Salzburgs Firmen jammern, Stadtrat kontert

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    foto: apa/fohringer helmut

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Der Umsatz sei um ein Drittel zurückgegangen, sagen die Unternehmer. Planungsstadtrat will nachprüfen

Salzburg - Eine verheerende Bilanz über die am Freitag auslaufende fünfwöchige Innenstadtsperre in der Stadt Salzburg hat am Donnerstag der ÖVP-Wirtschaftsbund gezogen. Mehr als jeder zweite Unternehmer in der Altstadt oder in deren Randbereich beklagt Umsatzeinbußen, die im Schnitt mit einem Drittel beziffert werden. Da der Sommer traditionell die umsatzstärkste Zeit sei, wirke sich der Rückgang umso schwerer aus, hieß es bei einem Pressegespräch.

Die heftige Kritik seitens des Wirtschaftsbundes an der "Mittagsregelung" will Verkehrs- und Planungsstadtrat Johann Padutsch (Bürgerliste) nicht auf sich sitzen lassen. "Es wird sich erst zeigen, ob die konkreten Zahlen - Kommunalsteuer/Umsatzsteuer - das bestätigen, was behauptet wird. Ich habe das Gefühl, da wird viel Schindluder getrieben. Was soll der Wirtschaftsbund, als Hauptgegner der Regelung, auch anders behaupten."

Schlechte Noten

339 Unternehmer beantworteten im persönlichen Gespräch die Fragen, damit habe man 75 bis 80 Prozent aller Händler und Gastronomen auch erreicht, sagte Peter Harlander, Landesvorsitzender des Jungen Wirtschaftsbundes. Nur 15 gaben dem "Sommer-Verkehrsmanagement" die Schulnoten 1 und 2, während knappe 60 Prozent ein glattes "Nicht genügend" verteilten. Der Notenschnitt lag bei "Genügend". Eine Wiederholung der Innenstadtsperre ist gerade für jeden Zwölften eine sinnvolle Lösung, 92 Prozent lehnen dies ab. Über eine positive Umsatzentwicklung konnten ganze sechs Befragte berichten, während 42 Prozent keine Änderung spürten und 57 Prozent über Rückgänge klagten.

Auf die Frage, wie hoch diese ausfielen, gaben nur 98 Unternehmer eine Antwort: durchschnittlich 37 Prozent. "Wenn wir jetzt keine Umsätze machen, wie sollen wir dann unsere Mitarbeiter durch die umsatzschwachen Monate wie Jänner oder Februar bringen", meinte Sternbräu-Wirt Harald Kratzer. Getroffen hat es seinen Angaben zufolge besonders die Kaufleute im höherpreisigen Segment. So habe beispielsweise ein Modehaus bereits Kündigungen angekündigt, andere hätten laut über eine Sortiment-Umstellung in Richtung billiges Touristen-Segment nachgedacht.

Ruf nach anderen Lösungen

Harlander stellte aber klar, dass die Wirtschaft unbedingt neue Verkehrslösungen für die Stadt wünscht: Zwei Drittel der Befragten hätten dies unterstrichen, wobei sie sich vor allem für einen Ausbau der Park-and-Ride-Plätze und Shuttlebusse, weitere Parkgaragen in den Stadtbergen und ein funktionierendes und ausgebautes Parkleitsystem aussprachen.

In den nächsten Wochen startet ein Diskussionsprozess "in großer Runde samt Einbeziehung des Regionalverkehrs", antwortet Stadtrat Padutsch. Bis zum Herbst wolle seine Abteilung einen Evaluierungsbericht vorlegen und dann die nächsten Schritte setzen, sagte Padutsch. "Ich bin auch schon sehr neugierig auf die Vorschläge, die von mehreren Seiten angekündigt wurden. Wir werden sehen, ob sich unser Ziel, nämlich maximale Erreichbarkeit der Altstadt, aber keine Durchfahrt, hier wiederfindet." Bereits im Frühjahr 2013 wolle er eine Lösung haben, die dann möglichst das ganze Jahr gelte, kündigte der Stadtrat an. (APA, 16.8.2012)

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