Salzburgs Firmen jammern, Stadtrat kontert

16. August 2012, 18:02
  • Getreidegasse
    foto: apa/fohringer helmut

    Getreidegasse

Der Umsatz sei um ein Drittel zurückgegangen, sagen die Unternehmer. Planungsstadtrat will nachprüfen

Salzburg - Eine verheerende Bilanz über die am Freitag auslaufende fünfwöchige Innenstadtsperre in der Stadt Salzburg hat am Donnerstag der ÖVP-Wirtschaftsbund gezogen. Mehr als jeder zweite Unternehmer in der Altstadt oder in deren Randbereich beklagt Umsatzeinbußen, die im Schnitt mit einem Drittel beziffert werden. Da der Sommer traditionell die umsatzstärkste Zeit sei, wirke sich der Rückgang umso schwerer aus, hieß es bei einem Pressegespräch.

Die heftige Kritik seitens des Wirtschaftsbundes an der "Mittagsregelung" will Verkehrs- und Planungsstadtrat Johann Padutsch (Bürgerliste) nicht auf sich sitzen lassen. "Es wird sich erst zeigen, ob die konkreten Zahlen - Kommunalsteuer/Umsatzsteuer - das bestätigen, was behauptet wird. Ich habe das Gefühl, da wird viel Schindluder getrieben. Was soll der Wirtschaftsbund, als Hauptgegner der Regelung, auch anders behaupten."

Schlechte Noten

339 Unternehmer beantworteten im persönlichen Gespräch die Fragen, damit habe man 75 bis 80 Prozent aller Händler und Gastronomen auch erreicht, sagte Peter Harlander, Landesvorsitzender des Jungen Wirtschaftsbundes. Nur 15 gaben dem "Sommer-Verkehrsmanagement" die Schulnoten 1 und 2, während knappe 60 Prozent ein glattes "Nicht genügend" verteilten. Der Notenschnitt lag bei "Genügend". Eine Wiederholung der Innenstadtsperre ist gerade für jeden Zwölften eine sinnvolle Lösung, 92 Prozent lehnen dies ab. Über eine positive Umsatzentwicklung konnten ganze sechs Befragte berichten, während 42 Prozent keine Änderung spürten und 57 Prozent über Rückgänge klagten.

Auf die Frage, wie hoch diese ausfielen, gaben nur 98 Unternehmer eine Antwort: durchschnittlich 37 Prozent. "Wenn wir jetzt keine Umsätze machen, wie sollen wir dann unsere Mitarbeiter durch die umsatzschwachen Monate wie Jänner oder Februar bringen", meinte Sternbräu-Wirt Harald Kratzer. Getroffen hat es seinen Angaben zufolge besonders die Kaufleute im höherpreisigen Segment. So habe beispielsweise ein Modehaus bereits Kündigungen angekündigt, andere hätten laut über eine Sortiment-Umstellung in Richtung billiges Touristen-Segment nachgedacht.

Ruf nach anderen Lösungen

Harlander stellte aber klar, dass die Wirtschaft unbedingt neue Verkehrslösungen für die Stadt wünscht: Zwei Drittel der Befragten hätten dies unterstrichen, wobei sie sich vor allem für einen Ausbau der Park-and-Ride-Plätze und Shuttlebusse, weitere Parkgaragen in den Stadtbergen und ein funktionierendes und ausgebautes Parkleitsystem aussprachen.

In den nächsten Wochen startet ein Diskussionsprozess "in großer Runde samt Einbeziehung des Regionalverkehrs", antwortet Stadtrat Padutsch. Bis zum Herbst wolle seine Abteilung einen Evaluierungsbericht vorlegen und dann die nächsten Schritte setzen, sagte Padutsch. "Ich bin auch schon sehr neugierig auf die Vorschläge, die von mehreren Seiten angekündigt wurden. Wir werden sehen, ob sich unser Ziel, nämlich maximale Erreichbarkeit der Altstadt, aber keine Durchfahrt, hier wiederfindet." Bereits im Frühjahr 2013 wolle er eine Lösung haben, die dann möglichst das ganze Jahr gelte, kündigte der Stadtrat an. (APA, 16.8.2012)

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8 Postings
Dass das Zentrum Salzburgs ...

... (nicht nur im Sommer) im Verkehr erstickt, ist nichts Neues. Aber aus einer (zugegebenermaßen unglücklich kommunizierten) 4h-Sperre des Hanuschplatzes f.d. Indiviualverkehr (zw. 10.7. und 17.8) den Untergang des Unternehmertums in der Altstadt zu konstruieren ist schon ein bisserl weit hergeholt. Die Umsatzprobleme sind vl. auch mit anderen Faktoren (z.B. Attraktivität) begründbar. (Die können sich z.B. nicht einmal darauf einigen, dass alle Geschäfte am Sa Nachm. geöffnet sind und beschweren sich über den Kaufkraftabfluss an die EKZ). Ich fürchte, der WB hat seiner Klientel hier keinen guten Dienst erwiesen. Manche SalzburgerInnen sind auch deswegen nicht gekommen, weil die Aktionen vom WB tw. wirklich sehr geschmacklos waren ...

Wundert mich nicht, bei dem Angebot

Und warum sollen H&M, Douglas, Marionnaud, Nordsee und wie sie alle heissen Salzburger Firmen sein?

In die Innenstadt gehören selbstständige Schmiede, Sattler, Tischler, Künstler, Greißler, Schneider usw.
Zuliefern und ausliefern können die Fiaker. Und wegen der Äpfeln, eine Rosenzucht am Residenzplatz...

Nicht zu vergessen, dass viele Gebäude in der Altstadt

irgendwelchen institutionellen Anlegern gehören.

Diese haben natürlich entsprechende Renditeerwartungen bei den Vermietungen.

Und diese Renditeerwartungen können nur Läden mit hohen Umsätzen erfüllen. Die kommen dann mit jedem Prozent weniger Umsatz in Schwierigkeiten.

Salzburgs Firmen litten unter Altstadtsperre

ja natürlich....
früher konnten die kunden ja mit dem auto bis dirtekt vor´s geschäft fahren.....

und jetzt wird mit kündigungen des personals gedroht - logisch.

herr kratzer: WER ist früher mit dem auto ins sternbräu gekommen ???
wollen sie alle für dumm verkaufen ?

Der grüne Planungsstadtrat ist schon lange ein rotes Tuch für die Schwarzen...

da wird mit allen Mitteln gekämpft.

Daß die großen EKZ auf den Walser Wiesen möglicherweise auch etwas an der Misere beteiligt sein könnten, ist reine Spekulation...

wär bei der mariaHü genauso.

stimmt, auch dort behaupten övp-nahe organisationen jetzt schon fälschlicherweise die straße gehe zugrunde, wenn der MIV ausgesperrt würde.

fragen wir bei der mahü nach, wie die umsätze diesen sommer waren.

ebenfalls ein einbruch aufgrund der geldkrise?

sollens eine erlaubnis für volle autos verteilen. statt einem einzelnen einkäufer pro autos sollen sich alle shopper ein auto teilen.

finanziert wird der notwendige kontrolleur durch eine zufahrtsgebühr.

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