Griechischer Füllhornpolitiker empört das Volk

Vyron Polydoras war Parlamentspräsident für einen Tag

Beim Thema Leistung und Gerechtigkeit kann Vyron Polydoras mitreden. Schließlich hat der griechische Politiker eines der drei Dutzend Bücher, die er bisher in der Freizeit verfasste, seinen Betrachtungen "Über die Meritokratie" gewidmet.

Dass der 65-jährige Abgeordnete der konservativen Regierungspartei Nea Dimokratia nun wegen Bonus-Entscheidungen und Vetternwirtschaft selbst am Pranger steht, mag als besonders unglücklich gelten - oder als Beleg dafür, wie die Selbstbedienungsmentalität in der griechischen Politik auch in Zeiten der Finanzkrise fortdauert.

Polydoras war nach den vorgezogenen Neuwahlen vom vergangenen Mai Parlamentspräsident für genau einen Sitzungstag; die Wahlen hatten keine regierungsfähige Mehrheit erbracht und wurden im Juni wiederholt. Viel Arbeit für die 1300 Mitarbeiter des griechischen Parlaments, entschied Polydoras und ordnete eine Gratifikation von 1000 Euro an sowie 300 Euro für jeden Polizisten, der im Parlament Dienst tut. Kostenpunkt für das bankrotte Griechenland: knapp zwei Millionen Euro.

Seitdem auch noch herausgekommen ist, dass Polydoras für den Kurzauftritt im hohen Staatsamt die eigene Tochter im Büro angestellt hat, ist der Mann aus Perivolia auf dem Westpeloponnes endgültig zur Skandalfigur geworden. Nur die Sitzungspause rettet bisher den großzügigen Abgeordneten. Die Zeitungen aber fordern seinen Rücktritt, im Internet läuft bereits eine Kampagne.

Die Bonuszahlungen hat der Präsident des neuen Parlaments nach den Juni-Wahlen - auch er gehört der Nea Dimokratia an - mittlerweile stoppen lassen. Polydoras habe wegen der kurzen Dauer seiner Amtszeit gar nicht das Recht gehabt, die Zahlungen zu verfügen, heißt es.

Der langjährige Abgeordnete, der seit 1981 einen Athener Wahlbezirk vertritt und 2006 kurz Minister für öffentliche Sicherheit war, versteht die Empörung nicht: Den "traditionellen" Zuschlag von 2000 Euro pro Wahl für die Parlamentsmitarbeiter habe er der Finanzlage wegen doch ohnehin gekürzt. Und Tochter Margarita habe nur eine befristete Stelle erhalten; eigentlich, so erklärte Polydoras, habe er ein Anrecht auf sechs Mitarbeiter gehabt.

So gesehen hat Polydoras dem Staat einiges erspart. Der studierte Rechtsanwalt hat noch eine Zwillingstochter und einen Sohn. Im neuen Parlament sitzt Vyron Polydoras im "Ständigen Ausschuss für Institutionen und Transparenz". Auch dort kann er nun bestens mitreden. (Markus Bernath /DER STANDARD, 17.8.2012)

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6 Postings

Typisch Politiker - Wasser predigen, Wein trinken.

Und ewig ein Dieb.

klingt ja verdächtig nach kärnten.

birnbacheridis, martinzotakis, und die gebrüder scheuchasis

Griechenland ist schon öfters untergegangen...

die grassers, strassers, meischis und haiders der griechen

"euer geld für meine leut". sinngemäß im gedanken an den führer der partei der republiksplünderer FPÖ (synonym zu FPK/BZÖ)

es ist dermassen geil. DIESE sitten sollten wir jedenfalls unterstützen.....

Anscheinend so etwas

wie ein griechischer FPÖler

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