Standard Chartered büßt mit 340 Millionen Dollar

Die Bank kann trotz Vergleichs die Iran-Affäre aber noch nicht abhaken. US-Behörden knöpfen sich britische Geldhäuser vor

New York - Die britische Großbank Standard Chartered (StanChart) bleibt trotz einer ersten Einigung im Streit um dubiose Iran-Geschäfte im Visier der US-Behörden. Das Finanzministerium, die Notenbank, das Justizministerium und die New Yorker Staatsanwaltschaft erklärten, ihre Ermittlungen dauerten an. Hoffnungen des Instituts auf eine umfassende Einigung mit allen staatlichen Stellen hatten sich in dieser Woche zerschlagen.

Die Verhandlungen liefen offenbar nicht im Gleichklang. Denn der umtriebige Chef der New Yorker Finanzaufsicht, Benjamin Lawsky, preschte am Dienstagabend vor und verkündete kurzerhand einen Vergleich mit Standard Chartered: Demnach zahlt die Bank 340 Mio. Dollar (275 Mio. Euro). Ein Sprecher des Instituts sprach von einem pragmatischen Schritt im Interesse von Kunden und Aktionären.

StanChart als "Schurkenbank" bezeichnet

Lawsky war es auch, der vor rund einer Woche massive Vorwürfe gegen Standard Chartered vorgebracht hatte. Er bezeichnete das Geldhaus - bisher das Vorzeigeinstitut der Branche - als "Schurkenbank", die massiv gegen die Iran-Sanktionen der USA verstoßen habe. Das Haus habe den Regulierern insgesamt 250 Mrd. Dollar an Transaktionen mit iranischen Kunden verheimlicht. Dadurch habe die Bank das US-Finanzsystem für Drogenhändler und Terroristen geöffnet. Bank-Chef Peter Sands, der den Vergleich persönlich aushandelte, hat die Vorwürfe zurückgewiesen und betont, die illegalen Geschäfte beliefen sich auf maximal 14 Mio. Dollar.

Lawsky zufolge räumt Standard Chartered nun im Rahmen des Vergleichs ein, dass es tatsächlich um mindestens 250 Mrd. Dollar an fraglichen Transaktionen gehe. Die Bank habe zudem einer zweijährigen externen Prüfung der Geldwäsche-Kontrollen zugestimmt. Das Institut bestätigte die Vergleichssumme. Details der Einigung würden noch ausgehandelt.

Anleger zeigten sich erleichtert, dass die Bank in nur einer Woche eine Vereinbarung mit Laswky erzielen konnte. Die Aktien zogen in London um knapp fünf Prozent an. "Standard Chartered hat vermutlich das Richtige gemacht: Man legt etwas Geld auf den Tisch und das Leben geht weiter, egal wie unschuldig man sich auch fühlen mag", sagte Hugh Young vom Vermögensverwalter Aberdeen Asset Management, dem drittgrößten Bank-Aktionär.

Allerdings waren die Aktien die Tage zuvor deutlich stärker eingebrochen - insgesamt liegt der Marktwert immer noch um 3,5 Mrd. Dollar unter dem Niveau vom Zeitpunkt vor Lawsky Beschuldigungen. Für Nervosität sorgen die anhaltenden Verhandlungen mit den anderen Behörden, die schon seit zwei Jahren ermitteln. "Es ist sehr bedauerlich, dass keine umfassende Einigung aller Beteiligten gelungen ist", sagte Ed Wilson, ein früherer Ermittler im US-Finanzministerium. Lawsky sei vermutlich frustriert gewesen, dass die anderen Stellen so langsam arbeiteten, ergänzte Jimmy Gurule, ein früherer Finanzpolitiker, der heute als Jura-Professor arbeitet. Die US-Notenbank erklärte, sie arbeite mit den anderen staatlichen Stellen an einer umfassenden Lösung. Und das US-Finanzministerium kündigte an, Standard Chartered für jegliches Fehlverhalten zur Verantwortung zu ziehen.

Entzug der US-Banklizenz angedroht

Lawsky hatte Tempo in die Gespräche gebracht, indem er Standard Chartered mit dem Entzug der wichtigen US-Banklizenz gedroht hatte. Dazu war für Mittwoch eine Anhörung angesetzt, die nun verschoben wurde. Die Vergleichssumme entspricht neun Prozent des Vorsteuergewinns im ersten Halbjahr und liegt auf dem Niveau ähnlicher Einigungen mit anderen Instituten, denen die USA illegale Geschäfte mit Ländern wie dem Iran oder Kuba vorgeworfen haben. Hierzu zählten Credit Suisse, Barclays, Lloyds und ING.

Standard Chartered ist die dritte britische Großbank, die sich die US-Behörden in jüngster Zeit vorknöpfen. Politiker beklagen bereits eine vermeintliche Hexenjagd von US-Behörden gegen britische Institute. Erst musste Barclays wegen der Verwicklung in Zins-Manipulationen eine Geldstrafe über eine halbe Milliarde Dollar zahlen. Dann bekam die Konkurrentin HSBC wegen laxer Geldwäsche-Kontrollen eine schallende Ohrfeige vom US-Senat. Auch hier droht eine Milliardenstrafe.  (APA/Reuters, 15.8.2012)

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