Blumen für Männer

Das Bewusstsein für das Schöne eines wohlgebundenen Straußes zu schaffen ist eine Erziehungsfrage oder: Wenn schon Grünzeug, dann nützliches

Pro: Rosen für die Herren
Von Doris Priesching

Eine der berührendsten Szenen dieser Olympischen Spiele lieferte der 34-jährige Sprinter Félix Sánchez. Der Dominikaner siegte über 400 Meter Hürden und ließ seinen Emotionen freien Lauf, die sich noch bei der Siegerehrung nicht beruhigen wollten. Sánchez heulte die Hymne durch, weil er an seine verstorbene Großmutter dachte. In den Händen, dicht an der Brust, drückte er einen Strauß mit gelben Röschen fest an sich. Niemand, bestimmt niemand würde diesem Athleten, der 400 Meter Hürden in 47,63 Sekunden läuft, Unmännlichkeit nachsagen. So macht man das.

Das Bewusstsein für das Schöne und Wunderbare eines wohlgebundenen Straußes zu schaffen ist eine Frage der Erziehung. Im Falle des ästhetikresistenten Typus Mann handelt es sich um einen langwierigen und mühseligen, aber nicht unmöglichen Prozess. Schließlich hat auch Beharrlichkeit dazu geführt, dass die entscheidende Mehrheit der Mannsbilder den Sinn regelmäßiger Körperpflege inzwischen bejaht. Also: tausend Rosen für die Herren!

Kontra: Nutzloses Chlorophyll
Von Michael Möseneder

Eine Blume ist schon in Ordnung, und man kann sich freuen über sie. Wenn es die des Weins ist. In der floralen Ausprägung schaut es schon anders aus. Dann haben die Dinger für Männer zwei grundsätzliche Funktionen: Entweder man will eine Frau. Oder man hat eine. Und etwas verbockt. Ach ja, und dann freut sich vielleicht noch die Mutter am nach ihr benannten Jubeltag. Und als Gastgeschenk kann man sie auch mitbringen - so nicht die oben erwähnte önologische beliebter ist.

Aber was bitte soll man als Mann damit anfangen? Im Gegensatz zu Krawatten kann man Blumen kaum weiterschenken. Sie stolz am Stammtisch zu präsentieren würde wohl zumindest peinlich berührtes Schweigen zur Folge haben. Und sie zu entsorgen ist - ohne sich den Zorn der Schenkerin zuzuziehen - auch nicht so einfach, solange sich noch ein Quäntchen Chlorophyll in einem Blättchen befindet. Also, werte Leserinnen: Wenn schon Grünzeugs, dann nützliches. Kräuter. Oder eine Limette für den Cocktail, nur so als Anregung. (Rondo, Der Standard, 17.08.2012)

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blumen

ich mag keine männer, die keine blumen mögen.......

"Aber was bitte soll man als Mann damit anfangen?"

Ich würde mal sagen, dasselbe, was man als Frau damit anfängt.

... warum keine blumen? sind doch schön ... obwohl, noch viel freudiger ist es, werde ich mit gras beschenkt :)

Mehr als die Hälfte des Pro-Kommentars besteht aus einem Beispiel der allerjüngsten Vergangenheit und selbst das ist noch nicht besonders glücklich gewählt. Die Sportler bekommen von einem älteren Herren bei der Siegerehrung die Medaille umgehängt und einen kleinen Strauss Blumen in die Hand gedrückt. Keine Ahnung wer sich das wann wie wo ausgedacht hat, aber da es sich um eine "offizielle, standardisierte Geste" handelt, kann man wohl kaum etwas Allgemeingültiges daraus ableiten. Auch nicht, ob der Athlet - oder auch der Schenkende - nun besonders männlich oder unmännlich ist.

Wozu Blumen?

Blumen: Ich verschenke sie selten, weil sie erstens völlig überteuert sind, zweitens nicht lange halten und drittens nach ein paar Tagen (ausgehend vom Wasser) irrsinnig zu stinken beginnen.

Mir bleibt dann immer die Aufgabe, das Gestinks dem Müll zu überantworten.

Die billige Variante, wenn man schon Blumen schenken muss, ist in der Natur (bei entsprechendem Angebot) selbst einen kleinen Strauss zu pflücken. Wenn ich da etwas G'scheites finde, erzeugt das in mir dasselbe Erfolgserlebnis wie beim Schwammerlsuchen. Und das kommt bei den Frauen nach meiner Erfahrung immer an.

