Wenn der Ozean spricht

  • "Terra Mater - Galápagos" auf Servus TV, mehr dazu hier.
    foto: servus tv

    "Terra Mater - Galápagos" auf Servus TV, mehr dazu hier.

Mit dem allgemeinen Trend zu Doku-Fiction und Docutainment haben Erzählstimmen generell an Deutungsmacht dazugewonnen

Fernsehkonsumenten - das sind nicht nur Zuseher, sondern auch Zuhörer. Wir sehen Bud Spencer nicht nur, sondern lauschen auch begierig, wenn er sich - in deutschsprachigen Kanälen alias Wolfgang Hess - nach einer Schlägerei abkühlend in den Bart grummelt. Oder: Wir hören, wie Synchronsprecher Christian Brückner für Robert de Niro den z'wideren, in hohe Lagen kippenden Ton eines Schlitzohrs anschlägt, wenn es wieder einmal so weit ist. Dem "Dunkelgewerbe" der Sprechstimmen verdanken wir also entscheidende Erfahrungen.

Genauso charaktervoll sind heutzutage aber auch namenlose Erzählstimmen, insbesondere bei Dokumentationen. Immer mehr wird im Abspann (so es noch einen gibt) zwar auf den Ausweis der Sprecherrolle verzichtet, doch: Was wären beispielsweise Natursendungen wie Universum oder Terra Mater ohne die erdige, auf ihre eigene Art kosmisch hallende Stimme von Otto Clemens? Es ist, als würde - im Fall des Galápagos-Zweiteilers, derzeit auf Servus TV - der Ozean rund um die zweiundzwanzig Inselchen selbst zu uns sprechen.

Mit dem allgemeinen Trend zu Doku-Fiction und Docutainment haben Erzählstimmen generell an Deutungsmacht dazugewonnen. Die Stimmen sind heute mehr denn je wie gute Onkels zu uns. Sie berichten vertrauensselig von Stöberungsaktionen im nachbarschaftlichen Hausrat oder gelassen-witzig von abenteuerlichen Reisen über den Hindukusch oder eben von den Familienproblemen unter Riesenschildkröten auf Galápagos.

Letzterer wird sich Otto Clemens am nächsten Mittwochabend erneut annehmen. Wir hören den Pazifik schon rauschen ... (Margarete Affenzeller, DER STANDARD, 17.8.2012)

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