet einzusteigen, sei ein weiteres Risiko für unerwartet hohe Telefonrechnungen. Das "Surfen auf fremden Konten" könne von der RTR aber relativ leicht nachvollzogen und Missbrauch damit aufgeklärt werden.

Rückgang

Im Mobilfunkbereich sei die Zahl der Beschwerden hingegen deutlich zurückgegangen, so Serentschy. Ein neuer Trend zeichne sich allerdings bei Dialer-Programmen ab, die über WAP-Handys angewählt würden. Der Handyuser bekomme dabei die Dialer-Konfigurationen per SMS zugeschickt. Würden diese akzeptiert, erfolge die Einwahl in eine WAP-Portal automatisch über eine kostenintensive Mehrwertnummer. "Alle neuen Dienste und Technologien eröffnen neue Betrugspotenziale", so Serentschy. Das gelte auch für die dritte Mobilfunkgeneration UMTS. Auch die bevorstehende Einführung der mobilen Rufnummernportabilität könnte zu mehr Beschwerden führen.

Lösung

Zwei Drittel aller bei der RTR eingebrachten Beschwerdefälle werden in der Regel außergerichtlich gelöst und enden mit einer Einigung. Im Schnitt dauert ein Schlichtungsverfahren nur mehrere Wochen, einzelne kompliziertere Fälle auch ein halbes Jahr. (APA)

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