Selbst möchte ich keine Blumen geschenkt bekommen. Wenn es unbedingt sein muss, dann lieber einen Kaktus, einen kleinen Baum oder eine fleischfressende Pflanze.

"drückte er einen Strauß mit gelben Röschen fest an sich"

muhahaha...

gelbe rosen bedeuten

"Untreue, Eifersucht, abnehmende Liebe.
Ich leide."

ich kann mit schnittblumen auch nichts anfangen, und das liegt nicht an mangelnder körperpflege

"Sie stolz am Stammtisch zu präsentieren würde wohl zumindest peinlich berührtes Schweigen zur Folge haben." Männer, zeigt Mut zur Veränderung und nehmt einen Blumenstrauß zum Stammtisch mit! Im Ernst, das ist schon peinlich?? Peinlich ist das, was man selbst als peinlich empfindet. Neues ausprobieren!

Bestenfalls ein paar Stück Gänsekresse oder Ähnliches ... die kann man dann zum Bier naschen.

warum soll ich was mitnehmen was mich selbst nicht im geringsten interessiert?

da gehts nicht um peinlich.

Irgendwie ist die Fragestellung ähnlich unsinnig

wie beide "Standpunkte" dazu.
Wobei mir scheint, dass vor allem der "Contra"-Standpunkt nicht echt ist.
Hier hat sich jemand mit nicht allzu ausgeprägter Phantasie und leichten Humoranflügen versucht, in einen "Stammtisch-Mann" hinein zu denken.
Wozu?
Manche Männer mögen Blumen, andere nicht.
Wenn man das ein wenig weniger geschlechtsspezifisch aufarbeitet ist die Frage ähnlich sinnvoll wie, ob mehr Männer oder Frauen Briefmarken sammeln.

Auch wenn es Situationen, wie bei Felix Sanchez gibt...

...die Blumensträusse für die Männer bei der Olympiade sind in den allermeisten Fällen eher peinlich und der einzig akzeptable Ausweg für die meisten Sieger ist es wohl, sie ins Publikum zu werfen.

Eine vernünftige Alternative könnten entweder Blumengirlanden im Hawaii-Stil sein (nicht so gut, weil sie die Sicht auf die umgehängten Medaillen verdeckten), oder eine Rückkehr zum olympischen Lorbeerzweig oder -kranz...

Wundert mich, dass der Kontra-Teil nicht direkt in die Südfruchtabteilung (Stichwort Zitrone) geht.

+++Pro!

Blumen sind so schön!
Und warum sollte ich etwas herschenken, dass mir selbst nie gefiele?

Blumen

Was heißt verbockt???

Ach, der Redakteur wühlt nur in der Klischeekiste, a la "Schatzi, sorry, dass ich gestern total besoffen nach Hause gekommen bin, hab dir als Entschädigung ein paar Blumen mitgebracht." :)

...warum darf man(n) nicht besoffen nach Hause kommen?

Darf man(n) ja eh :) Es ist nur ein Klischee, genauso, wie das daran anhängende Klischee, dass die Frau wegen des angesoffenen Mannes furchtbar angefressen ist (und, wenn wir schon bei Klischees sind, womöglich noch mitm Nudelholz hinter der Tür lauert) und mit Blumen besänftigt werden muss. Das ist doch Unfug.

Also wenn ich nächtens angsoffen nach hause gekommen bin, war meine Frau

Angefressen, nicht weil ich weg war und angsoffen war, sondern weil ich um 3 uhr früh mit einer Fahne dann meine Liebe zu ihr bezeugen wollte und Sie 1. Aufgeweckt hab und 2. Endlos lange Erzählungen angedeihen habe lassen, die grad in dem Moment superwichtig waren und 3. Dann von meinen Gefühlen so überwältigt war, dass ich sie u bedingt abschmusen wollte. Und das mit einer extremen alko Fahne... Kein Wunder, dass sie angefressen ist... Das Klischee stimmt schon ein bisschen

sehr pointierter artikel. chapeau.

aber ich will nie blumen geschenkt bekommen, dann lieber gar nix.

ist doch schoen

wenn leserposter so leicht zufriedenzustellen sind

geh bitte schenkt euch endlich das "chapeau"

jeder glaubt nun cool zu sein, wenn er das schreibt...ist irgendwie schon echt lächerlich

die Chapeus

sind die Somerschalträger der Rhetorik.

Also ich bin hier gelandet weil ich mir eingebildet habe, da oben wäre nen Nippel zu sehen oO

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