Kahn: "Bundestrainer muss sich langsam mal Gedanken machen"

Ex-Goalie und ZDF-Experte sieht die deutsche Nationalmannschaft zu offensiv agieren

Frankfurt/Main  - Nach einem unglücklichen Spielverlauf ist Deutschlands Generalprobe vor dem Startschuss in die WM-Qualifikation gründlich danebengegangen. Österreichs Gruppengegner und erster Kontrahent im Rennen um das Ticket für Brasilien 2014 erlebte am Mittwoch in Frankfurt/Main ein Spiel zum Vergessen. Gegen den zweifachen Weltmeister Argentinien um Superstar Lionel Messi ging die DFB-Auswahl im Neustart nach dem EM-Aus als 1:3-Verlierer vom Spielfeld.

Nach Deutschlands Pleite war ein Einordnen der Leistung schwierig. Selbst die deutschen Fans reagierten auf die Niederlage gegen die Argentinier, die man bei der WM 2010 noch mit 4:0 abgefertigt hatte, nicht mit Pfiffen, sondern aufmunterndem Beifall. "Es ist schwer, es auf den Punkt zu bringen, was alles passiert ist in diesem Spiel", meinte Bundestrainer Joachim Löw: "Der Spielverlauf war einfach gegen uns." 

Kahn kritisch

Die nach dem Out im EM-Halbfinale gegen Italien aufgekommene Kritik an der Marschrichtung von Löw wird trotzdem nicht verstummen. Bereits kurz nach Schlusspfiff brachte Ex-Teamtorhüter Oliver Kahn eine neue Debatte ins Rollen. "Was sich in den letzten Monaten gezeigt hat, ist, dass die Mannschaft im Defensivbereich große Probleme hat. Der Bundestrainer muss sich da schon langsam mal Gedanken machen", sparte der nunmehrige ZDF-Experte nicht mit Kritik an der oft Schwächen zeigenden Abwehr (Video). Kahn sieht auch Sami Khedira viel zu offensiv agieren.

"Es ist ja alles schön und gut mit Spielphilosophie und Offensive. Grundsätzlich sind es aber zu viele Torchancen, die der Gegner hat. Man kann doch als Spieler nicht immer zufrieden sein. Gegen die Italiener blutleer verloren, heute kriegt man wieder drei Stück. Mich würde das ärgern", führte Kahn weiter aus. Löw ließ die meisten Sätze unkommentiert. "Ich teile seine Meinung nur bedingt", sagte er. "Ich kann keinem Spieler einen Vorwurf machen, dass er nicht alles gegeben hat."

"Es kam alles zusammen heute"

Verteidiger Mats Hummels musste sich nach einem Zusammenprall früh mit einer Halswirbel-Verrenkung auswechseln lassen. Dann flog Torhüter Ron-Robert Zieler nach einer halben Stunde aufgrund einer Notbremse mit der Roten Karte vom Platz. Und zur Krönung der ersten Spielhälfte traf Sami Khedira mit einem verunglückten Befreiungsschlag ins eigene Tor. "Das war kurios. Es kam alles zusammen heute", meinte Stürmer Miroslav Klose, der mit Abstand älteste Profi im DFB-Team.

Deutschland konnten sich danach nicht richtig aufbäumen, die Niederlage nahm bedrohliche Formen an. Der per Foul-Elfmeter in der ersten Spielhälfte noch gescheiterte Messi (52.) und Angel di Maria (73.) schlugen zu, Benedikt Höwedes (81.) markierte den deutschen Ehrentreffer. Deutschlands Spieler hakten die Partie als unglücklich verlaufen ab. "Nach der Roten Karte mussten wir uns erst finden. Das Ergebnis ist letztlich verdient. Es geht weiter", sagte Khedira. Aktivposten Marco Reus erklärte: "Es war ein unglücklicher Abend. Wir haben gezeigt, dass wir gegen Argentinien schon mitspielen können."

