Ein Arm, sauschnell: Andreas Onea

Porträt |
  • Andreas Onea hat einen Plan, der da lautet: Gold in Rio 2016: "Da bin ich dann 24 und am Zenit." In London darf es aber ruhig schon Bronze werden.
    foto: andreas onea

    Andreas Onea hat einen Plan, der da lautet: Gold in Rio 2016: "Da bin ich dann 24 und am Zenit." In London darf es aber ruhig schon Bronze werden.

  • Als x-facher Staatsmeister startet Onea in London über 100m Brust, 100m Delfin und 200m Lagen.
    foto: andreas onea

    Als x-facher Staatsmeister startet Onea in London über 100m Brust, 100m Delfin und 200m Lagen.

  • Auftritt im ORF.

  • Auch ORF Sport Plus hat ihn aufgespürt.

Am 29. August starten die Paralympics. Es werden die spektakulärsten aber auch ungerechtesten aller Zeiten. Medaillenkandidat Andreas Onea schnupft in Österreich auch zweiarmige Konkurrenz im Schwimmbecken

Wien - Den Begriff Grenzen kennt Andreas Onea natürlich. "Ich habe aber noch nie welche gesehen, nur gehört, dass sie in den Köpfen mancher Menschen existieren." Einen Beweis für seine Aussage lieferte Onea letzte Woche bei den Schwimm-Staatsmeisterschaften in Innsbruck. Noch nie hat in Österreich ein körperbehinderter Schwimmer ein B-Finale bei den Nichtbehinderten gewinnen können. Bis jetzt halt.

Und das ausgerechnet vor den Paralympics ins London, die in zwei Wochen anheben. Nach medialen Maßstäben werden es die aufregendsten Spiele für Behindertensportler aller Zeiten sein, ARD und ZDF übertragen über 50 Stunden live aus London, sogar der ORF berichtet täglich. Ein Jammer nur für Andreas Onea, dass seine formidablen 02:34.72 Minuten von Innsbruck in London nichts zählen, da über 200 Meter Brust nicht olympisch geschwommen wird. "Das ist natürlich schade für mich. Da bin ich Weltranglisten-Zweiter, hätte wohl eine Fixmedaille. So werde ich es halt über 100 Meter Brust angehen, Bronze ist drin", sagt der 20-Jährige.

Keine Vorwürfe

Andreas Onea fehlt der linke Arm. 1998, mit sechs Jahren, rutscht das Auto der Eltern bei der Rückkehr aus dem Urlaub von der verregneten Straße. Onea wird aus dem Wagen geschleudert, sein Arm vom Gurt abgerissen. Er habe seinem Vater, der am Steuer saß, danach nie einen Vorwurf gemacht. "Ohne den Unfall wäre ich nicht zum Sport gekommen und wäre jetzt ein ganz normaler Teenager."

Die Rehabilitation führte ins Becken und im nächsten Schritt zum Leistungssport. Beim Schwimmen kompensiert er den fehlenden Armzug durch starke Beinbewegungen. Und durch gewaltige Trainingsumfänge: In seinen Hochphasen legt Onea zehn Kilometer im Wasser zurück, geht drei Stunden in die Kraftkammer, radelt zwei Stunden am Ergometer, dazu kommt noch Stabilisieren, Gymnastik. "Ich trainiere acht bis zehn Stunden pro Tag. Natürlich wird das weniger, je näher der Wettkampf rückt." Das geht prinzipiell nur als Profi oder als Student. Onea macht auf der WU Wien seinen Bachelor, von der Sporthilfe wird er mit 440 Euro monatlich gefördert, in der höchsten Kategorie "Weltklasse".

