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Wenn Plus Size beworben wird, machen dies oft Models mit Größe 38. In der aktuellen Kampagne von Marina Rinaldi ist das nicht so.
Zum Artikel >>> Die Kurve kriegen
Auf den ersten Blick mag Reggio Emilia, etwa eine Autostunde von Bologna entfernt, nach einem dieser unaufgeregten norditalienischen Provinzstädtchen aussehen. Ein kurzer Spaziergang durch die historische Altstadt, und schnell wird klar: In dem 170.000-Einwohner-Städtchen hat so ziemlich überall die Familie Maramotti, die hinter der Max Mara Fashion Group steckt, ihre Finger im Spiel. Versteckt in der kleinen Via Palazzolo befindet sich der familieneigene Albergo delle Notarie, einige Straßen weiter überrascht das Caffè Arti e Mestieri mit einem Innenhof, der einer üppigen Grünoase nahekommt.
Irgendwo auf dem Weg vom Hotel zum Restaurant eine Filiale der Credito-Emiliano-Gruppe, an der die Familie Maramotti selbstverständlich Anteile besitzt. Außerdem wäre da noch die Maramotti Collection, eine Sammlung zeitgenössischer Kunst in einem 2003 umgestalteten ehemaligen Max-Mara-Werksgebäude aus den 1950ern. Doch erst einmal lädt in der kleinen Einkaufsstraße im Zentrum ein Marina-Rinaldi-Shop zum Einkaufen ein.
Zurückhaltung als Erfolgsrezept
Seit 1980 ist Marina Rinaldi ein wichtiger Bestandteil der mit seiner Zurückhaltung erfolgreichen Max-Mara-Gruppe: Benannt nach der Urgroßmutter des Unternehmensgründers Achille Maramotti, hat sich das Unternehmen von Anfang an auf Damenmode ab Größe 46 spezialisiert - und das in einer Konsequenz, die selten ist im Segment der lange Zeit stiefmütterlich behandelten Übergrößen. Das Firmencredo: Wir nehmen die Probleme unserer Kundinnen ernst. So zum Beispiel: Weil füllige Frauenoberschenkel beim Gehen aneinanderreiben, werden Hosenstoffe vor der Verarbeitung auf ihre Strapazierfähigkeit hin getestet und ein Stiefelschaft den Anforderungen breiterer Waden gemäß entwickelt.
Zuletzt eröffnete man Shops in Belgien, Polen und Russland. Auch Russland ist ein Riesenmarkt für Marina Rinaldi. Kein Wunder, dass die gebürtige Britin Lynne Webber, seit Anfang des Jahres Geschäftsführerin bei Marina Rinaldi, beim Mittagessen die Ohren spitzt, als eine russische Journalistin die fehlende Angebotspalette an Accessoires im Rinaldi-Shop in St. Petersburg bemängelt. Das könne ja nicht sein, gerade in Russland keine ordentliche Auswahl an Rinaldi-Stiefeln! Webber, seit Jahrzehnten in der Region Reggio Emilia zu Hause, verkörpert das Unternehmen Rinaldi in einer Mischung aus Weltgewandtheit und bodenständiger regionaler Verbundenheit nahezu perfekt. Sie versteht ihre neue Aufgabe als Herausforderung: "Bei Marina Rinaldi trifft Tradition auf Innovation, das macht die Sache spannend."
Echte Größe
Tatsächlich beherrscht das Unternehmen nach 30 Jahren im Übergrößenbusiness die ganze Klaviatur der Kundinnenbindung, scheint aber immer wieder neue Ideen auszutüfteln. Immerhin muss in diesem Segment von der ansprechenden Gestaltung der Umkleidekabinen in den Shops bis zum Kundenmagazin, das seit mehr als 20 Jahren halbjährlich erscheint, sensibel agiert werden. Wichtiger Bestandteil des Magazins sind damals wie heute die Bildstrecken. Vor 20 Jahren gab es, was die anspruchsvolle Visualisierung von Übergrößenkurven anging, keine Vorbilder, erzählt Francesca Ferretti, die das Kundenmagazin mit aufgebaut hat. Kurzerhand nahm das hauseigene Blatt aus Mangel an Plus-Size-Models mit schwangeren Modellen oder auch mal einer Cordula Reyer vorlieb. Heute buche man dagegen echte Plus-Size-Modelle. Glücklicherweise gibt es die mittlerweile. (Anne Feldkamp, Rondo, DER STANDARD, 17.08.2012)
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