Straßenkünstler fühlen sich aus Wien verjagt

  • Ohne Platzkarte lässt es sich kaum noch an touristischen Plätzen spielen. Dieser belgische Saz-Spieler ist allerdings noch mit einer Verwarnung davongekommen.
    foto: maria von usslar/derstandard.at

    Ohne Platzkarte lässt es sich kaum noch an touristischen Plätzen spielen. Dieser belgische Saz-Spieler ist allerdings noch mit einer Verwarnung davongekommen.

  • Seit rund zwei Jahrzehnten unterhalten "Street Life Supreme" Schaulustige neben dem Stephansdom. Eine neue Verordnung könnte diese Ära der freien Straßenkunst beenden.
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    Seit rund zwei Jahrzehnten unterhalten "Street Life Supreme" Schaulustige neben dem Stephansdom. Eine neue Verordnung könnte diese Ära der freien Straßenkunst beenden.

  • "Mit uns hat niemand geredet." Die Gruppe "Street Life Supreme" wünscht sich, dass die Stadt auch auf ihre Bedürfnisse eingeht.
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    "Mit uns hat niemand geredet." Die Gruppe "Street Life Supreme" wünscht sich, dass die Stadt auch auf ihre Bedürfnisse eingeht.

  • In den Boden eingelassene Markierungen kennzeichnen, wo Platzkarten erforderlich sind.
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    In den Boden eingelassene Markierungen kennzeichnen, wo Platzkarten erforderlich sind.

  • Die neue Wiener Straßenkunstverordnung im Detail.

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Wegen neuer Verordnung - Stadt will "Flair wie in Paris" - Mit Video

Eine im Juli umgesetzte Änderung der Wiener Straßenkunstverordnung zeigt ihre Folgen: Künstler, die seit jeher den Stephanspatz, den Graben und die Kärntner Straße in der Innenstadt geprägt haben, sind nun verschwunden.

Ein Marionettenspieler, der seit 20 Jahren an der Ecke zum Graben das Straßenbild dominierte, ist im bereits im Juli nach Salzburg übersiedelt, berichten mit ihm befreundete Straßenkünstler. Auch "Street Life Supreme", die bekannteste Breakdancer-Gruppe vom Stephansplatz, spielen mit dem Gedanken, ihr seit rund 17 Jahren Erfolg bringendes Territorium zu verlassen. Seit zwei Monaten sind sie nun schon nicht mehr aufgetaucht.

Platzkarten für Touristenorte

Mit der neuen Verordnung wird gerade an den Hotspots des Tourismus Straßenkunst stark reglementiert. So wurden für viele Plätze, an denen Künstler in Wien spielen dürfen, Platzkarten erforderlich. Früher konnten stille Straßenkünstler an Orten wie der Kärntner Straße zwischen 13 und 22 Uhr spielen. Seit Juli ist es ihnen sowie den akustischen Straßenkünstlern lediglich zwischen 16 und 20 Uhr erlaubt. Die Plätze wurden zwar auf rund 30 ausgeweitet, liegen aber in den Augen der Künstler oftmals ungünstig.

Die zeitliche Beschränkung sei ein Kompromiss gegenüber den Anrainern, die sich vermehrt über die "Dauerbeschallung" beschwert hätten, sagt Peko Baxant, Kampagnenleiter beim Sozialdemokratischen Wirtschaftsverband.

Kein Monopol für die Breakdancer

Baxant hat nach Eintreten der Verordnung mit den Burschen von "Street Life Supreme" ein Krisengespräch geführt, habe aber nur wenige Zugeständnisse machen können.

Mit den Platzkarten, die nach einem Zufallsprinzip vergeben werden, "wollen wir für Gerechtigkeit unter den Künstlern sorgen", so Baxant. Das hätten auch die Breakdancer, die seit Jahren eine Monopolstellung am Stephansplatz gehabt hätten, einsehen müssen. Mit der neuen Verordnung zählen die Breakdancer nun zu den akustischen Straßenkünstlern und dürfen nur noch von Zeit zu Zeit mit Platzkarte am Stephansplatz spielen.