Ungerechte Spiele

Und auch wenn das Peanuts sind, die öffentliche Wertschätzung des Behindertensports wächst. Und mit ihr die Probleme für die Athleten. Die Paralympics sollen noch attraktiver für das Publikum werden: Das Programm wurde gestrafft, es werden weniger Medaillen vergeben. Darum kämpfen jetzt Schwer- und Leichtbehinderte in denselben Klassen. Wolfgang Schattauer, Olympia-Starter im Handbike, übt Kritik am IPC (Internationales Paralympisches Komitee): "Die Schwerbehinderten bleiben über. Der Grundgedanke des Behindertensports geht verloren."

"Die Öffentlichkeit will durchtrainierte Profilathleten sehen. Schwerbehinderte im Rollstuhl lassen sich schlechter verkaufen als ein Leichtathlet, der mit Prothesen sprintet. Oscar Pistorius ist ein Medienstar, Rollstuhlfahrer mit nur zwei funktionierenden Armen können aber auch Topathleten sein", sagt Andreas Onea.

Zurück von den Geldmaschinen ins Schwimmbecken: Das Traumziel für Onea liegt bei 1:10 Minuten über 100 Meter Brust. Damit würde er nicht einmal zwölf Sekunden über dem Weltrekord liegen, den der Südafrikaner Cameron van der Burgh gerade in London aufgestellt hat. Mit beiden Armen. Den Weltrekord bei den behinderten Sportlern (1:06 Min.) hält der ukrainische Vollprofi Andriy Kalina, der ebenfalls nur einen Arm hat. Onea: "Er würde bei den regulären österreichischen Meisterschaften ganz vorne mitschwimmen." (Florian Vetter, derStandard.at; 17.8.2012)

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 73
1 2

Lieber ORF es wäre nett, wenn ihr derlei Sport-Events auch mal in ORF1 zu einer besseren Zeit senden würdet. Nicht jeder hat Sport+
Die Leistungen sind mehr als beeindruckend...

toller typ und alles gute bei den paralympics

aber da fehlen 3 buchstaben.

lt. rogan

ist fürs gewinnen ein fehlender arm weniger wichtig als fehlendes gehirn...
ich wünsche allen österreichischen teilnehmenden der paralympics, dass sie mit einem medaillenregen nach hause kommen und die sportler des jahres aus diesen reihen kommen!

All diesen Sportlern, egal ob jetzt bei den Paralypmics dabei oder nur wegem dem Spass am Sport zolle ich meinen höchsten Respekt. Man muss nur einmal selbst versuchen ein Körperteil während der Ausübung von Sport nicht zu benützen und merkt dann schnell was diese Damen und Herren zu leisten im Stande sind.
Viel Glück für alle Teilenehmer - möge der Beste gewinnen.

super Leistung, super Typ. Ich bin immer wieder fasziniert mit welcher Einstellung diese Menschen ihr Leben meistern und was sie schaffen. Jeder gesunde, egal ob Leistungssportler oder nicht, sollte sich ein paar dicke Scheiben abschneiden von diesem positiven Denken.
Ich wünsch allen Athleten alles Gute und viel Erfolg bei den Spielen!!

ich steh total auf die paralympics. die sind viel viel spannender als die normalen olympischen spiele.

brustschwimmen mit einem arm ist übrigens gar nicht soo schwer wie viele glauben, weil für den antrieb ohnehin hauptsächlich die beine zuständig sind ;)

stimmt, ich schwimme

oft zum spaß ohne arme, also angelegt. damit aber schneller sein als ein zweiarmiger der sehr gut schwimmen kann, ist schon heftig.

Also wenn ich Wettkampf-Schwimmer wäre und mir schwimmt ein Einarmiger auf und davon, würd ich's glaub ich aufgeben.

