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Wegen starker Impulstanz-Nachfrage bei Johann Kresniks "Francis Bacon" wurden vier weitere Abende anberaumt.
Wien - Mit einem Rekord von mehr als 106.000 Besuchern bei einer Auslastung von über 98 Prozent geht Impulstanz am kommenden Samstag zu Ende. Um die starke Nachfrage bei Johann Kresniks Francis Bacon bewältigen zu können, wurden dem für die Vorwoche geplanten Abschluss noch vier Abende angehängt. Dieser Publikumserfolg ist auch ein künstlerischer, da er nicht mit populistischen Tanzspektakeln erkauft wurde. Impulstanz hat diesen Sommer wieder zeitgenössische Choreografie von außerordentlicher Qualität inklusive kontroversieller Arbeiten angeboten. Und selbst die von Manuel Legris gestaltete Ballettgala im Burgtheater war ein Versuch, den Wienern ein zeitgemäßes Programm zu präsentieren.
Das Gesamtbudget des Festivals von fünf Millionen Euro ist im Vergleich zu 2011 gleich geblieben. Die Stadt Wien hat ihren Vorjahresanteil von zwei Millionen gehalten. Scheinbar. Denn der Betrag des Kulturamts kam nur unter Berücksichtigung von 150.000 Euro zustande, die für die diesmal ins Festival integrierte Choreographic Platform Austria bestimmt waren. Vom Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur hatte Impulstanz im Vorjahr nicht, wie erhofft, eine halbe Million Euro, sondern nur 400.000 erhalten - lange nach Abschluss des Festivals. Nun wurden für die CPA 50.000 Euro auf dieselbe, dem aktuellen Festival gewidmete Summe draufgelegt.
Die Kritik an der Politik
Erfolgsboni sehen anders aus. Festival-Intendant Karl Regensburger beklagt ein "Subventionsloch von 900.000 Euro" und übt erstmals in der fast dreißigjährigen Impulstanz-Geschichte ganz offiziell Kritik: "Man kann durch eine falsche Kulturpolitik auch Krisen schaffen."
Allein ist er mit dieser Ansicht nicht. Der hinter vorgehaltener Hand geäußerte Unmut hat sowohl in Künstlerkreisen als auch aufseiten vieler Tanz- und Theaterveranstalter bereits den Pegelstand der Empörung erreicht. Begriffe wie "Visionslosigkeit", "Desinteresse" und " Inkompetenz" machen die Runde. Vor allem, seit bekannt wird, dass es auch in Zeiten wie diesen anders geht. In Belgien etwa, das von der Krise weit stärker betroffen ist als Österreich, wurde das Kunstbudget gerade aufgestockt, außerdem wurde eine Grundsicherung für freie darstellende Künstler umgesetzt.
Davon ist hierzulande keine Rede. All das wird weder als Ermutigung für die Künstlerszene noch als Anerkennung für die Leistungen immerhin eines der weltweit renommiertesten Tanzfestivals angesehen. Seit Jahren unschlagbar ist übrigens auch das Impulstanz angeschlossene Workshopfestival mit seinen 212 Kursen und Researchprojekten, die dieses Jahr von 38.000 Besuchern gebucht wurden, ein Plus von 1000 gegenüber 2011. Davon können Kennern zufolge Metropolen wie New York, Paris, London oder Berlin nur träumen.
Frage der Prozente
Erstmals in der Festivalgeschichte hat die Anzahl der präsentierten künstlerischen Arbeiten - Stücke, Videos und Installationen - die Hundertermarke überschritten. Ohne die kleineren Präsentationen an speziellen Orten waren es exakt 104. Auffällig ist dabei allerdings, dass einer Untersuchung des Standard zufolge diesmal insgesamt rund 54 Prozent männliche respektive männlich dominierte (Ko-)Autorschaften aufwiesen. Dem gegenüber stehen 35 Prozent weiblich konnotierte und elf Prozent "geschlechtsgleichwertige" Arbeiten.
An den Hauptbühnen Burgtheater, Museumsquartier Halle G und Odeon überwogen die Männerwerke gar im Verhältnis 18 zu vier (im Ballett sieben zu zwei). Einen signifikanten Männerüberschuss hat es auch an allen anderen Bühnenkategorien. Nur der Österreich-Pavillon der CPA wies einen Überhang von Arbeiten mit frauenverantworteter Autorschaft (rund 50 Prozent) auf. Die Anzahl der im Festival aufgetretenen Tänzer betrug 146. Ebenfalls ein Überhang im Vergleich mit den 136 Tänzerinnen und Performerinnen in den gezeigten Stücken.
Das verweist einerseits den gern kolportierten Männermangel im Tanz ins Mythenreich, andererseits ergibt sich für Impulstanz die leichte Aufgabe, künftig gezielt für realitätskonforme Verhältnisse zu sorgen. Den von Impulstanz im Rahmen seines Europaprojekts Prix Jardin d'Europe ausgelobten Nachwuchspreis haben ja schon drei Choreografinnen erhalten. (Helmut Ploebst, DER STANDARD, 16.8.2012)
"Francis Bacon" bis 18. 8.
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Spannend! Meine Recherche zeigt: Der Standard beschäftigt einen Tanzkritiker - im Gegensatz zu null Tanzkritikerinnen. es wäre am Standard, für "realitätskonforme Verhältnisse" zu sorgen. Das meine ich durchaus ernst - wenn es offenbar eine Rolle spielt, welches Geschlecht ChoreographInnen und TänzerInnen haben - dann spielt das doch bei der kritischen Nachbetrachtung der Werke sicher auch eine Rolle, oder nicht? schade, dass dieser blinde Fleck hier überhaupt nicht mitbedacht wird. Zeugt nicht gerade von Selbstreflexion ...
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