RTL: Mit Kindern, Köchen, Promis Quote halten

16. August 2012, 16:19

Sender will mit Real-Life-Formaten und Showkonzepten Marktführerschaft sichern - Geschäftsführerin Schäferkordt: Ausbau aber unwahrscheinlich

Wien/Köln - Halten, nicht steigern - so lässt sich knapp die Zukunftsplanung des deutschen Fernsehmarktführers RTL beschreiben. Man gehe davon aus, dass es gelinge, die relativ hohen Marktanteile zu stabilisieren, ein Ausbau sei hingegen unrealistisch, machte RTL-Geschäftsführerin Anke Schäferkordt am Donnerstag bei der Programmpräsentation des Senders in Köln klar: "Wir wollen unsere Marktführerschaft halten - mit einem deutlichen Abstand zu unseren Wettbewerbern."

"Wir sehen, dass die zehn großen Sender in den ersten sieben Monaten des Jahres Marktanteile verloren haben - trotz der großen Sportevents", betonte Schäferkordt. In den ersten sieben Monaten liege RTL in Deutschland mit 16,5 Prozent zwar auf dem Level von 2009 - damit aber unter den beiden vergangenen Rekordjahren. Der Grund sei nicht zuletzt die Fragmentierung dank der Digitalisierung: "Es fragmentiert sich die Senderlandschaft - und es fragmentieren sich auch die Marktanteile."

 Männerhoffnungen ruhen auf Neugründung RTL Nitro

Große Hoffnung setze man da in die Neugründung RTL Nitro, die am 1. April gelaufen ist und in Österreich via Satellit und in einigen Kabelnetzen zu empfangen ist. "Wenn der Markt sich fragmentiert, fragmentier dich selber", nannte Schäferkordt als Motto. Ein Schwerpunkt von Nitro liege dabei auf den männlichen Zuschauern zwischen 20 und 59 Jahren, die man vor allem mit US-Formaten zu gewinnen hoffe. "Wir haben RTL Nitro als langfristiges Projekt bei uns in der Sendergruppe konzipiert", unterstrich die RTL-Chefin. Die erhofften Marktanteile habe man jedenfalls schnell erreicht. "Wir sind breit und so soll RTL Nitro auch sein", umriss Bereichsleiter Oliver Schablitzki das Konzept. Dazu sind nicht zuletzt Serienneustarts von US-Erfolgsformaten wie "Raising Hope", "Covert Affairs", "Breakout Kings" und "Alcatraz" von den "Lost"-Machern angesetzt.

Elf Real Life-Formate

Aber auch beim Flaggschiff RTL setzt man auf die kommende Saison. So habe man im Wissen, dass manche Formate ihre Sättigung erreichen, seit zwei Jahren in Innovationen investiert, deren Umsetzung man nun zeigen könne, so Schäferkordt. Zentraler Punkt im Programm bleibt dabei der Bereich Real Life. Hier hat der Kölner Sender geschlagene elf Formate im Köcher. "Rach deckt auf - Was wird uns hier aufgetischt?" schickt etwa Sternekoch Christian Rach ins Rennen. "Ärztepfusch? Dr. Gardain klärt auf", verfolgt Fälle möglicher Kunstfehler. Bei "Der VIP Bus" schickt man prominente Paare auf eine Pauschalreise, während bei "Secret Millionaire" ein Reicher eine Woche inkognito in einem armen Stadtviertel verbringen wird. In die ähnliche Kerbe schlägt "Promi Undercover", bei der mit versteckter Kamera bekannte Menschen einen Beruf ausüben, von dem sie keine Ahnung haben.

Neue Showkonzepte

Daneben vereinen fünf Showkonzepte ein breites Spektrum. "Born to shine" zeigt Kinder mit besonderem Talent, die dieses an Prominente weiterzugeben versuchen. Ebenfalls Menschen mit außergewöhnlicher Begabung kommen in "Unschlagbar" zum Einsatz, wenn sie sich gegen Kontrahenten beweisen müssen. "Total Blackout" zeigt Stars, die in völliger Dunkelheit Aufgaben lösen müssen. Das Romantikformat "Traumhochzeit" erlebt eine Wiederauflage und auch "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" schickt erneut Fernsehgesichter in den Dschungel. Nicht zuletzt setzt man bekanntermaßen große Hoffnungen in den Einzug von Thomas Gottschalk in die Jury neben Dieter Bohlen bei der am 15. September startenden neuen Staffel von "Das Supertalent".

Im Bereich der eigenproduzierten Serien soll nach erfolgreichem Pilotauftakt "IK1 - Touristen in Gefahr" ebenso die Zuschauer locken wie eine neue Staffel des Comedyformats "Der Lehrer". Eine internationale Koproduktion stellt "Transporter" nach der erfolgreichen Filmreihe von Luc Besson dar, der bei der TV-Ausgabe als Executive Producer fungiert. Bei den Spielfilmen will man punkten mit "Die Jagd nach dem Bernsteinzimmer" (u.a. mit Kai Wiesinger und Bettina Zimmermann) respektive "Helden" (u.a. mit Christiane Paul und Armin Rohde), wobei letzterer für Herbst 2013 angesetzt ist. Bei der acht Mio. Euro teuren Produktion soll ein Teilchenbeschleuniger eine Katastrophe auslösen.

