Historiker soll Zwangsarbeit für Swarovski prüfen

Verena Langegger, 15. August 2012, 22:38

Heimkinder sollen in den Sechzigerjahren unbezahlt für den Kristallkonzern gearbeitet haben - Auch Marmeladenhersteller Darbo ist betroffen

Innsbruck - Ehemalige Heimkinder aus St. Martin bei Schwaz erheben im Kurier Vorwürfe gegen den Kristallkonzern Swarovski. In den 1960er-Jahren seien Mädchen als Arbeitskräfte ausgenutzt worden. Sie hätten tagelang Glitzersteine aussortieren und dann auf Bänder aufbringen müssen. Geld hätten sie dafür kaum bekommen.

Konzernsprecher Markus Langes-Swarovski zeigte sich erschüttert. "Mich hat das äußerst betroffen gemacht, und ich wusste bislang nichts von derartigen Vorwürfen im Zusammenhang mit Swarovski." Er werde einen unabhängigen Historiker einsetzen und sich aktiv um Aufklärung bemühen. Wer etwas darüber wisse, sei eingeladen, an der Aufar beitung mitzuarbeiten, so Langes-Swarovski. Bisher konnte jedoch in den Firmenarchiven nichts zu den Auftragsvergaben aus dieser Zeit gefunden werden. Auch in den Landesarchiven ist man bisher nicht fündig geworden.

Das Unternehmen nehme die Vorwürfe sehr ernst, gerade weil man einen fairen Umgang mit Mitarbeitern pflege. 2013 werde außerdem eine Forschungsarbeit des His torikers Dieter Stiefel zur NS-Vergangenheit des Konzerns präsentiert.

Auch Darbo unter Verdacht

Auch das Land will die Vorwürfe gegen Swarovski überprüfen. Bisher seien diese jedoch in keinem Gespräch mit Missbrauchsopfern aufgetaucht, sagt Manfred Jenewein aus dem Büro von Landesrat Gerhard Reheis (SP). Verheimlichen wolle man jedenfalls nichts. Das Land bittet aber Betroffene, sich zu melden.

Auch beim Marmeladenhersteller Darbo und dem Beleuchtungsunternehmen Eglo haben laut Kurier Heimkinder aus St. Martin gearbeitet, ohne dafür Geld erhalten zu haben. Die Bezahlung sei ans Heim geflossen,

Anfang Juli war eine erste wissenschaftliche Studie von Michaela Ralser vom Institut für Erziehungswissenschaften Innsbruck vorgestellt worden. Diese soll ein erster Schritt zur Aufarbeitung der Heimgeschichte in Tirol und Vorarlberg sein. Die Studie basiert auf Akten der Heime und mündlichen Überlieferungen von damali gen Heimkindern. Sie soll eine Entscheidungsgrundlage dafür bieten, welche Projekte zur Aufarbeitung der Heimgeschichte und Fürsorgeerziehung in Angriff genommen werden sollten.

Studienautorin Michaela Ralser empfahl vier weitere Detailstudien zur Untersuchung der Vorgänge in "exemplarischen" Heimen. Dar un ter ist auch St. Martin in Schwaz. Es war das einzige Erziehungsheim für schulentlassene Mädchen in Westösterreich. Es zeige als früheres Arbeitshaus und Gefängnis die Entwicklung einer Erziehungsanstalt. Ebenfalls genauer aufgearbeitet werden sollen die Opferberichte der "Bubenburg" in Fügen, eines klassischen konfessionellen Heims. Auch die Psychiatrische Kinderbeobachtungsstation in Innsbruck und das Vorarlberger Fürsorgeheim Jagdberg sollen untersucht werden. Im Herbst wollen die Länder Tirol und Vorarlberg weitere konkrete Schritte zur Aufarbeitung der Heimgeschichten präsentieren. (Verena Langegger, DER STANDARD, 16.8.2012)

Wissen

Opfer anerkannt 

Um Zuge der Missbrauchsfälle in kirchlichen, städtischen und staatlichen Kinderheimen in den 1960er- und 70er-Jahren wurde im Juli eine 68-jährige Salzburgerin als erstes Verbrechensopfer vom Bundessozialamt anerkannt. Der Frau, die als Zwölfjährige nach St. Martin bei Schwaz kam, wird damit rückwirkend bis 1. Dezember 2011 eine "Ersatzleistung infolge Verdienstentganges" ausbezahlt. Laut Berichten der Betroffenen standen in dem Heim Zwangsarbeit bis zur Erschöpfung und sexueller Missbrauch an der Tagesordnung. (fern)

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Super Werbung, super heiliges Land Tirol!

Ich wurde mit 19 zu einem Jahr Zwangsarbeit in einem Altersheim verpflichtet. Bekomm ich jetzt auch eine Entschädigung?

einen Kollektivvertrag (oder gesetzl. Mindeststandards)

für die Arbeitsplatz-Konditionen 15-18-jähriger Heimkinder, welche eben ein bißchen was arbeiten dürfen/müssen, gibt's nicht (?).
Die müssen halt mehr als alle anderen auch für jeden Groschen dankbar sein.

