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vergrößern 750x500Die Zukunft von Günther Domenigs "Steinhaus" liegt in den Händen des neuen Eigentümers, des Landes Kärnten. Und liegt und liegt und liegt.

Der im Juni verstorbene Günther Domenig.
Steindorf am Ossiacher See - Fix ist offenbar nur eines: dass der im Juni verstorbene Jahrhundertarchitekt Günther Domenig von der kleinen Gemeinde Steindorf am Ossiacher See am 23. August die posthume Ehrenbürgerschaft verliehen bekommt. Immerhin. Ein kleiner Dank, dass er in dem verschlafenen Ferienörtchen seine atemberaubende Symphonie aus Beton, Glas und Stahl verwirklicht hat. Was allerdings mit diesem Baukunstwerk künftig passiert, ist eher ungewiss.
Sicher, in Kärnten hat man derzeit gröbere politische Zores, vor allem auch der dafür zuständige Finanz- und Kulturlandesrat Harald Dobernig muss mit allerhand Unschuldsvermutungen kämpfen. Und dann ist natürlich Urlaubszeit, weshalb es mit Rückrufen seines Büros nicht so recht klappen will. Dabei gäbe es allerhand zu besprechen: etwa ob ein Verkauf, der gerüchteweise durch die Architekten- und Kulturszene geistert, tatsächlich vom Tisch ist. Womöglich will man ja die dank Hypo und korrupter Politiker leere Landeskasse wieder auffüllen. Laut Stiftungsstatuten geht mit dem Tod Domenigs das Steinhaus in den Besitz des Landes über.
Schweigen in Kärnten
Was der Bund übrigens so versteht, dass er sich für eine adäquate Nutzung weiters nicht einzusetzen braucht: Die Ministerin ließ ausrichten, dafür sei ausschließlich das Land Kärnten zuständig. Und da schweigt man; eventuell verändern sich ja nach Wahlen die politischen Zuständigkeiten.
Die Einzigen, die reden, sind Georg Wald vom Architekturhaus Kärnten, der ein detailliertes Nutzungsprogramm in der Lade hat. Und Erhard Blaßnig und Andrea Pecile, die mit ihrem Marketing Feldkirchen das Steinhaus bisher betreuen. Als operative Geschäftsführer im Auftrag der Günther-Domenig-Privatstiftung veranstalten sie Führungen, vermieten das Haus an Universitäten, Kongresse. Und veranstalten im Sommer die Steinhaus-Sommerfestivals mit einem bunt durchmischten Programm, Konzerte, Lesungen, Ausstellungen (derzeit etwa die sehenswerte mit Werken von Helmut Swoboda, Johann Julian Taupe und Peter Dörflinger). 1500 Euro bekommen sie monatlich von der Stiftung.
Mehr als 100.000 Euro für Künstlergagen, Infrastruktur und Werbung finanzieren Blaßnig und Pecile vor, die Privatstiftung übernimmt etwa 25.000 Euro Ausfallshaftung. Subventionen gibt es keine, die Spesen müssen an der Eintrittskasse eingenommen werden. Ab und zu lassen private Sponsoren ein paar Tausender springen. Nach dem Tod Domenigs haben weder Stiftung noch Land es bisher der Mühe wert befunden, mit den beiden Marketingleuten Kontakt aufzunehmen.
"Wir sitzen auf Nadeln", sagt Blaßnig, zur Zukunft des Steinhauses befragt. "Wir hängen im luftleeren Raum. Gespräche, ob wir weitertun dürfen, wird es hoffentlich im September geben."
Dass sie gern weitertun würden, daran lässt er keinen Zweifel. Sicher könne man das Sommerprogramm optimieren, man wolle künftig mehr mit der Carinthischen Musikakademie und dem Carinthischen Sommer kooperieren, sagt er. Letzterer ist allerdings als Untermieter abhandengekommen: In der breiten Angebotspalette zwischen Adi Peichl (16. 8.) und Axel Zwingenberger (25. 8.) fühlt sich der selber ums Überleben kämpfende CS fremd.
Den Anspruch auf Exklusives will der Architekt Georg Wald, beziehungsweise das Architekturhaus Kärnten, erfüllen: Man wolle mit der Ingenieurskammer kooperieren, internationale Symposien veranstalten, Gaststipendiaten einladen, ein Residenzmodell entwickeln, wonach architekturversierte Menschen im Steinhaus wohnen und Interessenten jederzeit durch das Gebäude führen. "Wir würden das Haus mieten, dieser Aufwand müsste natürlich gefördert werden. Weil wir wissen, wie hoch der Energieaufwand ist, kommt aber kein Winterbetrieb infrage - das gilt auch für den Residenzbetrieb."