Sitcoms

Den Humor will man mit zwei Sitcoms in Eigenproduktion bedienen. Hier wird Diana Amft - ebenso wie demnächst in "Frisch gepresst" im Kino - eine Mittdreißigerin auf Männerjagd spielen, wobei der derzeitige Arbeitstitel "Die neuen Abenteuer der alten Christine" lautet. Ebenfalls Männer- und Frauenkalamitäten werden in der zweiten Sitcom "Sekretärinnen - Überleben von neun bis fünf" mit Jochen Horst und Ellenie Salvo Gonzalez komödiantisch aufs Korn genommen. Die Komik soll auch Comedien Bülent Ceylan mit seinem neuen Programm "Wilde Kreatürken" bedienen, was auch für die neue Sketch-Comedy "In jeder Beziehung" gilt.

Neuauflage von "Dallas"

Die US-Serien sind mit zwei Neustarts vertreten. Zum einen kehrt Kultbösewicht J.R. Ewing (Larry Hagman) in der Neuauflage des Klassikers "Dallas" auf den Bildschirm zurück. Zum anderen will man mit "Person of Interest" Krimifans bedienen. Und zuletzt wird sich im Reportagebereich Aushängeschild Peter Kloeppel auf die Suche nach den Armen und den Reichen Deutschlands machen. (APA, 16.8.2012)

Kommentar posten
14 Postings

Genial: Noch mehr Scripted reality, noch mehr schlechte Laienschauspieler, noch mehr "Kevin, diese Szene erfordert jetzt einen anderen Gesichtsausdruck".
Auf die Sitcoms mit überwältigendem Deutsch-TVhumor freu ich mich auch schon.

beim konsum von rtl und rtl 2 kann man richtig spüren wie einem die gehirnzellen absterben - erfüllt mmn. schon den tatbestand der vorsetzlichen körperverletzung....

Verleser des Tages: Geschäftsführerin Schäferkot.

da es bei uns am Land kein Kabel in den 80ern gab hat mein Vater eine 1989 eine Sat-Anlage installiert. RTLplus, Sat1, Pro7, Tele5, 1Plus, N3, Super Ch. und der englische MTV. Eine geniale Vielfalt. RTLplus & Sat1 waren damals noch sehbar (Der heiße Stuhl, Dall-as dann RTL Samstag Nacht). Pro7 war ein genialer Spielfilmsender und Tel5 hatte gutes Kinderprogramm bzw. auch recht gute Filme. Heute sind diese Sender inkl. ihren Ablegern allesamt nicht mehr sehbar. Ohne ARD/ZDF/ORFIII/Servus/3SAT den D ÖR Digitalkanälen würde fernsehen heute keinen Spaß mehr machen.

Lt. Goldbach Media Analyse Schweiz, war RTL im Jahr 2011 Marktführer unter den TV Sendern in der Schweiz und hängte damit den Staatssender SF 1 ab.

ProSieben verdrängte SF 2 vom dritten Platz.

Bedenklich oder nicht.

Der Bericht von der letzten Gamescom war der Hammer.

Dass diesen Schrott von einem Sender überhaupt noch jemand kuckt kann ich mir nur damit erklären, dass eine Erschreckend grosse Anzahl von Hirntoten gibt.

Dieses Jahr posten dafür Leute Facebookfotos, wo sie gerade an den RTL-Sendewagen pissen.

Ihren Orthographiekenntnissen nach zu urteilen, müssten Sie eigentlich zu deren Zielgruppe gehören.

RTL ist das letzte!

diese laufende bloßstellung von geistig unterbelichteten leuten ist zum kotzen!

ich sehe kein rtl...

... aber ich finde es lustig, dass die diese "deckt auf- formate" ganz ungeniert "real life" nennen dürfen, wo man doch schon lange weiß, dass hier mit vorgeschriebenen dialogen und drehbüchern gearbeitet wird.
und wer's tatsächlich immer noch nicht wahrhaben will:
http://fernsehkritik.tv

RTL und deren "Mitberwerber im Markt" leben zum größten Teil von den Werbeeinblendungen die unglücklicherweise vom eigentlichen Programm unterbrochen werden. Die Berichterstattung dieser Sender ist meiner Meinung nach nicht die Allerbeste da immer auf Show und immer wieder weitermelden ausgerichtet wird. Lang lebe die DVD oder Blue Ray, die öffentlich rechtlichen die ein Programm nicht wegen Werbung unterbrechen dürfen und die es mir ermöglichen, dass ich nicht immer verzweifelterweise das Programm wechseln muss nur weil ich keine Werbung sehen will.

Würde ich raten, finden in "Unschlagbar" ungefähr drei Wettbewerbe pro Sendung statt, mit Titelverteidigungsmöglichkeit in nachfolgenden Sendungen, produziert in einem kleinen Billigstudio mit ein paar Dutzend Zuschauer.

Wie hieß die Sendung damals nochmal?

"zwei Sitcoms in Eigenproduktion"

"wobei der derzeitige Arbeitstitel 'Die neuen Abenteuer der alten Christine' lautet."

http://de.wikipedia.org/wiki/The_... _Christine

Soviel Sarkasmus hätte ich der APA nicht zugetraut.

Ich finde es gut, dass der Standard darüber berichtet.

So weiß man gleich wohin die Reise in der Kreativabteilung des ORF geht und braucht sich nicht erst bei Veröffentlichung der "brandneuen und innovativen" Showkonzepte ärgern.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.