"Internetabhängigkeit als Suchtkrankheit anerkennen“

16. August 2012, 15:02
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Empfehlungen sollen helfen, die "Medienabhängigkeit" als eigenständiges Krankheitsbild anzuerkennen

Bochum - "Wer dauernd am Tropf des Internet hängt und Computerspiele spielt ist suchtgefährdet. Wer darüber hinaus sogar das Gefühl entwickelt, nicht mehr ohne das Internet leben zu können und Entzugserscheinungen bei Abstinenz zeigt, ist der Sucht verfallen und benötigt konkret Hilfe", ist Bert te Wildt von Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum (RUB) überzeugt.

Die Online-Computerspielabhängigkeit ist die weitaus häufigste Form der Internetabhängigkeit. Weitere Arten sind die Abhängigkeit von Cybersex und von virtuellen Sozialen Netzwerken.

Primäre und sekundäre Kriterien

Allein aufgrund der im Internet verbrachten Zeit lässt sich eine Diagnose allerdings nicht stellen. Vielmehr greifen auch hier die Kriterien für andere Suchterkrankungen. Primäre Suchtkriterien beziehen sich auf ein exzessives Internetnutzungsverhalten, das von den zumeist jungen, männlichen Betroffenen nicht mehr kontrolliert werden kann. Das heißt, die Betroffenen haben dann das Gefühl, nicht mehr ohne das Internet leben zu können und entwickeln Entzugserscheinungen bei Abstinenz. Um eine Internetabhängigkeit diagnostizieren zu können, müssen aber auch sekundäre Kriterien erfüllt sein. Dazu gehören negative Auswirkungen auf den eigenen Körper, auf persönliche Beziehungen oder schulische und berufliche Leistungen.

Empfehlungen präsentiert

Der Deutsche Fachverband Medienabhängigkeit, unter dem Vorsitz von  Bert te Wildt, plädiert in seinen aktuell veröffentlichten "Empfehlungen" für eine Anerkennung von Medienabhängigkeit im Sinne eines eigenständigen Krankheitsbildes als Suchterkrankung. Das "Paper" wird am Freitag auf der gamescom in Köln vorgestellt. Die gamescom ist die nach eigenen Angaben das „weltweit größte Messe- und Event-Highlight für interaktive Spiele und Unterhaltung". (red, derStandard.at, 16.8.2012)

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    Internetsüchtige sind im weltweiten Netz gefangen. Die online verbrachte Zeit allein ist jedoch keine valide Größe für eine seriöse Diagnose.

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