"Die Qualifikation ist ein anderer Wettbewerb"

Zum Startschuss der WM-Qualifikation am 7. September werde mit den Färöer ein ganz anderer Gegner warten, meinte der Bundestrainer. "Die Qualifikation ist ein anderer Wettbewerb. Und wir haben eine andere Situation, weil die Spieler dann schon zwei, drei Pflichtspiele gemacht haben", sagte Löw, der gegen die Inselkicker sowie vier Tage später in Wien gegen Österreich auch wieder etablierte Kräfte wie Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger oder Manuel Neuer zur Verfügung hat. Der Test gegen Argentinien offenbare Ansatzpunkte für die weitere Arbeit mit seinem Team.(APA; 16.8.2012)

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Da hat Kahn recht. Löw redet die Mannschaft nur stark.

Den bisherigen guten Taten müssen weitere Taten folgen und nicht Gesundbeten.

ich bin mittlerweile auch schon längst überzeugt, dass ein richtiges trainerkaliber, der ähnlich viel zeit wie löw bekommen hätte, mit dieser mannschaft wahrscheinlich schon viel mehr erreicht hätte.
derzeit verfügen die deutschen über spieler, wo man realistisch mehr erwarten darf als löw bisher erreicht hat.
früher war die erwartungshaltung der deutschen mit ihrer mannschaft auch anders, man wusste, dass sie nicht zum konzert der ganz grossen zählten. mittlerweile wurden die deutschen aber schon als die absoluten favoriten gehandelt, viele sahen sie schon vor den spaniern.
unter löw wird - so vermute ich - die mannschaft trotz wahnsinnsspielergeneration keinen titel holen.

Ja aber...

"Bild" hat Berti rausgeschrieben. Und der Pöbel folgte.
Er war übrigens der letzte der einen Titel gewann. Aber Bild (Krone) haben immer recht. Sie sind die Mehrheit und ich lach nur drüber.

Vollste Zustimmung Olli

im Defensivbereich hat der Jogi so seine Schwaechen als Taktikfuchs. Im Gegensatz zum Loew, bei aller Wertschaetzung seiner Kompetenz als Trainer (!), weiss der Olli Kahn wie der Erfolg auf Platz Eins schmeckt! Selbst ein Beckenbauer setzte 1990 auf eine solide Abwehr als Grundgeruest zum Erfolg. Gar keine Frage! Das ist ja gerade auch das Rezept der Spanier! Konsequentes Abwehrverhalten aller Spieler bei Ballverlust. Mourinhos Taktik bei Inter war sehr aehnlich. Da musste sogar ein Sammy Eto' o massiv fuer die Defensive arbeiten. da haperts beim Loew, der ansonsten eine tolle Arbeit macht als Trainer.

"Ich würde mich ärgern...". Das ist Blabla eines egozentrikers. Löw hat im großen und ganzen wunder gewirkt für das deutsche team.

Kahn hat weitenteils Recht...

..Löw ist und bleibt ein Softie der eine Mannschaft nicht mitreissen kann; die Mannschaft entwickelt sich seit der WM zurück, wirkt verunsichert und ist mittlerweile sogar für die Ösis in Reichweite (nachdem diese in D ausgebildet wurden).

Löw hat nicht unrecht, wenn er seine Spieler verteidigt und sagt, dass jeder alles gegeben hätte. Das hat Kahn auch nicht kritisiert.
Die Kritik Kahns richtete sich nicht an die Spieler sondern an den/die Trainer: Man glaubt durch die Leistungen und Qualität der Spieler alle anderen Mannschaften niederringen zu können, ohne das System nur im geringsten an den Gegner anpassen zu müssen - das ist zwar kräftezehrend für die eigene Mannschaft und sicherlich nicht sehr effizient, funktioniert - eben wegen der überragenden Qualitäten der dt. Spieler - gegen mind. 90% der Gegner. Bin der Überzeugung, dass bei einem Finale D:ESP D. als Sieger vom Platz gegangen wäre, weil das System auf ESP getrimmt ist ...

