Teurere Ratings verärgern deutsche Banken

16. August 2012, 13:55

Die "intransparente Preisanhebung" sei inakzeptabel, S&P bringt Win-Win-Situation ins Treffen

Berlin - Nach der deutschen Industrie beschweren sich jetzt auch die deutschen Banken über die jüngsten Gebührenerhöhungen der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P). Die betroffenen Institute hielten diese "intransparente Preisanhebung" für inakzeptabel, heißt es in einem Reuters vorliegenden Brief der Deutschen Kreditwirtschaft an die US-Bonitätswächter.

"Bezogen auf die Preispolitik wäre eine deutlich höhere Transparenz angebracht", schreibt der Dachverband der privaten, öffentlichen und genossenschaftlichen Banken. Einen ähnlichen Brandbrief hatten vor ein paar Monaten bereits zwölf deutsche Großkonzerne, darunter Daimler und Siemens verfasst. Ihr Ton war allerdings noch schärfer.

Das Schreiben der Banken richtet sich zwar an S&P, zielt aber Finanzkreisen zufolge im Kern auf alle Ratingagenturen. "Die Preispolitik der Agenturen ist uns schon länger ein Dorn im Auge", sagte ein Banker. Wer Anleihen emittiert und dafür ein Rating erhalten möchte, wendet sich in der Regel an eine der drei großen Anbieter S&P, Moody's und Fitch. Mit einer solchen Bonitätsnote wird eine Emission einfacher. Hierfür werden dann Gebühren fällig. In jüngster Zeit gab es von S&P Preiserhöhungen, über die Banken und Industriekonzernen derzeit intensiv mit der Agentur verhandeln. Die Kreditwirtschaft beklagt in dem Brief, dass es keine übersichtliche Gebührentabelle gebe, an der man sich orientieren könne.

There is only one S&P

S&P wehrt sich gegen die Vorwürfe der Banken. "Wir glauben, dass unsere neue Gebührenordnung eine fairere und transparentere Kostenstruktur hervorbringt", erklärte die Agentur. Die Vorteile eines S&P-Ratings, sprich niedrigere Kosten einer Wertpapier-Emission, überstiegen die Gebühren um ein Vielfaches. Es liefen zudem Gespräche mit den Banken, deren Gebühren besonders stark ansteigen, um die Belastungen abzufedern. So könnten die Preise in diesen Fällen schrittweise über mehrere Jahre gestreckt angehoben werden.

Eine höhere Transparenz ist auch eins der Kernelemente der Reformvorschläge der EU-Kommission. Sie will die Macht der Ratingagenturen brechen, indem sie beispielsweise eine regelmäßige Rotation der einzelnen Anbieter bei den Unternehmen fordert. Daneben gibt es Bemühungen, eine europäische Ratingagentur aufzubauen. Experten bezweifeln jedoch, dass diese zu einer echten Alternative für die drei Großen werden kann. Hintergrund der Reformbemühungen sind Vorwürfe, die Bonitätswächter hätten die Krise mit guten Noten für komplexe Wertpapiere, die später massiv eingebrochen sind, nur befeuert. (APA, 16.8.2012)

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6 Postings

erstmal die Gesetze ändern, dass nicht mehr Ratings von S&P, Moody's und Fitsch als das einzig Wahre erachtet werden. Und siehe da... plötzlich gäbe es da eine gewisse Konkurrenz und neue Agenturen würden wesentlich leichter entstehen.

Mir sowieso ein Rätsel, wie man so dumm (verschlagen) sein kann eine private Ratingagentur für Gesetze zu verwenden.

Selber schuld, wer für den Schmarrn, den diese Agenturen verzapfen, überhaupt was zahlt.

Sie wären wahrscheinlich der Erste, der eine ungeratete Anleihe kauft, oder?

auf die Ratings kann man liebend gerne verzichten - siehe Lehmann ....

wer anleihen

kauft hat ohnedies zuviel Geld

Pech

Wohl zu wenig bezahlt?

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