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vergrößern 800x475Howe Gelb (re.) und seine Giant Giant Sand in Wien. Zwischen Konvention und sanftem Irrsinn entschied meist der Keyboarder vom anderen Ende der Bühne. Nicht im Bild, aber in Topform: Nicolaj Heyman.
Wien - Die Verrückten standen links und rechts außen auf der Bühne. Links war das Nicolaj Heyman. Der wirkte wie ein für Alltagsjobs schwer vermittelbarer Hyperaktiver. Sein Keyboard behandelte er mit Handkantenschlägen, dazu drehte dieser Bruce Lee des Country-Soul Knöpfe an einem elektronischen Ich-weiß-nicht-was, das hauptsächlich der akustischen Eskalation der Show diente. Wäre Heyman ein Lied lang gesessen, es wäre wohl jemand geeilt, um ihm den Puls zu messen. Aber das war natürlich nicht notwendig.
Der andere Verrückte war der Chef dieser Show. Rechts auf der Bühne mit einer Truckermütze (Aufschrift: "Good Luck, Suckers") über reichlich staubigen Haaren stand Howe Gelb und dirigierte seinen zehnköpfigen Flohzirkus mit der Akustischen, einer viereckigen Bo-Diddley-Gitarre - oder vom Keyboard aus. Der Name des Zirkus lautet Giant Sand.
Weil Gelb aktuell jedoch eine "Country Rock Opera" aufführt und dazu mehr Personal als üblich beschäftigt, heißt die Formation Giant Giant Sand. Diese gastierte am Dienstag in der Wiener Arena.
Gelbs Verrücktheit ist sein Markenzeichen. Bald nach dem Auftauchen der Band Mitte der 1980er-Jahre ging es ihm zusehends darum, mit dem Hilfsmittel des Dekonstruktivismus dem Genre Country Rock neue Spannung abzutrotzen, es aus den Händen von Langeweilern wie den Eagles zu reißen und unter dem Eindruck von Punk wieder zurück in den Dreck der Landstraße zu befördern. Sein Zugang lautet: Das ist mein Lied, also darf ich es auch kaputtmachen.
Das ergab auf rund sechzig Alben unter seiner Ägide ein Werk, das von Singersongwritertum, Alternative Rock bis zu Fragmentsammlungen vieles bot, nur keine Langeweile. Auf diesem Weg hat er allerdings zwei seiner Getreuen verloren: Joey Burns und John Convertino, die als Calexico Weltkarriere gemacht haben (neues Album demnächst).
Ein wenig erinnerte Gelbs "Country Rock Opera" an deren Musik. Giant Sand kommt aus Tucson in Arizona, das Grenzländische zu Mexiko schlug sich in der Musik schon oft nieder, aktuell operieren Giant Giant Sand mit Mariachi-Hörnern, und auch das zum Einsatz gebrachte Akkordeon erinnerte an jene Freuden, die die Polka deutscher Auswanderer in nämlichem Grenzgebiet als Tex-Mex zu erzeugen vermag. Doch Gelb legt sich selten fest, weshalb Mariachi-Hörner oder Tex-Mex zwar eine Richtung beschreiben mögen, nicht aber konkrete Ergebnisse garantieren.
Giant-Sand-Musik ist eine ergebnisoffene Kunst. Deshalb erschien ein Stück wie der Wind Blown Waltz bei Gelb nicht als gerader "Waltz", sondern als ein stolperndes, sich wieder fangendes Stück, das eine Steel-Guitar, zwei Geigen und zwei, drei Bläser sanft stützten.
Gelb raunte dazu quer zur Tanzrichtung mit näselndem Bariton Text ins Mikrofon. Doch es bedeutet viel Arbeit, zehn Mitmusikerinnen und -musikern ständig Stolpersteine zu legen, da schunkelte die Show über Strecken reichlich konventionell daher, ein paar Bar-Jazz-Einlagen, die Gelb am Keyboard anrichtete, prickelten auch nicht wahnsinnig.
Doch zum Glück hat er ja Nicolaj Heyman, der immer wieder dafür sorgte, dass die Band in seinem Kraftfeld in sanften Irrsinn glitt. In dessen Pausen erblühten dann kleine Oasen umso schöner. Etwa eine Version von Skeeter Davis' ewiger Herzschmerz-Ballade The End of the World, gesungen von Lonna Kelley als Heidi in einem David-Lynch-Film.
Da war der sympathische Größenwahn von Giant Giant Sand ganz bei sich. (Karl Fluch, DER STANDARD, 16.8.2012)
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Schön das der Standard Howe Gelb immer schön verfolgt, der Mann bringt ja laufend neue Platten raus.
Das Album Alegrias von Howe Gelb & A Band of Gypsies sei an dieser Stelle auch unbedingt empfohlen.
http://www.youtube.com/watch?fea... sUPXyHpRQo
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