Politik will Umsetzung der Verordnung überdenken

Baxant kann aber gewisse Kritikpunkte verstehen. So wolle man die Vergabe der Platzkarten überdenken. Es soll dann künftig auch Tauschen unter den Künstlern möglich sein und für Gruppen nur ein Name eingetragen werden müssen. Bisher können sich Gruppenmitglieder etwa im Krankheitsfall nicht vertreten lassen.

"Stenzel-Paranoia"

Für Baxant gibt es einen anderen Grund, weshalb sich die Straßenkünstler verjagt fühlen: Seit Inkrafttreten der neuen Verordnung würden Polizisten noch rigoroser strafen. "Die Breaker konnten keinen einzigen Tanzschritt machen, ohne dass gleich ein Polizeibeamter vor ihnen stand", so der Kampagnenleiter des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbands.

Baxant hat den Eindruck, dass die Polizisten zu hart gegen die Künstler vorgehen, und spricht mit Blick auf Bezirksvorsteherin Ursula Stenzel (ÖVP) von einer "Stenzel-Paranoia". Der Sozialdemokrat vermutet, dass die Beamten zu besonders rigidem Vorgehen angehalten seien, denn die Musikanlagen, die für die Breakdance-Performance erforderlich seien, würden mit den nicht zugelassenen Verstärkern gleichgesetzt (Details siehe Verordnung). Die Polizisten hätten ohne Ermahnung abgestraft und die Künstler wie Verbrecher behandelt. 

Stadt wollte Flair wie in Paris

Wolfgang Schieferle vom zuständigen Magistrat (MA 36) will von den Problemen der Künstler noch nichts gehört haben. Die Verordnung schaffe für ihn ein "Flair wie in Paris", da sich durch die Platzkarten-Verteilung die Darbietungen an festgelegten Orten konzentrieren würden - das sei dann so wie "bei den Malern in Montmartre".

Dass durch die Verordnung die Arbeitszeit der Künstler auf maximal zwei Stunden am Tag reduziert wird und ihnen durch die Platzkarten auch weniger attraktive Orte wie der Praterstern zugeteilt werden, mindert die Geldeinnahmen jedoch erheblich. Ein Polizist vom Stephansplatz habe den Schwund jedenfalls deutlich gespürt. "Seit zwei Monaten ist es hier ruhig im Ersten", bemerkt er. Den am Mittwoch einzigen Musiker verscheucht er jedenfalls ohne Bußgeld. (Maria von Usslar, derStandard.at, 29.8.2012)

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Wien du tote Stadt!!!

Heute wurden beinhart die rumänischen U-Bahn-Künstlerinnen (Kategorie: Gospelgesang) verjagt. Frechheit! ^^

also bitte zuerst einmal die innenstadt von plagen wie h&m, orsay und p&c befreien.

Stadt ohne Musiker, Stadt ohne Bettler, Stadt ohne Huren

36 Euro wenn man einen Tschik oder ein Papierl fallen läßt

Wer hat sich diesen ordnungsfaschismus bestellt ?

20 Jahre auf Rot-Grün gehofft, 20 Jahre für Rot-Grün gewählt

MIR GRAUT !!!

Von mir aus kann man 360 Euro zahlen, wenn man nen Kaugummi ausspuckt, und 3.600 Euro, wenn man in der U-Bahn Station in den Papierkorb oder auf die Bank brunzt.

Mehr Disziplin würde der Stadt gut tun. Und auf die sogenannten Musiker und Gospelsängerinnen aus Rumänien kann ich auch schon lange verzichten.

Im ersten hat nicht Rot-Grün die Hand am Ruder... Da regiert die eiserne Miss "Ich hab meine Leben lang nur im ersten Bezirk gelebt und eingekauft" (Originalzitat!) Stenzel.

Stenzel soll sich endlich schleichen oder sich auf ewig an einen Baum binden. Da kann sie keinen Schaden anrichten.

Haha, ja natürlich. Die ist schuld. Die armen Roten und Grünen in Wien müssen sich von der Stenzel alles gefallen lassen...

