Festnahmen bei Solidaraktion für Pussy Riots

Wenige Tage vor dem Urteilsspruch gegen die Aktivistinnen

Moskau  - Wenige Tage vor der Urteilsverkündung im Fall der russischen Punkband Pussy Riot hat die Moskauer Polizei erneut Unterstützer der regierungskritischen Künstlerinnen festgenommen. Die Sympathisanten müssten sich wegen einer illegalen Kundgebung an der Moskauer Erlöserkathedrale in Kürze vor Gericht verantworten, teilte die Polizei am Mittwoch der Zeitung "Nowaja Gaseta" (Online) zufolge mit. Das Blatt berichtete von fünf Festnahmen, die Behörden bestätigten deren vier. Im Prozess gegen die Pussy-Riot-Mitglieder wegen einer kremlkritischen Performance in der Erlöserkathedrale wird an diesem Freitag (17. August) das Urteil erwartet.

Polizisten gingen auch gegen Journalisten vor

Etwa 20 Unterstützer von Pussy Riot hielten auf den Stufen der Erlöserkathedrale Buchstaben in die Höhe, die zusammen den Bibelspruch "Selig sind die Barmherzigen" ergaben. Die Demonstranten waren mit den für die Band typischen bunten Sturmhauben maskiert. Daraufhin griff der Sicherheitsdienst der wichtigsten russisch-orthodoxen Kirche ein und hielt mehrere Teilnehmer fest, bis die Polizei eintraf. Die Wachleute seien auch gegen Journalisten vorgegangen, behaupteten Reporter.

Auch weltweit wächst der Protest gegen den umstrittenen Prozess. Die kanadische Sängerin Peaches veröffentlichte ein in Berlin gedrehtes Video mit dem Titel "Free Pussy Riot" (Freiheit für Pussy Riot). Eine von der Künstlerin initiierte Petition zur Freilassung der Punkrockerinnen hätten bereits 95.000 Menschen unterzeichnet.

Bei einem weiteren Vorfall in Moskau im Mausoleum von Sowjetführer Lenin auf dem berühmten Roten Platz nahm die Polizei bereits am Dienstag einen Mann fest, der am Sarkopharg des Revolutionärs Kopien von Pussy-Riot-Fotos auf den Boden geworfen hatte. Der 50-Jährige wurde zu einer Geldstrafe von umgerechnet 12,50 Euro verurteilt, wie die Agentur Interfax unter Berufung auf den Sicherheitsdienst meldete.

Nach "Punk-Gebet" droht Haft

Nach einem "Punk-Gebet" in der Erlöserkathedrale gegen Staatschef Wladimir Putin und Patriarch Kirill (Kyrill) am 21. Februar drohen den drei Pussy-Riot-Mitgliedern mehrere Jahre Haft. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen Rowdytum aus religiösem Hass vor. Die Organisation Amnesty International hat die jungen Frauen, von denen zwei Mütter sind, als politische Gefangene anerkannt. Putin hatte zuletzt das zuständige Moskauer Gericht aufgefordert, ein nicht allzu hartes Urteil zu fällen. Die Staatsanwaltschaft fordert drei Jahre Straflager für den knapp einminütigen Auftritt. 

Störaktion auch in Wien

Vier vermummte Gestalten haben aus Solidarität mit der Moskauer Frauen-Punkband Pussy Riot den Altar der russisch-orthodoxen Kathedrale in Wien gestürmt. Wie die regierungskritischen Musikerinnen aus Russland trugen die vier bunte Gesichtsmasken und ließen sich im Altarraum mit einem Banner fotografieren, wie ein Kirchenvertreter am Mittwoch sagte. Die beiden einzigen Besucher der Kathedrale zum Heiligen Nikolaus seien empört gewesen, doch es es sei kein Sachschaden entstanden.

"Leider gibt es Menschen, die heilige Stätten für ihre eigenen Werbezwecke missbrauchen. Dies ist eine Kirche und wir sind nicht auf geistesgestörte Menschen eingestellt", fügte der Vertreter von St. Nikolaus hinzu. Die Fotos der Blitzaktion veröffentlichte die Gruppe im Internet, um die Botschaft des Banners "Gott liebt Pussy Riot, befreit Pussy Riot" zu verbreiten. (APA, 15.08.2012)

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