1.) die berühmte "was wäre gewesen, wenn..."

frage ist historisch gesehen absolut unnötig,
2.) DE hat gegen ITA verloren und durfte somit nicht gegen spanien spielen, oder: Ö hat in der quali nicht ausreichend punkte gesammelt und durfte vorm fernseher sitzen.

Deutschland hätte gegen Spanien nicht den Hauch einer Chance gehabt.

Wenn Löw die Deutschen gegen Spanien

mit einem 3-3-3-1-System spielen lässt, schaut es imo gar nicht so schlecht aus;-))

glaube ich eben nicht

GER ist im Moment wohl die einzige Mannschaft, der ich im direkten Duell mit Spanien alles zutrauen wuerde! wenn, der Loew sich mehr mit der Defensive seiner Mannschaft beschaeftigt, wo sie manchmal grosse Schwaechen zeigen (ITA, ARG)

Ach Kinders, halten wir nüchtern fest.
In den olympischen Kernsportarten (Ringen, Gewichtheben, Schießen) sind wir nicht mehr konkurrenzfähig, traurig und bedauerlich aber wahr, jedoch im Fußball können wir sorgenfrei, ja, fast beschwingt in die Zukunft schauen. Um einen Reus oder Götze beneidet uns die Welt. So siehts aus, Ihr unverbesserlichen Bedenkenträger.

was heißt hier hätte?
Spanien wird die nächsten Hundert Jahre kein Spiel gegen D verlieren.

hundert Jahre sind im Fußball oft schnell rum!

Gegen Italien, die ihr Spielsystem sehr schnell zu variieren in der Lage sind/waren tut man sich natürlich besonders schwer.
Dass man (als Trainer) mit einem Mann weniger gegen ARG nicht von seinem Offensiv-Dogma abweicht ist schon sehr fragwürdig.

das hat man ja sehr Eindrucksvoll gegen Spanien und heuer gegen England gesehen.
Italien hat genauso eine schwache Mannschaft wie die Deutschen.

Problem der Deutschen ist, jeder fordert Titel nur das man dazu auch Weltklasse Spieler braucht scheinen dabei alle zu vergessen.
Ok, Griechenland hats bei ner EM auch ohne geschafft, nur passiert sowas halt einmal alle Heiligen Zeiten.

Deutschland hat mehr als genug Weltklassespieler, nur die haben andere Länder eben auch.

mehr als genug? die paar (lahm, schweinsteiger, gomez, mit abstrichen özil, khedira) sind allesamt nicht in form oder müde gespielt von den anstrengenden liga spielen.
der rest sind bestenfalls (für deutsche verhältnisse) junge talente, die noch weltklassespieler werden können wie zB reus, götze.
podolskys und kloses zeit scheint vorbei.

Klassespieler? Hat D mehr als genug, keine Frage
Weltklassespieler? Die müssen Sie mir bitte aufzählen, da bin ich jetzt gespannt welche Namen außer Neuer und Özil noch fallen werden

Schweinsteiger (auch wenn er gerade nicht in Form ist), Khedira, Götze..

Khedira glaubt, dass er Weltklasse ist. Ist er aber nicht. Seit neustem denkt er, dass er offensiver playmaker ist, sowas ist lächerlich.

Schweinstegier hatte genau EINE einzige Saison (09/10 inkl. WM) in der er sich das Prädikat "Weltklasse" wirklich verdient hat

Lahm, Reus, mit Abstrichen Podolski, Klose u.v.m. nur weil es in Deutschland nicht üblich ist 92 - 100 mio Euro für einen Spieler auszugeben bedeutet das noch nicht das diese weniger Wert wären oder keine Weltstars wären. Und glauben sie mir die meisten deutschen Nationalspieler sind Weltweit bekannt und durch so etwas definiert sich doch ein Weltstar, oder etwa nicht?

Weltklassespieler?

Götze Reus Schweini wenn er mal wieder in die Gänge kommt

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