Schleichen und auf Bäume turnen ist etwas für kater bruno.

Auch so ein Möchtegern Schwarzer

Ach, was ist schon das Pariser Flair

Angesagt ist Vienna-Flair
Rigide bis geht nicht mehr

Die Genehmigungspflicht war eine gute Idee, die Umsetzung leider so wie in Wien zu erwarten: Die Mozart-Drückerkolonnen sind weiter unterwegs, für Künstler kaum Verdienstmöglichkeiten

In München gab es auch Probleme mit Musikern aus dem Osten, die jeden Tag an der gleichen Stelle fast wie dressierte Affen genau die 3 Stücke spielten, die ihnen beigebracht wurden. Daher wurden dort an zentralen Orten (nicht nur für Musiker) Platzkarten ausgegeben, die erst nach einem allerersten Probevorspielen ausgegeben werden.

http://www.augsburger-allgemeine.de/bayern/Mu... 09946.html

Details zur Regelung:
http://www.youtube.com/watch?v=-... re=related

gerade wenn man sich fragt ob wien noch ein bisschen kleinbürgerlicher werden kann, kommen sie mit sowas daher.
Mir egal, ich zieh jetzt in eine echte großstadt.
Wo ich auch nachts meine Milch kaufen kann, im Gastgarten sitzen, auf der Straße Kunst betreiben kann, wo nicht jedem Laden/Lokal vorgeschrieben wird wann er zuzumachen hat, wo Bettler und Prostituierte nicht einfach versteckt werden,...
Kurz: wo man Leben kann ohne immer Angst haben zu müssen von irgendeinem Magistrat abgemahnt zu werden

Berlin? Paris? London? Jetzt bin ich neugierig.

Gute Reise!

Also

auf nach München.

Stenzels Flair

Nun, wir alle wissen ja um Stenzels Traumwelt und Realitätssinn Bescheid (vgl. Baumrodungen auf der Ringstraße).

Frau Stenzel mag eine Aida-Filiale im 1.Bezirk zufrienstellend leiten können, für einen (multi) kulturellen Weitblick, der jedoch in Wien, Innere Stadt, nötig wäre, reicht ihr "Kaffeetanten-Image" nicht aus.

straßenkunst gehört gehört und gesehen. es belebt eine stadt, zieht menschen an und schafft einen besonderen flair. ziehe ich es vor in die stadt zu ziehen, dann ist mir bewusst, dass es eine höhere lärmbelästigumg gibt. angefangen von lokalen bis hin zu diversen veranstaltungen. in paris funktioniert das wunderbar. da wird man nicht um 22.00 uhr ins lokal getrieben mit dem teller in der hand.
in den randbezirken ist es oft ruhiger und billiger. und wer es sich leisten kann im ersten zu wohnen, der kann es sich auch leisten in schicke randbezirke zu ziehen. wien ist anders.

Das ist ja nun wirklich blamabel für eine Weltstadt

die sich der großen Künste eigen nennt und damit jede Menge Geld macht,aber eben nur auf Staatskosten. Individuelle Kunst hat da keinen Platz mehr,traurig traurig kann man nur sagen. Selbst hier im konservativem Würzburg gibts wahrlich eine große Toleranz für Strassenmusiker und Pantomimen.Jährlich ein Strassenmusikerfestival an 2 Tagen,zig Konzerte in der Innenstadt,spontane klass.Events rund ums Mozartfest und und und. Ein Musiker muß sich hier nicht fürchten und das ist gut so.Es ist ja auch für den Normalbürger was schönes wenn er mal Weltenbummler trällern oder an einem lauen Abend ein Streichquartett hört,und davon gibts hier jede Menge.Gipsybands sind nicht ausgenommen, sie spielen meist aufm Marktplatz, das hat einen Flair.

ach, ich liebe Straßenkünstler, sie beleben die Stadt und geben ihr Flair :)))

da denke ich an das Festival in Avignon, das ich vor ein paar Jahren miterleben durfte, wunderschön, einmalig!!!