Na ja, bei den Verantwortlichen in den Heimen wird nach 50 Jahren nicht mehr viel zu holen sein. Jetzt läuft halt die Masche "zahlt 1 Mille, oder wir machen euch 5 Mille Imageschaden".
Eine Sauerei mit der nächsten ausgleichen, ist nicht wirklich ein Fortschritt.

Historiker soll Zwangsarbeit für Swarovski prüfen.

Tschuldigung aber ist die Überschrift nicht ein wenig zweideutig?

sind ja Zuständ wie in China bei uns ..... wir sollten uns wirklich hüten mit Fingern auf andere zu zeigen.

Ich hoffe das "waren" Zustände

wie sie derzeit in China immer noch herrschen.
Sonst wär´s noch krasser.
Ich finde, man sollte die Verjährungsfristen für derlei Delikte canceln. Das ist nämlich auch Kindesmisshandlung..

Ahh geh...

die haben doch eh nur Paprika aufm Balkon angesetzt.

Darbo - ein Teflontyp

Herr Darbo hat sich gleich abgeputzt (siehe heutiger Kurier). Ihm geht es nur darum, ob die Kinder das Geld erhalten haben oder die Heimleitung! Dass es hier um KINDERARBEIT geht, diese Frage stellt sich ihm gar nicht.
Aber Herr Darbo ist einer, der gut dastehen will. Ich erinnere mich an ein Interview im Kurier, wo er nicht zugeben wollte, dass in seiner so natürlichen Marmelade Früchte aus CEE enthalten sind. Da hat er offensichtlich gedacht, das passt mit "Natürlich" nicht zusammen, kostet ihn einige Glasln weniger Absatz. Seit damals kaufe ich keine Darbo Marmelade.

Kinder im engeren Sinne sind das nicht, sondern Jugendliche 15-18 (auch bei Darbo 15), die im Regelfall, wenn sie in keiner schulischen Ausbildung sind, arbeiten (in der damaligen Zeit sowieso).
Arbeit wäre normal, das Problem ist die Zwangsarbeit.
Und da ist schon die Frage, wieviel die Betriebe wussten, inwiefern das der Normalfall war in solchen Heimen (es macht fast den Eindruck, bringt daher wohl nichts, sich auf einzelne Unternehmen zu konzentrieren - und warum schweigt etwa das Bundesheer noch immer?) und warum nicht wenigstens das Geld bei den Jugendlichen ankam.
Aber die Hauptverantwortung scheint mir schon bei der damaligen Politik zu liegen.

Die Kinder waren in dem Heim "zuhause".in den 50iger60er Jahren mußten Kinder im Haushalt mitarbeiten, Linoleumfußböden auf Knien und mit Bürsten reiben, Kohlenkübel aus dunklen Kellern schleppen, bei Vergehen auf Scheitln knien oder Watschen einstecken und sogut wie ein jeder Haushalt hatte einen "Pracker". Das war die Zeit damals,und wo Geldnot war, wars noch ärger, wie kann man da glauben, dass es da in Heimen besser zugegangen wäre ?

zeitlos schön...

...swarovski blutkristalle.

die stellen auch optik für waffen her...nett, oder?

Unerhört, sofort das Werk schliessen!

Jetzt würde mich einmal interessieren:

wenn der Staat so eine Entschädigung bezaht, zahlen das ja wir Steuerzahler, hält sich der Staat eigentlich an den Verantwortlichen in irgendeiner Form schadlos?

sie schreiben es ja, der steuerzahler darf s bezahlen.....

jaja - da darf dann ein landesrat/minister/staatssekretär oder so einen hirschen mit 18 endigem geweih schießen.
oder einen adler.

oder er darf urlaub auf einer yacht vor der cote d'azur machen.

und schon passt das alles wieder...

Sofern

die Verantwortung klar festgelegt werden kann und die Verantwortlichen noch greifbar sind, schon.

in österreichischen Gefängnissen gibt es auch vom Gesetzgeber verordnete Zwangsarbeit (Arbeitspflicht ohne seriösem Lohn), die offensichtlich allgemein akzeptiert ist.

wollen sie

ernsthaft Kinder mit Verbrechern vergleichen?

Nein, gibt es nicht.

Wer als Strafhäftling die Arbeit verweigert, kann das tun, mkuss aber dann von jenem Taggeld leben, das ihm der Staat zur Verfügung stellt, und dass bewegt sich im Bereich von ein paar Zehnern im Monat. Damit kann er dann "ausspeisen", also im Knastladen einkaufen. Häftlinge ide arbeiten, bekommen noch zusätzlichen "Lohn", der zwar äusserst gering ist, aber dennoch ein bisserl mehr Spielraum bietet.

gesetzlicher Zwang zur Arbeit laut Gesetz vorgesehen !

Quelle:
http://www.jusline.at/44._Arbei... _StVG.html

Dazu kommt noch erschwerend -

dass laut statistik ca. 20% der häftlinge eher o. völlig unschuldig sind!
Z.b. in den usa werden nachweisslich, regelmässig völlig unschuldige menschen hingerichtet...!

Das ist dann neu.

Wenn das stimmt, haben wir uns in die falsche Richtung entwickelt.
Vielleicht führt man ja jetzt wieder Dunkelhaft(am Tag der Tat) und die Wasser/Brot-Diät ein.

ist seit 1.1.1970 so (Quelle: RIS)

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