Ist mir einmal bei einem Viertelmarathon so gegangen, als ich erst bei der Hälfte einen einbeinigen Kenianer überholt habe. Er lief mit Krücken und einer ausgefeilten Technik die 10,6 Kilometer übrigens in ~1:10 Std.

toll

was für ein sympathischer und kluger bursch!
ich drück die daumen!

es wird endlich zeit, die trennung der paralympics von den olympischen spielen aufzuheben

man sollte die paralympics mit ihren eigenen bewerben endlich in die "normalen" olympischen spiele integrieren. sollen die dann halt 3 wochen dauern statt 14 tage. aber damit wäre auch die mediale aufmerksamkeit viel höher, wenn zb vor- und finalläufe zur gleichen zeit an der gleichen sportstätte stattfinden.
@ trennung leicht- und schwerbehinderte: ich habe mich nie damit auseinandergesetzt - aber ich halte rollstuhlfahrer für grossartige athleten, die oft weitaus mehr zustandebringen als ihre nichtbehinderten kollegen.

"Onea macht auf der WU Wien seinen Bachelor, von der Sporthilfe wird er mit 440 Euro monatlich gefördert, in der höchsten Kategorie "Weltklasse".

Najo, Herr Minister Darabos, fällt das nicht in ihr Ressort? Hättens vielleicht doch nicht so übertrieben großmännisch den Mund weit aufgesperrt, Reformen in dem Bereich dürften werden schwierig sein noch besonders viel Kosten, oder?

Bauts ein paar Funktionäre ab und ihr könntet pro Jahr 100 Weltklasse Sportler fördern, wenn ihr denn wirklich wolltet...

Aber wenn man hier mal nachliest: http://www.sporthilfe.at/%C3%9Cber... luec1.html

"mit dem Ziel gegründet, österreichische Spitzensportler – ohne staatliche Mittel – finanziell, sozial und ideell bestmöglich zu fördern."

Alles klar...

Dieses Problem gibts leider nicht nur im Sportbereich.

Von der Sporthilfe wird er mit 440 Euro monatlich gefördert, in der höchsten Kategorie "Weltklasse"

Da darf man sich nicht wundern wenn man keine Olympia Medaillen macht!

Ansonsten tolle sportliche Leistung, sicher ein Ausnahmeathlet!

großartig

ich schwimme selbst viel, konnte mir aber nicht vorstellen, dass es mit einem arm geht.

Zum Thema "Schwerbehinderte im Rollstuhl lassen sich schlechter verkaufen als ein Leichtathlet,"--> Geierspichler vermakrtet sich recht gut bzw eird vermarktet. Auch Anif macht mit ihm Werbung, und sei es nur mit dem Hinweis an allen Ortseinfahrten, dass er dort wohnt. Es tut sich was in der Wahrnehmung vom Versehrtensport. PS: der durchtrainierte Halleiner ÖVP- Bgm Stöckl wollte im Winter auch unbedingt aufs Bild- "Behinderten" sport ist also durchaus imagefördernd. So imagefördernd, dass man gleich zwei unliebsame Sozi- Haaransätze wegretuschieren lässt...

Der Stöckl...

...will auf jedes Bild - egal welches. Der lässt sich auch mit einem Haufen Hundekacke ablichten, solange es nur veröffentlicht wird.

ja, so ist er

keine Tennengauer Nachrichten, wo er nicht mindestens 5 mal drin ist. Hat der eine "Hofbildstelle" dort?

Reschreiter for Buagamasta!!!!

Gratulation, Herr Onea.

Ganz großartige Leistung!

Beeindruckende Leistung!

Cooler Bursche, starke Leistung!

Die Behindertensportler hauen sich wirklich ins Zeug und sich auch wirklich gehandicapt und können zB ihre Beine nicht einsetzen. Respekt! Der Rogan hingegen verfügt laut Eigendefinition über zu wenig Hirn, um seine Beine einzusetzen.

Laut Eigendefinition verfügt Rogan natürlich über zu viel Hirn. ;)

*klopf* *klopf*
*klopf* *klopf*
*klopf* *klopf*

Ungerechte Spiele: Oscar Pistorius

Nichts gegen Pistorius, aber entweder er tritt bei den olympischen Spielen oder bei den Paralympics an. Er tritt jedoch bei beiden Spielen an.

Posting 1 bis 25 von 73
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.