So bilanzieren Balkanbanken der Hypo schwarz

Banken in Südosteuropa und Italien luden Problemfinanzierungen auf Abbauteil ab

Wien - Die seit 2009 verstaatlichte Hypo Alpe Adria Gruppe hat am Donnerstag ihre Halbjahresbilanz veröffentlicht. Dass es in den ausländischen Banken - also vor allem bei den Töchtern in Südosteuropa und Italien - unterm Strich bis Juni Gewinne gab, liegt an umfangreichen Auslagerungen von faulen Krediten und bankferneren Assets. Die Österreich-Tochter hat dank 13 Prozent weniger fauler Kredite und Auflösung von Vorsorgen für die ersten sechs Monate 2012 ein höheres Ergebnis gemeldet. Die Hypo-Gruppe unterteilt ihre Semester-Bilanz in die zum Verkauf stehenden Kernbanken (Fortbestandsgruppe) und in Abbau.

Die Balkan-Banken (SEE-Netzwerk) weisen per Ende Juni solcherart bereinigt einen Gewinn nach Steuern von 26 Mio. Euro (Vorjahr: 32,3 Mio. Euro) aus. Auch die Italien-Bank berichtet in der Hypo-International-Konzernbilanz zum Halbjahr einen Nettogewinn von 1,4 (Vorjahr: 4,2) Mio. Euro.

Die Österreich-Tochter vermeldete am Donnerstag in der Bilanz der Hypo Alpe Adria International einen Gewinn von 7,8 Mio. Euro, nach 5,6 Mio. Euro im Jahr davor. In der "International-Bilanz" ist die erst im 2. Halbjahr 2012 anstehende Abspaltung eines "Abbauteils" über rund 2 Mrd. Euro Bilanzvolumen von der Österreich-Bank schon vorweggenommen.

Ohne diese Abspaltung - also in der Österreich-Bank wie sie jetzt mit ihren derzeit 463 Mitarbeitern in Österreich da steht - wird bei einer Bilanzsumme von noch knapp 5,8 Milliarden Euro ein Nettogewinn nach Steuern nach nationaler Rechnungslegung UGB von 5,8 Mio. Euro ausgewiesen. Belastend wirkten in der Österreich-Bank dabei 3,8 Mio. Euro Kreditwertberichtungen, Bewertungen von Eventualverbindlichkeiten sowie Derivat-Rückstellungen. Mit 2,7 Mio. Euro positiv ins Gewicht fielen Aufwertungen und Verkäufe von Wertpapieren sowie ein Beteiligungsverkaufserlös von 1,5 Mio. Euro (Versicherungsdienstleister).

Laut Hypo brachte die Österreich-Bank im Halbjahr einen "prominenten Beitrag" zum Gruppenergebnis ihrer Muttergesellschaft (Hypo Alpe Adria Bank International AG).

Warten auf Käufer 

Deutlich rot bilanzierte hingegen der "Abbau-Block". Das ist zum einen die Sparte "Abbau Financials" - wo jene in- und ausländischen Leasinggesellschaften (Kroatien, Deutschland, Österreich, Ungarn, Mazedonien, Montenegro, Bulgarien, Bosnien, Serbien, Ukraine, Italien) und sonstige Finanzgesellschaften sowie Teilbereiche der inländischen Bank geparkt sind, die nicht Teil der zukünftigen "Fortbestandsgruppe" sind. Zum anderen der "Abbau Sonstige Beteiligungen".

Im "Abbau Financials" gab es per Ende Juni heuer einen Nettoverlust von 44 Mio. Euro (Vorjahr: 3,8 Mio. Euro Verlust). Im Abbau/Bankbereich belasteten Abschreibungen auf die bulgarischen und deutschen Leasingtöchter und bei der Bank in Montenegro.

Im "Abbau Sonstige Beteiligungen" gab es 9,7 Mio. Euro Verlust, nach 9,5 Mio. Euro Verlust im Jahr davor. Darin waren rund 7,5 Mio. Euro Negativeffekt aus dem geplanten Verkauf einer Industriebeteiligung, dem operativ aber wieder ein positiver Einmaleffekt gegenüberstand.

Hypo-Chef Gottwald Kranebitter schreibt im Halbjahresbericht, dass in den nunmehr zweieinhalb Jahren seit der Notverstaatlichung die Voraussetzungen dafür geschaffen worden seien, "dass der Wert der marktfähigen Banken so lange erhalten bleibt, bis der Bankenmarkt eine Veräußerung zulässt." Zur Zeit freilich sind wie bekannt die Fenster für Bankenverkäufe zu. Kranebitter hofft, dass trotz des rezessiven Umfelds auf dem Balkan für die operativen Bankeinheiten 2012 ein Rückfall in die operativen Verluste vermieden werden kann.

