Festnahmen bei Solidaraktion für Pussy Riots

15. August 2012, 20:29

Wenige Tage vor dem Urteilsspruch gegen die Aktivistinnen

Moskau  - Wenige Tage vor der Urteilsverkündung im Fall der russischen Punkband Pussy Riot hat die Moskauer Polizei erneut Unterstützer der regierungskritischen Künstlerinnen festgenommen. Die Sympathisanten müssten sich wegen einer illegalen Kundgebung an der Moskauer Erlöserkathedrale in Kürze vor Gericht verantworten, teilte die Polizei am Mittwoch der Zeitung "Nowaja Gaseta" (Online) zufolge mit. Das Blatt berichtete von fünf Festnahmen, die Behörden bestätigten deren vier. Im Prozess gegen die Pussy-Riot-Mitglieder wegen einer kremlkritischen Performance in der Erlöserkathedrale wird an diesem Freitag (17. August) das Urteil erwartet.

Polizisten gingen auch gegen Journalisten vor

Etwa 20 Unterstützer von Pussy Riot hielten auf den Stufen der Erlöserkathedrale Buchstaben in die Höhe, die zusammen den Bibelspruch "Selig sind die Barmherzigen" ergaben. Die Demonstranten waren mit den für die Band typischen bunten Sturmhauben maskiert. Daraufhin griff der Sicherheitsdienst der wichtigsten russisch-orthodoxen Kirche ein und hielt mehrere Teilnehmer fest, bis die Polizei eintraf. Die Wachleute seien auch gegen Journalisten vorgegangen, behaupteten Reporter.

Auch weltweit wächst der Protest gegen den umstrittenen Prozess. Die kanadische Sängerin Peaches veröffentlichte ein in Berlin gedrehtes Video mit dem Titel "Free Pussy Riot" (Freiheit für Pussy Riot). Eine von der Künstlerin initiierte Petition zur Freilassung der Punkrockerinnen hätten bereits 95.000 Menschen unterzeichnet.

Bei einem weiteren Vorfall in Moskau im Mausoleum von Sowjetführer Lenin auf dem berühmten Roten Platz nahm die Polizei bereits am Dienstag einen Mann fest, der am Sarkopharg des Revolutionärs Kopien von Pussy-Riot-Fotos auf den Boden geworfen hatte. Der 50-Jährige wurde zu einer Geldstrafe von umgerechnet 12,50 Euro verurteilt, wie die Agentur Interfax unter Berufung auf den Sicherheitsdienst meldete.

Nach "Punk-Gebet" droht Haft

Nach einem "Punk-Gebet" in der Erlöserkathedrale gegen Staatschef Wladimir Putin und Patriarch Kirill (Kyrill) am 21. Februar drohen den drei Pussy-Riot-Mitgliedern mehrere Jahre Haft. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen Rowdytum aus religiösem Hass vor. Die Organisation Amnesty International hat die jungen Frauen, von denen zwei Mütter sind, als politische Gefangene anerkannt. Putin hatte zuletzt das zuständige Moskauer Gericht aufgefordert, ein nicht allzu hartes Urteil zu fällen. Die Staatsanwaltschaft fordert drei Jahre Straflager für den knapp einminütigen Auftritt. 

Störaktion auch in Wien

Vier vermummte Gestalten haben aus Solidarität mit der Moskauer Frauen-Punkband Pussy Riot den Altar der russisch-orthodoxen Kathedrale in Wien gestürmt. Wie die regierungskritischen Musikerinnen aus Russland trugen die vier bunte Gesichtsmasken und ließen sich im Altarraum mit einem Banner fotografieren, wie ein Kirchenvertreter am Mittwoch sagte. Die beiden einzigen Besucher der Kathedrale zum Heiligen Nikolaus seien empört gewesen, doch es es sei kein Sachschaden entstanden.

"Leider gibt es Menschen, die heilige Stätten für ihre eigenen Werbezwecke missbrauchen. Dies ist eine Kirche und wir sind nicht auf geistesgestörte Menschen eingestellt", fügte der Vertreter von St. Nikolaus hinzu. Die Fotos der Blitzaktion veröffentlichte die Gruppe im Internet, um die Botschaft des Banners "Gott liebt Pussy Riot, befreit Pussy Riot" zu verbreiten. (APA, 15.08.2012)

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die wachleute gehören sofor wegen tätlichen angriff und freiheitsberaubung angezeigt.

Im Westen nichts neues

Auf dem Foto sieht man 17 Demonstranten, wahrscheinlich stehen denen 200 bestellte Journalisten gegenüber. Der Prozess gegen die Punkerinnen sorgt bei Russen kaum für Aufregung oder gar Empörung, die meisten sehen das ganze als eine westliche Propagandainszenierung im OTPOR-Stil.

Aufmacher in den russischen Leitmedien sind hingegen Berichte über den verfolgten Dissidenten Assange, wo jetzt das britische Regime sogar damit droht, die ecuadorianischen Botschaft in London anzugreifen. Weiterhin ist dort Thema z.B. die sexuellen Übergriffe durch amerikanische Sicherheitsorgane an Aktivistinnen der Demokratiebewegung vor der Wall-Street.

und warum wohl? sie verstehen ja gar nichts..

"propagandainszenierung im OTPOR-stil"...?

im übrigen ist Ihnen vielleicht aufgefallen, dass sich auch occupy auf otpor und gege sharp bezieht. oder ist Ihnen das nicht aufgefallen, weil es nicht in Ihre von dichotomien geprägte weltsicht passt?

pussy riot ist eine politische gruppe, die sich für demokratie, meinungsfreiheit und menschenrechte und gegen sexismus und rassismus engagiert. meine unterstützung haben derartige gruppen, wo immer auch sie aktiv sind.

