Heimische Wirtschaft schwächelt

  • Die Eurokrise wird auch in Österreich verstärkt spürbar.
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    Die Eurokrise wird auch in Österreich verstärkt spürbar.

Die Ökonomen der Bank Austria sehen eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass der Wachstumspfad abhanden kommt

Wien - In den kommenden Monaten rechnet die Bank Austria in ihrem aktuellen Konjunkturindikator mit einer Stagnation der österreichischen Wirtschaft - der Indikator sank im Juli mit minus 0,1 Punkten erstmals seit Jahresbeginn in den negativen Bereich. Das 3. Quartal von Juli bis September werde die trägste Entwicklung des Jahres kennzeichnen, so die Experten. Das schwache Umfeld strahlt immer stärker auf den Arbeitsmarkt aus.

Anstieg der Arbeitslosenquote

Der heimische Arbeitsmarkt beginne aber, das "raue europäische Umfeld" in nächster Zeit stärker zu spüren. Die Arbeitslosenquote "steigt 2012 auf zumindest 7,1 Prozent" (2011: 6,7 Prozent). Im Jahresschnitt werden um 17.000 Arbeitslose mehr erwartet als 2011. Zudem gibt es "wenig Aussicht auf Entspannung für 2013".

Im Schlussquartal könnte eine Verbesserung eintreten: "Unter der Annahme, dass es der Politik gelingt, durch weitere Fortschritte bei der Lösung der Eurokrise das Vertrauen der Märkte in die Eurozone zu festigen. Dann erwarten wir für das 4. Quartal einen BIP-Anstieg um 0,1 Prozent zum Vorquartal", so Bank-Austria-Chefökonom Stefan Bruckbauer. Man sehe "Chancen auf leichten Aufwind gegen Jahresende".

Insgesamt werde das Wirtschaftswachstum 2012 "dank guter erster Jahreshälfte" plus 1 Prozent betragen. Für 2013 wird weiterhin mit einem BIP-Anstieg von 1,5 Prozent gerechnet. Allerdings gebe es starkes Rückschlagspotenzial "angesichts der natürlich sehr komplizierten Situation im Euroraum" und das Wachstum werde zu schwach ausfallen, um dann die Lage am Arbeitsmarkt spürbar zu entspannen.

"Während im 2. Quartal 2012 das BIP noch um 0,2 Prozent zum Vorquartal zulegen konnte, weist der aktuelle Indikator deutlich auf die hohe Wahrscheinlichkeit hin, dass die österreichische Wirtschaft in den kommenden Monaten vom Wachstumspfad abkommt", so Bank-Austria-Ökonom Walter Pudschedl.

Eurokrise schlägt durch

Die Verunsicherung durch die Eurokrise schlage sich nun nieder. Die Zuversicht der österreichischen Konsumenten habe abgenommen, die Investitionsbereitschaft von Unternehmen dürfte noch stärker gezügelt werden, so die Fachleute.

Der Rückgang des Indikators im Juli auf minus 0,1 Punkte unterstreiche, "dass die heimische Wirtschaft in den kommenden Monaten weiter an Fahrt verlieren wird", so Bruckbauer. Die Rezession in einigen europäische Ländern werde sich im 3. Quartal negativ niederschlagen, nachdem sich Österreichs Wirtschaft im 1. Halbjahr 2012 dank hoher Wettbewerbsfähigkeit sehr gut geschlagen habe.

Das Absacken des Indikators hängt laut den Experten mit einer weiteren Verschlechterung der Stimmung in der Industrie zusammen, während in den meisten europäischen Ländern derzeit zumindest eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau erkennbar sei.

Wegen schwacher Auslandsnachfrage dürfte auch die heimische Exportwirtschaft leiden. Zugleich werde der Inlandsbedarf geringer ausfallen - dadurch könne aber von einem leicht positiven Außenbeitrag ausgegangen werden. (APA, 16.8.2012)

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