Die Bank strukturiert in diesen Monaten massiv um. In der 1. Hälfte 2012 seien die voriges Jahr begonnenen Vorbereitungen zur Übertragung ausgesuchter Kreditportfolien der Südosteuropa-Töchter namentlich in Kroatien und Serbien in lokale Abbaueinheiten vorangetrieben worden. Das bedeutet eine bilanzielle Ausbuchung, die die Finanzkennzahlen und Non-Performing-Loan-Quoten "normalisieren" soll, wie die Hypo erklärt.

Zwecks Vorbereitung des Verkaufs des Italiengeschäfts erfolgte bei der Bank in Udine im 1. Quartal 2012 ein Übertrag eines Kreditportfolios von 800 Mio. Euro an eine Abbaugesellschaft.

Abbauverluste schmälern Gewinne ordentlich

Neben den Banken im SEE-Netzwerk und in Italien gibt es solche entlastenden Portfolio-Bereinigungen auch für die Kärntner Bank selber. Die Österreich-Bankspaltung ist seit Freitag durchgewunken. Im IFRS-Halbjahresbericht ist dies bereits eingerechnet, nicht aber nach nationaler Bilanzierung der inländischen Bank-AG.

Die HB International wies für sich selber zum Halbjahr 21 Mio. Euro Gewinn aus, das macht laut Hypo in Summe mit dem operativen Bankteil (Töchter am Balkan, in Österreich, in Italien) zusammen rund 56 Mio. Euro Nettoergebnis. Dem standen zusammen 53,7 Mio. Euro Nettoverlust im sogenannten Abbauteil gegenüber. (APA, 16.8.2012)

Share if you care
4 Postings
Hypo versteckt Risiken auf dem Balkan

Da werden sich die Behörden in Südosteuropa aber freuen, dass sie den Müll behalten dürfen.
Interessant dass ein österreichisches Staatsunternehmen sich das erlauben darf. Welcher seriöse Prüfer testiert so was eigentlich?
Nach drei Jahren Restrukturierung ist jetzt also Risiken verstecken angesagt.
Die Holding wird jetzt also doch zur Bad Bank und übernimmt den Schrott der Kärntner Tochter. So schafft man Fakten an den Behörden vorbei und verarscht die Journalisten.

Wirlich gut ...

Ja die machen das wirklich gut mit dem Bilanzieren. Übrig bleiben wird dennoch eine großer Firmenbereich, der nun den ÖSTERREICHER + ÖSTERREICHINNE gehört ... NICHT MEHR den Kärntner Politiker die das Ding "aufgeblasen haben" (FPK, FPÖ, ÖVS, SPÖ... die Grünen hat ja nie wirklich viel zu melden) der trotz aller erblaubten Bilanzierungsmethoden noch VIEL, VIEL Geld verbrennen wird. ACH ja und für die "gute Arbeit" wird es auch sicherlich dieser (dicke) Prämien geben. Man kann ja die Vergangenheit nicht rückgängig machen ...und daher sind diese auch GERECHTFERTIGT. ;-) Und dann kommt noch das Märchen mit dem "guten Geschäft beim Verkauf". ;-)

Die Entwicklung geht schon in die richtige Richtung. Man kann so einen grossen Konzern aber auch nicht von einem Tag auf den anderen umstrukturieren - ausser, wenn man keine Rücksicht auf Kosten nimmt.

Was die Bank sehr gut gemacht hat, was in der IFRS-Bilanz nicht ersichtlich ist, sondern nur in der UGB-Bilanz, war der Rückkauf von Tier-1-Anleihen.

Das hat der Bank rund 100 Mio. Euro Gewinn (!) eingebracht, da die Anleihen mit einem deutlichen Abschlag auf den Nominalwert gekauft wurden.

Das würde sich bestimmt lohnen, im Herbst eine 'zweite Runde' zu drehen und vielleicht nochmals 10-20 Mio. Euro Gewinn zu erwirtschaften.

Das stellt sich die Frage....

... wie lange sich die Fekter noch vom Ditz und vom Kranebitter hinhalten lässt, bis sie endlich beide raushaut....

das nix weitergeht sollte mittlerweile jeder mitbekommen haben.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.