Vielleicht könnte man diverse Magistratsbeamtenherzen erweichen ;) solche Festivals auch in österreichs Städten stattfinden zu lassen.

das programmheft für das festival in avignon ist fast so dick wie das wr. telefonbuch...

Pariser Flair-Opern Ball

Meine erste Performance war als Johann Strauss Sohn!Ein ausschnitt meiner spontanen Performance wurde in der Pause vom Opernball 2001 oder 2002 gezeigt!Ein kollege teilte mir bei einem meiner Auslandsaufenthalte mit,daß das Mozartjahr durch den ORF mit meinem ersten goldenen Mozart(2003 aufgenommen)eröffnet wurde!Mit dem weissen Kostüm war ich 3 jahre in einem Zusammenschnitt vom VOX zu sehen,bekam allerdings nichts dafür bezahlt!Ich trat in den USA,Sydney,Amsterdam auf,ich habe internationales flair,war auch beim Spatenstisch von der Ernst Fuchs Akademie arrangiert,sprach Häupl noch an wegen dem Sockelverbot,hat mich wohl falsch verstanden! Nur 2 Stunden auftreten!Zuviel der Regeln das ist nicht gut für die Strassenkunst,Kunst ist Freiheit

Pariser Flair?

Das sollte Johann Strauss Sohn bedeuten,es wurden sogar Aufnahmen von meiner Performance in der Pause des Opernballs von 2002 0der 2003 von mir gezeigt,auch als goldener Mozart im ORF soll damit das Mozartjahr eröffnet worden sein und beim Vox TV lief ein Zusammenschnitt mit mir in weissem Mozartkostüm 3 jahre lang,Bezahlung bekam ich allerdings keine dafür!
Ich habe immer mein bestes gegeben und meinen Job diszipliniert und Publikumsfreundlich gemacht!Ich trat international auf,USA,Sydney,Amsterdam...beim Spatenstich von der Ernst Fuchs Akademie war ich mit einer Kollegin als Lebenddenkmal (Mozart in weiß)angagiert,ich sprach den Häupl über die Stenzel Aktionen an,"verbot von Sockel" er hat mich wohl falsch verstanden?nur 2 Stunden!

Pariser Flair

Das jetzt aber die rot-grüne Stadtregierung diese Neue Strasssenkünstler Verordnung schuf oder mittrug,ist wohl das Letzte,wen soll ich jetzt noch wählen?Plätze an denen höchstens ein hardcore tourist vorbei kommt,in Aussenbezirken,Broda Platz,2 Stunden als stiller Strassenkünstler,da kannst keine Miete mehr zahlen!Ich bekam 15 Spieltage,was mache ich die andern 15 Tage!Ich bin seit 2001 einige Monate in Wien,habe 5 Kostüme zerschlissen,Strazss,Mozart,Jack Sparrow und jedesmal mindestens 1200 Euro daran ausgegeben,mein Publikum liebt mich und ja einige vielleicht auch nicht,wo ist die Toleranz...."viva la Liberta"?,seit dem 11en Jahrhundert gibt es Strassenkünstler am Graben:Feuerspeier,joggler!"shame on you" rotgrün

Pariser Flair 2

22 Leute sollen das sein vom "Forum Stephansplatz"!Man suchte eine Methode erst die Strassenkünstler los zu werden!Stille Strassenkünstler bekamen übrigens ihr Recht in der Käntnerstrasse und am Graben zwischen 13h und 17h"und nicht bis 22h,erst ab 2004 durch intervention von einigen Starssenkünstlern,Chance und Kat...ab 17h bis 21h brauchte man eine Platzkarte und die bekamen nur Musiker!Wenn ein stiller Strassenkünstler zu nah am Stephansdom stand oder zu früh anfing wurde eine Anzeige erstattet!Dann wurden die Sockel verboten (also stellten sich weniger anspruchsvolle Strassenkünstler auf Kübeln)andere benutzten extrem hohe Schuhe,ich verzog mich zum Michaelerplatz und nahm weniger Einnahmen und längeres Stehen in Kauf!

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