Die Tintenfisch-Maschine

  • Forscher arbeiten an einem weichen und flexiblen Roboter mit dynamischer Farbgebung.
    foto: morin, harvard university

    Forscher arbeiten an einem weichen und flexiblen Roboter mit dynamischer Farbgebung.

  • Der Roboter in Aktion (Quelle: Youtube)

Biochemiker entwickeln einen weichtierartigen Roboter, der seine Farbe anpasst - Erfindung als Testfeld für Evolutionstheorien

Cambridge - Seit Leonardo da Vinci eine Maschine konstruierte, die den Flügelschlag der Vögel imitierte, ist das Prinzip des Lernens von der Natur zur grundlegenden wissenschaftlichen Methodik geworden. Von selbstreinigenden Oberflächen, die sich an Lotus-Blättern orientierten, bis zu von langen Saurier-Halswirbelsäulen inspirierten Kränen ist die Bionik, die technische Umsetzung von Ideen aus der Natur, zum weiten Feld geworden.

Harvard-Biochemiker Stephen Morin und sein Team haben sich für ihre Konstruktion Tiere wie Tintenfische oder Chamäleon zum Vorbild genommen, die ihre eigene äußere Erscheinung manipulieren können. Der Roboter, an dem sie arbeiten, kopiert weiche Organismen und kann die Farbe wechseln, berichtet Science. Der vierbeinige Roboter basiert auf einer Silikonkonstruktion. Mithilfe von vier Beinen und kleinen Kanälen, durch die Luft gedrückt wird, bewegt sich das wabbelige Gerät mit etwa 40 Metern pro Stunde fort. Auch die dynamische Farbgebung der Oberfläche funktioniert mittels kleiner Kanäle, durch die Farbe oder thermische Flüssigkeiten gepumpt werden.

Wie bei den Tieren kann das Einfärben benutzt werden, um sich zu tarnen und Farbe und Muster eines Hintergrunds anzunehmen oder um aufzufallen. Eine derartige Technik könnte verwendet werden, um Tiere in freier Wildbahn unbemerkt zu beobachten. Heiße und kalte Flüssigkeiten können zu thermischer Tarnung herangezogen werden und ein Gerät im Infrastrukturbereich unsichtbar machen, fluoreszierende bringen die Struktur zum Leuchten. Die Technik könnte auch Grundlage für Rettungsroboter sein, die sich von ihrer Umgebung abheben müssen. Die Erfindung soll zudem als Testfeld für Evolutionstheorien dienen und bei der Beantwortung der Frage helfen, warum die Tiere gerade jene erscheinungsverändernden Fähigkeiten herausgebildet haben, sagt Morin. (pum/DER STANDARD, 17.8.2012)

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