Dafür wäre nötig, dass das Land und der Bund Geld in die Hand nehmen und das Steinhaus ordentlich dotieren. Die nächste Förderung, so Wald optimistisch, werde besser ausfallen. Der Betrieb von Architektur- und Steinhaus solle zu gleichen Teilen von Bund und Land subventioniert werden: Das sind laut Kulturbericht derzeit schmähliche 5000 Euro vom Land fürs Steinhaus. Pro Jahr. Vom Bund gab es laut Blaßnig bisher gar keine Unterstützung.
Nun führt Wald mit dem Land Gespräche: "Natürlich geht es da auch um die Förderhöhe." Schon nächstes Jahr wolle man das Steinhaus "anders anpacken. Andere Angebote schaffen." Das Marketing Feldkirchen könne dabei, jedenfalls aus seiner Sicht, durchaus mit im Boot sein.
Ob das auch für die derzeitigen Stiftungsvorstände (Ex-Mak-Direktor Peter Noever, Anwalt Hannes Pflaum, Wirtschaftsberater Adolf Rausch) gilt, ist ungewiss. Auch mit ihnen hat das Land Kärnten noch nicht über die Zukunft geredet.
Vermutlich wird man mehr wissen, wenn die Ferienzeit vorbei ist: ob und wann es Neuwahlen in Kärnten gibt. Und was mit dem Steinhaus passiert. Vom 24. bis 29. September zeigt jedenfalls Peter Noever, wie es ginge: In memoriam Günther Domenig lädt Noever unter dem etwas sperrigen Titel Never Again Resistance internationale Kapazunder wie etwa Hitoshe Abe, Hernan Diaz-Alonso, Steven Holl, Mark Mack und Thom Mayne zu einem hochkarätigen Workshop ins Steinhaus. (Andrea Schurian, DER STANDARD, 16.8.2012)
Internationale Architekten über Günther Domenigs Vermächtnis
Der Mitbegründer der Grazer Architekturschule brach mit seinen genialen, revolutionären Entwürfen Sehgewohnheiten auf
Günther Domenigs Steinhaus wurde eröffnet
Der Grazer Architekt Günther Domenig erhält den Großen Österreichischen Staatspreis
Ein Bildhauer unter den Architekten - 2005 ausgezeichnet mit dem "Großen Österreichischen Staatspreis für Kunst"
Ein großzügiges Geschenk machte Domenig angeblich dem Land Kaernten. Als Architekt ist Domenig international wohl eher Mittelmaß. In Steindorf am Ossiachersee wollte er sich wohl selbst verwirklichen, spielen, etwas beginnen, von dem er selbst nicht wusste wohin dieses führen sollte. Mit seinen, oft weit ausladenden Betonschachteln, die wie nicht vollendete Brücken in die Landschaft ragen,wollte er originell sein. Und für so was klatschten seine Jünger (Architekturstudenten), Beifall und hoben ihn in den Olymp von dem diesen niemand herabzuholen wagte. Und nun sitzt ein Land ohne Mittel da mit einem Erbe, das zu nichts zu gebrauchen ist.
Wenn's dir als normalem Häuslbauer nicht mal erlauben dein Dach nach Süden auszurichten (Solar!) sondern du nach West/Ost bauen musst, sogar die Dachziegelfarbe wird vorgeschrieben, dann glaubst nicht, daß man so einen Betonklotz in die Landschaft setzen durfte. Viel Spaß bei der thermischen Sanierung, mit der Energiekennzahl darfst das Haus ja hoffentlich nicht verkaufen. Gibt aber sicher Förderung von Kärnten, da Baujahr 1980.
Hast du dieses Gebaeude schon mal betreten?
Wenn nein, dann solltest du dir kein Urteil ueber dessen Funktionalitaet erlauben.
Diese ist in den Innenraeumen naemlich mehr als gegeben.
Und zur Funktionalitaet gesellen sich das noch viel wichtigere Raum- und Wohngefuehl!
trifft sogar ein Unbedarfter mal zufällig den Kern der Sache - denn das ist durchaus Absicht bei postmoderner dekonstruktivistischer Architektur.
Aber fürs ganze Forum gilt ja: Hauptsache Meinung abgeben, egal wie ahnungslos man ist.
PS: Ich persönlich bin kein Anhänger dekonstruktivistischer Architektur, sie hat aber ganz ohne Zweifel ihre Berechtigung im architektonischen Diskurs der letzten 40 Jahre.
für irgendeinen Zweck konzipiert worden sein. Wenn man drin wohnen kann, lässt es sich sicher leicht verkaufen, als Ausstellungshalle scheint es nicht unbedingt 'behindertengerecht'. (Erinnert ein wenig an die Architektur im Düsseldorfer Hafen, nur konsequenter).
dass man über Wesen und Zweck von Architektur nachdenkt.
Glücklicherweise gibt es (Bau)Künstler, die auch Dinge verwirklichen, bei denen es nicht ums leichte Verkaufen geht, und Domenig hat das Haus ja ursprünglich für sich selbst als Denkbaustelle gebaut.
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