Ja eh...

...in Kärnten wird ja auch kaum über die Mißstände im eigenen Bundesland geschrieben. Wieso sollten lokale Medien in Moskau von Dingen schreiben, die den Menschen vor Augen halten würden, in welcher Diktatur sie leben?! Überall wird lieber übers Ausland geschrieben als über die eigenen Mißstände :-)

Das tun sie aber ...

... zumindest teilweise ... und im Klartext ;-)

Teilweise ja...

...aber auch nur deswegen, weil die Zeitung hier nicht gleich zugesperrt werden und die Berichterstatter in irgendwelchen Bergwerken zu Zwangslager verurteilt werden...

meinen sie nicht, dass die kämpfe der zivilgesellschaft längst nicht mehr national geführt werden ? ein kartell der macht diktiert die zivilgesellschaft, die meinungsfreiheit, den pazifismus, die aufklärung. sehen sie nicht die gleichem muster, egal ob in rus, eng, china oder den usa ?

wen menschenrechte forden ist einer krankheit dann wüder mir nicht mehr über russland

irgendwie komisch...

da kommen tag für tag lauter geistesgestörte in die kirchen, sie werden von geitesgestörten geführt ... und dann sind die nicht auf geistesgestörte eingestellt?

Komisch, aber offenbar doch wahr

Ja, die Kirchen repräsentieren jene Geisteskrankheit, für deren Heilung sie sich halten (frei nach K. Kraus).

"wir sind eine kirche und nicht auf geistesgestörte menschen eingestellt"

kein kommentar!

"Geistesgestörte"

Die Frage ist bloß: wer sind denn jetzt eigentlich die "Geistesgestörten"?

was würde sein wen irgendwelche leute in amerika die kirche stürmen würden und sich aufführen würden?
da würde folgendes passieren die polizei würde dort eintreffen und diese leute mit gewalt und elektroschoks raushetzen und im polizei revier ordentlich vermöbeln was ja schon dort sehr oft der fall war und nirgends wurde davon irgendwas berichtet.in russland haben die es noch gut die werden dort normal behandelt gegensatz zu einigen anderen westlichen staaten.

Ich bin immer wieder fasziniert, wie meine Mituser hier lauter Sachen wissen, über die nirgends berichtet wird.

so ein schwachinn!
wo in amerika ist das schno mal passiert?

abgesehen davon, ist amerika ja auch nicht gerade als hort der menschenrechte bekannt. und es wird auch über solche missstände in amerika berichtet.

Geh, geh, geh ...

...entspannen Sie sich ein bisschen ;-)

bin entspannt sie etwa nicht?

Das waer nicht noetig.
Da, wie wir gelert haben, dort jeder eine Waffe braucht um sich zu verteidigen, würde es zu einer Schiesserei kommen...

Kritik am "Allerheiligsten"

Lesen Sie mal US-Zeitungen und verfolgen Sie aufmerksam den Stil der Kritiken an Obama, Biden, Romney und Ryan. Den Autoren dieser Kritiken geht's immer noch erstaunlich gut, manche werden sogar zu TV-Shows eingeladen, wo sie ihre Betrachtungen einem Millionenpublikum vorbringen können.
Und dann lesen Sie mal russische Medienberichte, in denen Putin kritisiert wird. Diesen Autoren geht's weniger gut. Sie werden bedroht, verfolgt und sogar eingesperrt.
Sie können es ja gern mal selbst ausprobieren und uns dann anschließend davon berichten. Your choice!

hier im westen wird immer berichtet das in russland journalisten verfolgt werden aber das ist builshit wen da jemand verfolgt wird sicher nicht die medien es seidem sie arbeiten mit dem CIA zusammen wo es dan sowieso einen haufen beweise dafür gibt.

"Und dann lesen Sie mal russische Medienberichte, in denen Putin kritisiert wird. Diesen Autoren geht's weniger gut."

Ein paar Beispiele, vielleicht?

Russischsprachige internet ist voll mit regierungskritischen Websites angefangen mit kprf.ru und neuromir.tv.

Beispiele

Sie wollen ein paar Beispiele, hier bitte:

https://de.wikipedia.org/wiki/Medi... n_Russland

Lesen müssen Sie schon selbst.

russische Medienberichte, in denen Putin kritisiert wird. Diesen Autoren geht's weniger gut. Sie werden bedroht, verfolgt und sogar eingesperrt.

Ach, und welche Berichte haben Sie denn persoenlich gelesen ? Worum ging's da ueberhaupt ?

Diese "bedrohten, verfolgten und sogar eingesperrten" Helden sind oft bis zur ihrer "Bedrohung, Verfolgung und Einsperrung" nur in sehr engen Sympathisantenkreisen bekannt (Politkowskaja, Riot, Gongadze, Limonov, Kasparov in UA & Co). Deren Kritik ist weder bekannt (und einflussreich, sprich fuer die Staatsmacht irgendwie gefaehrlich), noch sonderlich originell oder gar handfest (konstruktiv). Die sind oft nur provokant, reisserisch und fuer den Westen bestimmt.

Aber fuer einen Medienrummel reicht's allemal...

kein Wunder ...

... bevor's wirklich gefährlich werden könnte ereilt diese ja eh ein gewaltsames vorzeitiges Ende ...

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