"Puppeteer" wird Spielern den Kopf verdrehen

17. August 2012, 08:56
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Das verrückte Jump'n'Run ist eine der vielversprechendsten Überraschungen der Gamescom.

Dass die Technologie hinter Videospielen immer fortschrittlicher wird, hat viele Vorteile. So lassen sich immer realistischere Welten erschaffen und Illusionen erzeugen, die so glaubhaft sind, dass man sich in ihnen verliert. Je detaillierter eine Vision umgesetzt wird, desto weniger Raum lässt sie allerdings für die Fantasie des Spielers. Genau diesem Problem hat sich Gavin Moore von Sonys Japan Studio mit seinem jüngsten Projekt "Puppeteer" angenommen. Anstelle jedoch die Fantasie der Betrachter durch den Minimalismus eines Textadventures zu beflügeln, haben sich er und sein Team von 70 Entwicklern vorgenommen, die Vorstellungskraft mit den endlosen Möglichkeiten eines virtuellen Schauspiels zu inspirieren.

Puppentheater

In "Puppeteer" schlüpft man in die Rolle eines kleinen jungen, der wie viele Kinder vom bösen Moon Bear King entführt und enthauptet wurde. Kopflos steckt man nun im Körper einer Holzpuppe und muss versuchen den Fängen des Monsters zu entkommen und nach Hause zu finden.

Moore, der zuvor unter anderem an seriöseren Titeln wie "The Getaway" gearbeitet hat, fand die Inspiration für sein Werk im japanischen Puppentheater. Das besondere an diesen Vorführungen: Die Kulisse ändert sich laufend, um so das Geschehen nicht unterbrechen zu müssen.

Jump'n'Run der unendlichen Möglichkeiten

Als klassisches 2D-Jump'n'Run konzipiert spielt man Szene für Szene im Rahmen eines Theaters. Hat man eine Herausforderung gemeistert, klappt, rollt, rotiert oder bricht ein neuer Schauplatz ins Bild. Das geschieht mit einer Finesse und Natürlichkeit, dass man zunächst überwältigt ist vom Animationsaufwand. Und tatsächlich: Die gesamte Welt ändert sich hier im Sekunden oder Minutentakt. Immer wieder aufs Neue.

Die optische Überflutung verkraftet, freundet man sich mit der makaber charmanten Eigenschaft des Protagonisten an. Da er keinen Kopf hat, ist man ständig auf der Suche, nach einem neuen Haupt und damit nach weiteren Leben und Fähigkeiten.

Mit Köpfchen

So lange man einen Kopf hat, ist man am Leben. Doch egal ob, Burger-Kopf oder Spinnen-Haupt - es sind ihre Eigenschaften, die sie zum Sammelgegenstand Nummer eins im Spiel machen. Sie schalten Bonuslevel frei und ermöglichen erst das Vorankommen in neue Ebenen. Moore, der nicht auf Spezifika eingehen durfte, verspricht hunderte Szenen und ebenso viele Köpfe und Gegner, die die vielen Wendungen der Story bedingen. Schlussendlich ginge es darum herauszufinden, wer tatsächlich die Stricke in der Hand hält.

Die zahlreichen Geschicklichkeitsrätseln müssen mitunter mit Hilfe von besonderen Gegenständen gelöst werden. Anfangs erhält man etwa eine riesige Schere, die Gegner wie Netze durchschneidet.

Mit Publikum

Seit drei Jahren ist "Puppeteer" in Entwicklung und Moore hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Sinne seiner Spieler konsequent zu verdrehen. Er wolle ein Spiel erschaffen, das seinen achtjährigen Sohn im gleichen Maße begeistern wie ihn als Erwachsenen selbst, weshalb die Dialoge auch vor Zweideutigkeiten und schwarzem Humor nicht zurückschrecken.

Zu Mehrspielermodi und weiteren Features durfte noch nichts verraten werden, doch der soziale Aspekt sei dem Team besonders wichtig. So wurde dem Theater ein virtuelles Publikum vorgesetzt, das die Akteure bejubelt und Wendungen wie Errungenschaften kommentiert.

Kein kleines Unterfangen

Überraschend ist übrigens auch der Umfang des Projekts. Was vom kreativen Konzept wie ein Indie-Game anmutet, ist laut Moore ein voll ausgewachsenes Blu-ray-Spiel mit genug Inhalten für dutzende Stunden. Was "Puppeteer" noch für Überraschungen zu bieten hat, wird man spätestens zum Erscheinungstermin im Laufe des nächsten Jahres herausfinden. (Zsolt Wilhelm aus Köln, derStandard.at, 17.8.2012)

  • "Puppeteer" erscheint 2013 für PS3.
    foto: sony

    "Puppeteer" erscheint 2013 für PS3.

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